Alemannia und die Kniefälle

Von: Christoph Pauli
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Aus der französischen Fußballschule: Aimen Demai. Foto: imago/Harder

Aachen. Eine komplette Elf der Langzeit-Patienten könnte Alemannias Trainer bequem aufstellen. Inzwischen liegen zehn „Knie-Akten” beim Orthopäden. <i>Unger - Polenz, Stehle, Achenbach, Korte - Müller, Demai, Plaßhenrich, Junglas - Daun, Lasnik </i>.

Michael Krüger hat seinen Sinn für Galgenhumor gerade verloren, er hadert vor der Fahrt zum FC St. Pauli. „Unsere Pechsträhne ist wirklich beispiellos, so etwas habe ich in meiner Trainerlaufbahn noch nicht erlebt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Situation anzunehmen. In der Not entstehen manchmal die besten Ideen.”

Das jüngste Problem betrifft Dauer(b)renner Timo Achenbach. Keine Sekunde hat der Linksverteidiger in den Pflichtspielen bislang verpasst, bis zum Riss des rechten Außenbandes im Knie am Dienstag. Jetzt stehen sechs Wochen Pause an. Mindestens. „Wir haben mit Manuel Junglas schon einen sehr wichtigen Spieler verloren, die Verletzung von Timo Achenbach ist nun die Krönung dieser Pechsträhne”, sagt Krüger.

Alemannias kleiner Kader ist längst überstrapaziert. Es zwackt an allen Enden. Im Sturm, im Mittelfeld und jetzt auch in der zuverlässigen Abwehr. Die Mannschaft, die gerade erstmals etwas konstanter in Schwung ist, erlebt den nächsten Rückschlag. „Es gab in dieser Saison schon so viele Nackenschläge, dass es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt”, sagt der Trainer.

So könnte es sein, dass der neue Manager Erik Meijer zum ersten Mal auf dem Transfermarkt zuschlägt. Die Suche nach einem neuen linken Verteidiger steht neu auf der Agenda, „aber die Tage laufen weg”, sagt der 40-Jährige.

An Angeboten mangelt es nicht, „ich bekomme ständig Anrufe von Beratern”, meint Krüger. Das Problem: „Jeder versucht seinen Ramsch loszuwerden.” Eine dauerhafte Verstärkung ist noch nicht in Sicht, beim Testspiel unter der Woche gegen Leverkusen II drängte sich der Nachwuchs nicht auf.

„Vor dem Spiel gegen Karlsruhe habe ich von einem schönen Konkurrenzkampf gesprochen, das ist jetzt Makulatur.” Nebenbei drohen den mit vier Gelben Karten vorbestraften Adlung und Kratz noch Spielsperren.

Krüger war zu aktiven Zeiten auch ein passabler linker Verteidiger, an der Reeperbahn setzt er allerdings auf seine „Allzweckwaffe” Mirko Casper. Für den Allrounder wird der entsperrte Aimen Demai wieder auf die rechte Seite rücken.

Die beiden führenden Teams sind nur noch mit dem Fernglas zu erkennen, aber dennoch strebt die Mannschaft eine kleine Klettertour nach oben an. Jede bessere Platzierung besser spült TV-Geld in die Kasse, und auch der Hauptsponsor, mit dem derzeit über die nächste Vertragsverlängerung gesprochen wird, öffnet die Schatulle weiter ab Tabellenplatz 9.

Die Prognose für die Gäste ist eher frostig. Es wird zweistellig am Samstag, zumindest bei den Minus-Temperaturen. Eine Klatsche für die dezimierte Mannschaft, die von 1400 Fans begleitet wird (nur noch Sitzplätze sind offen), befürchtet deren Trainer keineswegs. Der Plan in Stichworten: „Hineintauchen in diese Atmosphäre, das Spiel genießen und etwas mitnehmen. Wir sind gut drauf.” Und gesund nach Hause kommen, ist noch ein weiteres Ziel. Die letzte Meldung zu diesem Thema: Beim Training am Nachmittag bekam die orthopädische Abteilung keine neuen Fälle.
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