Alemannia-Tagebuch: „Flo” Müller wäre ein perfekter Stauwarner

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
müller
Horrortag: Nach exakt einem Jahr wurde bei Alemannia-Profi Florian Müller erneut ein Kreuzbandriss im linken Knie diagnostiziert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Vermutlich wäre Florian Müller ein perfekter Stauwarner für die A 4 zwischen Köln und Aachen. Die Strecke hat er in den letzten Jahren fast täglich zurückgelegt, wenn er wieder mal das Reha-Zentrum in Köln angesteuert hat.

Alemannias verletzter Mittelfeldspieler hat tausende Kilometer zwischen den Städten hinter sich. Mit langen Durststrecken kennt er sich aus. Am 24. Oktober 2010 riss das vordere Kreuzband am rechten Knie beim Gastspiel in Bochum.

Gerade erst war der hoch veranlagte Mittelfeldspieler zurückgekehrt, die gleiche Verletzung hatte ihn fast ein Jahr aus dem Verkehr gezogen. Aus dem Mannschaftssportler ist wieder ein Invididualsportler geworden. Müller schuftet für das nächste Comeback. Die Fortschritte sind gemächlich wie das Driften der Kontinente, aber sie sind da.

Zeit ist relativ geworden in der langen Warteschleife. „Das Knie gibt das Tempo vor”, sagt der 25-Jährige. Er hat aufgehört, sich Termine zu setzen, die er nicht einhalten konnte. Im Sommer wollte er zurückkehren, dann im Winter - sein Knie lässt es langsamer angehen. Es reagiert empfindlich, war entzündet, wurde unter Belastung wieder dick.Der ewige Patient hat Geduld mühsam lernen müssen.

Inzwischen ist er wieder in die Kabine am Tivoli zurückgekehrt. Dreimal in der Woche führt ihn Physiotherapeut Oliver Dipper mit individuellen Training wieder an die Mannschaft heran, unverändert fährt Müller noch drei Mal in der Woche zum Reha-Training. „Es geht voran, ich bleibe nicht mehr auf der Stelle stehen”, sagt er.
Auch seinen Kopf hat er in der langen Zeit mit den vielen Rückschlägen trainiert. „Ich hatte die Durchhänger, es gab Momente, in denen mich die Situation angekotzt hat, aber das ist vorbei.”

Der Mittelfeldspieler atmet wieder den Geruch das Grases, er ist auf dem Feld zurück, wenn auch noch ohne kickende Kollegen. „Der Spaß ist wieder da.” Es gibt die Beispiele von Kollegen wie Tim Wiese (Bremen) oder Pierre de Wit (Kaiserslautern), die auch noch mehrfachen Kreuzbandrissen wieder in den Alltag zurückgekehrt sind.

Aufgeben will Müller nicht, auch wenn er sich Gedanken zum vorzeitigen Karriereende gemacht hat. „Das Thema schieben Leistungssportler am liebsten weg.” Der Kniepatient hat sich damit beschäftigt, auch um Druck von sich zu nehmen. Für den Abiturienten gibt es ein Leben nach dem Fußball, er hat ein Fernstudium begonnen.

Der zweite Bildungsweg hat noch Zeit. Müller traut seinem Knie wieder über dem Weg. Er will zurückkommen, am liebsten noch in dieser Saison. Auf diesen Moment arbeitet er seit anderthalb Jahren hin.

Sein Vertrag läuft im Sommer aus, Alemannia hat ihn nach der schweren Verletzung verlängert, gespielt hat er seitdem nicht mehr. Ob der Verein noch einmal sich so kulant verhält? Müller weiß es nicht, Erik Meijer hat vorerst die Verhandlungen mit allen Spielern auf Eis gelegt. „Ich schiebe solche Gedanken weg”, sagt Müller. Das hat er gelernt in der Leidenszeit: wie positive die trüben Gedanken verdrängen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert