Aachen - Alemannia und die 72 Millionen Euro: Alte Forderung kehrt zurück

Alemannia und die 72 Millionen Euro: Alte Forderung kehrt zurück

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Das Verfahren wird größer: Insolvenzverwalter Niering. Foto: Pauli

Aachen. Alemannia wählt am Dienstagabend ein neues Präsidium. Kurz vor der Versammlung, die diesmal im Einhard-Gymnasium stattfindet, taucht fast unerwartet ein neues altes Thema auf: Die erste Insolvenz gilt formal als noch nicht abgeschlossen, und so wachsen die Ansprüche auf 72 Millionen Euro an.

Unser Redakteur Christoph Pauli unterhielt sich mit dem Insolvenzverwalter Christoph Niering über die neue Entwicklung.

Vor ein paar Wochen hat die Gläubigerversammlung erstmals getagt. Wie hoch sind die Forderungen an die insolvente GmbH?

Niering: Wir haben es mit einer Besonderheit zu tun, denn die Gläubiger aus dem ersten sind auch Gläubiger im jetzigen Insolvenzverfahren. Das ist jedenfalls meine juristische Einschätzung

Wie wirkt sich das aus?

Niering: Wir haben derzeit angemeldete Forderungen in der Größenordnung von vier Millionen Euro. Zu den vier Millionen Euro kommen die 68 Millionen Euro aus dem ersten Verfahren.

Wie konnte es dazu kommen?

Niering: Der damalige Insolvenzplan ist nicht vollständig erfüllt worden. Die Ansprüche sind damals an eine Zweckgesellschaft übergegangen, die dort eingesammelten Gelder aber bis heute noch nicht verteilt. Die Insolvenzordnung, Paragraf 255, Absatz 2, schreibt aber vor, dass die Stundungen und Verzichtserklärungen bei einer weiteren Insolvenz hinfällig sind. Die Gläubiger aus dem ersten Verfahren könnten also – müssten aber nicht – ihre damalige, als berechtigt eingestuften Forderungen im zweiten Insolvenzverfahren erneut anmelden.

Sehen Sie ein Versäumnis Ihres Vorgängers?

Niering: Die Entwicklung ist nicht so unüblich, sonst hätte der Gesetzgeber nicht die Vorschrift für eine weitere Insolvenz eingeführt. Es gibt die Möglichkeit, dass Gläubiger mit einer Einmalzahlung befriedigt werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass weiter Geld durch Rechtsstreite eingesammelt und später ausgeschüttet wird. Aus meiner Sicht liegt kein Fehler von Herrn Mönning vor.

Wie wirkt sich das auf die Quote aus?

Niering: Für die damaligen Gläubiger ist es erforderlich, ihre Ansprüche noch einmal anzumelden. Wir werden sie alle anschreiben müssen. Wir haben aber immer noch mit Rechtsanwalt Kleefisch den Vertreter der Anleihegläubiger. Sowohl das Gericht als auch ich gehen davon aus, dass er die Aufgabe weiter wahrnimmt. Der Schaden für die damaligen Gläubiger ist aber sehr begrenzt. Bei der Zweckgesellschaft liegen derzeit 930.000 Euro.

Wenn man alle Steuerfragen oder Verfahrenskosten mal außen vorlässt: Bei Forderungen von 72 Millionen Euro bekäme man 1,29, bei 68 Millionen Euro 1,36 Prozent. Für die Gläubiger des ersten Verfahrens ist das nur ein geringer Unterschied.

Würde der größere Aufwand dazu führen, dass Sie Ihr Verfahren nicht wie geplant mit dem Adventssingen Mitte Dezember beenden können?

Niering: Er verzögert das Verfahren, vielleicht wäre ich dann erst zum Ende der Winterpause weg.

Welche Zahlen werden Sie den Mitgliedern am Dienstag noch vorlegen?

Niering: Ich werde etwas zum Etat von 2,7 Millionen Euro sagen. Die Deckungslücke wird täglich kleiner, weil der Zuschauerschnitt in den ersten drei Heimspielen deutlich besser war als kalkuliert. Und das neue Sponsorenkonzept für das Trikot läuft auch gut an.

Führen Sie mit dem ehemaligen Hauptsponsor Alexander Goy den größten anhängigen Rechtsstreit?

Niering: Ja, der Rechtsstreit ist wieder aufgenommen, es geht zunächst um den Restbetrag der Vorsaison in Höhe von rund 39.000 Euro, dazu kommen dann noch die 210.000 Euro aus dieser Spielzeit. Mit Mehrwertsteuer und Verfahrenskosten geht es um mehr als 250.000 Euro. Davon müssen natürlich die aktuellen Trikot-Erlöse abgezogen werden.

Gibt es schon einen Termin?

Niering: Nein, die Gegenseite hat noch keine Stellungnahme abgegeben. Für Herrn Goy hat sich inzwischen der Anwalt Michael Gottschalk (beide waren vorübergehend Kandidaten für die Präsidiumswahl; d. Red.) gestellt.

Eine andere Zahl sind die 2,5 Millionen Euro, die das zurückgezogene Team 2 beim schnellen Abgang erwähnt hat. Haben Sie die Spur inzwischen aufnehmen können?

Niering: Nein, es wird allerdings vor der Mitgliederversammlung ein Termin mit Horst Rambau stattfinden. Reden hilft.

Welchen Eindruck haben Sie vom Organigramm des Vereins?

Niering: Ich würde dem Verein eine Verschlankung ans Herz legen. Wenn es fünf Präsidiumsmitglieder und fünf Verwaltungsräte plus den Geschäftsführer gibt, ist eine einheitliche Linie schon schwer genug. Dann kommen noch Aufsichtsrat, Wahlausschuss, Ehrenrat und Wirtschaftsrat dazu. Umso schwieriger ist es, mit einer Stimme zu reden.

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