Alemannia sucht das Flutlicht

Von: Christoph Pauli
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Erwartungsvoll: Peter Schubert (l.) und Reiner Plaßhenrich haben einen guten Kader zusammengestellt. Foto: sport/pressefoto.

Aachen. Die ersten Spiele sind terminiert, doch Alemannia möchte gerne nachbessern. Der Regionalligist würde gerne alle seine Heimspiele freitags um 19.30 Uhr austragen. Der Klub erbittet nun die Bereitschaft dazu von den jeweiligen Gegnern.

Dann muss der zuständige Westdeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband zustimmen, der sich vorher bei der ZIS, der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze, bei der Polizei erkundigt, ob Bedenken bestehen. Schließlich ist Alemannia mit einem kleinen Teil seiner Anhänger zuletzt regelmäßig auffällig geworden. Stimmen ZIS und Verband zu, dann könnte der Ball wieder unter Flutlicht am Tivoli rollen.

Diese feine Idee ist natürlich eine Erinnerung an die guten alten Zeiten, als viele Fußballfeste an der Krefelder Straße unter Scheinwerferlicht stattfanden und die Menschen anschließend zufrieden in die Stadt pilgerten. Die Erinnerung ist nie verblasst, und wann immer eine neue Saison beginnt, wird auch wieder Hoffnung nominiert, dass es noch einmal so wird wie früher.

Zumindest Alemannias Ausgangslage ist deutlich besser als in der vorigen Spielzeit, bevor die neue Regionalliga-Saison am 1. August und für Aachen zwei Tage später mit dem Spiel in Wattenscheid beginnt. Damals begann der Verein erst ein paar Wochen vor Saisonbeginn, einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. Der Absteiger musste nehmen, was andere Klubs verschmäht hatten. Die Einkäufer (ohne Geld) waren Rainer Plaßhenrich und Peter Schubert, die vorher noch ausdrücklich vom ehemaligen Manager Uwe Scherr öffentlich als untauglich für den Job bezeichnet wurden.

Die Trainer überzeugten zwei Dutzend Profis, dass der Verein zumindest noch einen guten Klang hat. Tradition verpflichtet, die Werte zu pflegen, aber Tradition alleine verpflichtet noch keine Spieler. So kompliziert wie die Vorbereitung verlief dann auch die Hinrunde mit etlichen Tiefen und ein paar Höhen. Der Kader war fast erwartungsgemäß nicht richtig ausgewuchtet. Die Insolvenz ist vorbei, doch Probleme sind mit dem Abschied der Juristen nicht gegangen.

Es droht ein „strukturelles Defizit“ von bis zu 800.000 Euro bis zum Saisonende, wenn man die Dinge so laufen ließe, klagt Aufsichtsratsmitglied Tim Hammer. Hammer gehört zur neuen Mannschaft, die im Frühjahr beim abgestürzten Verein angetreten ist. Dieses drohende Defizit ist die Hypothek, die die neuen Macher vorgefunden haben. „Sanieren und investieren“ ist das Gebot der Stunde. Dabei sind die Voraussetzungen schwierig. TV-Geld fließt nicht, der Verein kann sich schon lange nicht mehr den Tivoli leisten, den die Stadt mitsamt Betriebskostenzuschuss für den Mieter Alemannia übernehmen wird.

Der Verein braucht dringend Einnahmen, und die wichtigsten Marketingmitarbeiter tragen kurze Hosen. Schubert und Plaßhenrich haben nach eingehender Analyse der sportlich zufriedenstellenden Rückrunde erneut eine Truppe zusammengestellt. „Wir wollen die defensive Stabilität verstärken, streben noch mehr Spielkontrolle und -ruhe an“, sagt Schubert. Er hat mit Sascha Marquet seinen torgefährlichsten Spieler weiterziehen lassen müssen, trotzdem strahlt die Mannschaft 14/15 mehr Torgefahr aus.

An Qualität gewonnen

Mit Tim Jerat ist nur ein Spieler aus einer höheren Liga dazugekommen, aber die Mannschaft hat erkennbar an Qualität gewonnen. „Wir sind absolut zufrieden mit dem Kader. Im Prinzip haben wir fast alle Spieler bekommen, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten bekommen konnten“, sagt Schubert. In den ersten Testspielen deutete das Team die erhöhte Qualität schon an. Kein Spiel ging verloren, gegen klassenhöhere Teams wie Fortuna Köln oder Roda Kerkrade wurde ein Rückstand ausgeglichen. Das Team wirkt widerstandsfähiger als zuletzt.

Wohin das führen wird? „Wir streben einen einstelligen Tabellenplatz an“, sagt Schubert. Tiefstapler? „Nein,“ widerspricht er, „die Insolvenz wurde hier erst im April beendet, wir haben allen Grund, weiter demütig zu sein.“

Als Sturmhoffnung wurde Sahin Dagistan verpflichtet, der sehr erfolgreich in der Mittelrheinliga für Wegberg-Beeck unterwegs war. Eine Ablösesumme konnte Alemannia nicht aufbringen. Der Spieler selbst und einige Freunde finanzierten also den Transfer. „Das zeigt, wie entschlossen er ist, diese Chance zu nutzen“, sagt Schubert. Der 26-Jährige soll einer der vielen Gründe werden, dass wieder mehr über die Gegenwart gesprochen wird.

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