Aachen - Alemannia versus Kölmel: Senat regt Vergleich an

Alemannia versus Kölmel: Senat regt Vergleich an

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Am Mittwochabend rauchten wieder die Köpfe. Am Tivoli brannten lange die Lampen, der Aufsichtsrat kam wie fast täglich zusammen. Nicht nur ihn bewegt die Frage, ob bei Alemannia nicht gerade die Lichter ausgehen.

Am Donnerstag soll die Stadt als einer der großen Gläubiger über die Erkenntnisse der externen Prüfer informiert werden, spätestens Freitag soll dann die interessierte Öffentlichkeit erfahren, ob die Insolvenz noch abgewendet werden kann. Die Herren wollten sich am Mittwoch nicht äußern, große Zuversicht kam allerdings nicht auf.

Das bloße Stellen eines Insolvenzantrages hätte neben dem gewaltigen Image-Verlust nur auf den ersten Blick keine sportlichen Folgen. Würde ein Verfahren eröffnet (oder auch mangels Masse abgelehnt), wäre Alemannia der erste Absteiger in der laufenden Saison. Der gerade erst in der 3. Liga gestrandete Verein wäre nur noch ein Viertligist mit einem schicken neuen Stadion.

Dieses Schicksal will der Aufsichtsrat um Meino Heyen und Christoph Terbrack noch verhindern. Am Donnerstag reisten die beiden Männer zum Oberlandesgericht (OLG) Köln und trafen auf die Vergangenheit.

Wiedersehen mit Ex-Präsidenten

Die ehemaligen Präsidenten Wilfried Sawalies und Hans Bey waren dort im Verfahren als Zeugen geladen. Anhängig vor Gericht ist ein uralter Streit zwischen Alemannia und Michael Kölmel. Der Rechtehändler griff Ende des letzten Jahrtausends gerne unterklassigen Vereinen unter die Arme, indem er deren Vermarktungsrechte erwarb, immer in der Hoffnung, bei späten Erfolgen entsprechend mitkassieren zu dürfen. Kölmel hatte über sein Unternehmen „Kinowelt” Alemannia 1998 zu Regionalliga-Zeiten mit einer Finanzspritze von 2,6 Millionen Mark vor der Pleite bewahrt.

Im Zuge des Engagements hatten der damalige Präsident Sawalies und Kölmel eine Absichtserklärung vereinbart; zur Gründung der darin vorgesehenen Vermarktungsgesellschaft ist es aber nie gekommen. Kölmel fordert von Alemannia zwei Millionen Euro, er sah seine Zahlung damals als Darlehen. Der Verein ist der Meinung, dass die Forderung durch längst erbrachte Werbeleistungen unberechtigt ist.

In erster Instanz hatte die 9. Zivilkammer des Landgerichts Aachen im letzten Jahr zugunsten Alemannias entschieden. Am Donnerstag regte der Senat nach der Zeugenbefragung noch einmal „ernsthafte Vergleichsgespräche” an, wie OLG-Sprecherin Stefanie Rüntz am Abend mitteilte. Eine Entscheidung ist für den 6. Februar 2013 vorgesehen. Dann wird längst feststehen, ob am Tivoli noch abends die Lampen brennen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert