Oberhausen - Alemannia verweigert in Oberhausen die Reaktion

Alemannia verweigert in Oberhausen die Reaktion

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Nicht anzuschauen: Willi Kronhardt hoffte vergeblich auf eine Reaktion der Mannschaft. Foto: dpa

Oberhausen. Das Spiel war aus, und eine letzte Mutprobe stand noch an. Alemannias Spieler zockelten in Richtung Fankurve, winkten aus sicherem Abstand, die Profis hatten wenig Lust, sich beschimpfen zu lassen. Nur der zuverlässige Mirko Casper gab die Distanz auf, nahm ein paar Worte am Zaun entgegen.

Vermutlich war der Dialog nicht sonderlich fröhlich, Alemannia unterlag RW Oberhausen völlig zu Recht 0:1. Dabei leistete sich das Team einen merkwürdig uninspirierten Auftritt.

„Jetzt ist die Gruppe in der Pflicht”, war das Spiel vom Interims-Trainer Willi Kronhardt überschrieben worden. Von Pflichtgefühl war wenig zu spüren...

Die Seeberger-Zehn

Kronhardt hatte bis auf Keeper David Hohs exakt die Seeberger-Elf des letzten Spieles ins Rennen geschickt, aber er hatte eine andere Idee. „Wir wollten mit einer reinen Sechs spielen”, war der Plan. Das 4-1-3-2 sollte das schnellere Umschalten garantieren, sollte den Gegner unter Druck setzen. So weit der Plan.

Kronhardt verschlug es dann aber schnell die Sprache. „Was soll ich sagen? Wir haben klare und konsequente Vorgaben, die nicht umgesetzt wurden.” Burkhardt und Fiel spielten dann häufig doch nebeneinander, die gewünschte Staffelung blieb aus. Aachens Mittelfeld war die Hauptverwaltung für Zauderei.

Fahrige Halbzeiten hat Aachen in der jungen Spielzeit schon einige geboten. In Oberhausen knüpften sie nahtlos an die desolate Vorstellung vor zwei Wochen gegen Frankfurt an. Die Gastgeber waren auch die spielerisch bessere Mannschaft, durfte RWO-Coach Jürgen Luginger nach Spielende unwidersprochen feststellen. „Wir wollten den Sieg unbedingt.”

WIR. Das galt nur für eine Mannschaft. Aachens Seelenlosigkeit war ein glatter Wettbewerbsnachteil gegen leidenschaftliche Gastgeber.

An Aachens Ersatzkeeper David Hohs zischten die Bälle vorbei. Mal links, mal rechts, dann wehrte Olajengbesi einen Kaya-Schuss auf der Linie ab (24.). „Ich habe einiges draufbekommen, weil wir nicht so ganz sicher standen”, sagte der heisere Keeper später nach seiner Profipremiere.

Hohs überstand mit etwas Glück und Können den Dauerbeschuss. Sein Bedarf an Ligaspielen jedenfalls war nach Spielende erst geweckt.

Sein Team zeigte sich sehr zerstreut. „Aufbäumen, Gegenhalten, Leidenschaft waren nicht zu sehen”, war auch Manager Andreas Bornemann sauer. Nur Gueye hatte nach der einzig erwähnenswerten Kombination vor dem Wechsel eine doppelte Chance (43.).

Dann wurden die Seiten gewechselt, aber keine anderen Saiten aufgezogen. Ein Pfostenschuss von Miletic schepperte noch an den Pfosten (52.). Dann fiel der überreife Treffer.

Nach 59 Minuten durfte Stoppelkamp unbehelligt flanken und Mike Terranova das Tor des Tages köpfen. Ein 170 Zentimeter großer Angreifer setzte sich gegen Aachener Riesen durch, der Treffer passte zu dem desolaten Auftritt.

Oberhausen zog sich zurück, rückte weite Teile des Spielfeldes heraus. In dieser Phase war schnell erkennbar, dass hier wahrlich keine Übermannschaft der Gegner war. Alemannia verbesserte die Eckenbilanz von 0:9 noch auf 5:9. Es war der einzige numerische Erfolg.

Die Mannschaft war gefordert, nachdem sie sich vom Trainer getrennt hatte, aber sie verweigerte die Reaktion. „Es funktioniert nicht, wenn zwei, drei Spieler glauben, sie kämen mit 70 bis 80 Prozent über die Runden”, analysierte Kronhardt, der schon frühzeitig den weitgehend teilnahmslosen Milchraum vom Feld holte.

Wenn sich denn überhaupt etwas geändert hat, dann ist es die klare Ansage: „Das war fast eine Bankrotterklärung, eine Ohrfeige für die Zuschauer”, sprach Kronhardt nach seinem ersten und vielleicht auch letzten Spiel Klartext.

Ruf nach schneller Lösung

Der Coach kündigte an, dieses Spiel „sehr sehr deutlich” zu analysieren. „Und dann ist es mir egal, ob jemand sauer ist.” Treffpunkt zu Videoanalyse und Training ist Montagmorgen um 8 Uhr.

Bornemann fahndet unverändert nach einem neuen Trainer. Neun Tage nach dem Abschied von Jürgen Seeberger ist noch kein Gespräch mit einem möglichen Kandidaten geführt worden.

„Uns war klar, dass nach einer Niederlage der Ruf nach einer schnellen Lösung lauter wird”, sagt der Manager des Tabellen-14.. Aber es gehe nicht darum, möglichst schnell, sondern möglichst sicher den richtigen Trainer zu finden.
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