Alemannia: „Über eine, aber unter zwei Millionen Euro Schulden“

Von: Helga Raue
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Eine ewige Baustelle: Der Verein legt überraschend die Zahlen der Verschuldung offen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ganz genau ist das Defizit vor dem Jahresabschluss am 30. Juni noch nicht zu beziffern. „Es wird über eine Million sein, aber unter zwei Millionen Euro“, räumt Timo Skrzypski, Geschäftsführer von Alemannia Aachen, ein. Sicher über eine Million Euro Schulden hat der Fußball-Regionalligist zwei Jahre nach der Insolvenz angehäuft.

Inwieweit man sich noch der Zwei-Millionen-Marke nähert, wird wohl erst Mitte August, wenn die endgültige Bilanz vorliegt, klar sein.

Überraschend waren Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Christian Steinborn und Skrzypski bei der Fan-IG mit konkreten Zahlen aus den vergangenen beiden Spielzeiten und dem Etatansatz für die kommende Saison um die Ecke gekommen. Über Wochen hatte Steinborn zuvor alle Interviewwünsche abgeblockt. „Wir wollten damit vielleicht etwas Dampf aus der Jahreshauptversammlung am 29. Juni nehmen“, begründet Skrzypski den Schritt. Es wurde eifrig gerechnet – Aachen war schon mit einem Minus in die beiden letzten Spielzeiten gegangen –, und so kamen die Fans auf roundabout zwei Millionen Euro Miese.

Skrzypski relativiert die Summe. „Diese Zahl ist aus dem Zusammenschluss der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zwar richtig. Das heißt aber nicht, dass nicht Dinge passiert sind, die darauf noch Einfluss genommen haben.“ Will heißen: Es wurden nur die nackten Ein- und Ausgaben vorgestellt, Ergebnisse, die „den Jahresabschluss positiv beeinflussen, sind darin noch nicht enthalten. Dazu zählen beispielsweise außerordentliche Beträge aus der Zweckgesellschaft der Insolvenz und Zuschüsse, die wir bekommen haben.“

Alemannia erzielte in der Regionalliga-Spielzeit 2014/15 einen Umsatz von rund 4,5 Millionen Euro, gab aber 4,8 Millionen aus. Davon entfielen 1,5 Millionen auf die erste Mannschaft (der Gesamtposten für Profis, NLZ und Verwaltung betrug 2,3 Millionen). In der abgelaufenen Saison betrug der Umsatz – bei gleich bleibenden Sponsoren-Einnahmen in Höhe von 2,2 Millionen – 4,7 Millionen Euro, ausgegeben wurden jedoch knapp 5,6 Millionen, davon 1,9 – inklusive der Abfindungen – für die Mannschaft (insgesamt 2,6 für Profis, NLZ und Verwaltung).

Offenkundig ist nun, dass der Gürtel enger geschnallt werden und drastisch gespart werden muss. Trotzdem liegt der Etatansatz für die neue Spielzeit schon zehn Prozent unter den zu erwartenden Kosten. „Es ist bei Fußballklubs nichts Ungewöhnliches, mit einem zehnprozentigen Risiko in die Saison zu gehen“, beschwichtigt Skrzypski, der „bewusst einen realistischen Ansatz“ auf der Einnahmenseite gewählt hat. So stehen einem erwarteten Umsatz von 3,7 Millionen Ausgaben in Höhe von 4,1 Millionen gegenüber. Bei einem reduzierten Zuschauerschnitt von 6500 würde man mit Tickets rund 750.000 Euro einnehmen. Womit Skrzypski deutlich die Erwartungen reduziert, lag man doch vor der Saison 2015/16 bei einem prognostizierten Schnitt von 8500 Zuschauern.

Nur noch 1,3 Millionen darf die Mannschaft (insgesamt 1,9 Millionen – Profis, NLZ und Verwaltung) kosten, die Trainer Fuat Kilic aktuell „zusammenbaut“ und die am Montagmorgen das Training wieder aufnimmt. Und trotz des neuen Haupt- und Trikotsponsors Check2win (Würselen) reduziert sich der Sponsorerlös leicht auf rund 2,1 Millionen, da der bisherige Hauptsponsor DocMorris nur noch Premiumpartner ist.

Angesichts dieser Zahlen soll mehr gespart werden. So beschäftigt der Klub nur noch neun Leute in der Verwaltung, hat zwei fest Angestellte und drei geringfügig Beschäftigte im Nachwuchsleistungszentrum. Und im NLZ sehen die Verantwortlichen weiteres Einsparpotenzial. Darin liegt wohl auch der Hauptgrund, warum der fähige NLZ-Leiter Dr. Philipp Kaß und die Alemannia-Verantwortlichen sich Anfang der Woche überraschend einvernehmlich trennten.

Vor diesem Hintergrund muss die Alemannia die Gespräche mit möglichen Investoren vorantreiben. Doch, so Steinborn beim IG-Treffen, seien die Verhandlungen noch nicht so weit gediehen, dass konkret verhandelt werden würde. Skrzypski: „Wir haben uns bisher über Konditionen, Rechte oder auch was der Verein wert ist, ausgetauscht und warten nun auf ein Angebot, auf dessen Grundlage wir verhandeln können.“

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