Alemannia: Sparflamme auf allen Ebenen

Von: Christoph Pauli
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Tivoli Paniktaster
Ohne Zusage für eine dauerhafte Tivoli-Nutzung findet der Klub keine Perspektive. Foto: dpa

Aachen. Seine Stimme war auch in Hahn zu vernehmen. Alemannias Stadionsprecher Robert Moonen moderierte die beispiellose Pokalpleite beim Bezirksligisten Inde Hahn. Seit 40 Jahren ist Moonen unentgeltlich für seinen Verein unterwegs. Am Samstag verschlug es ihm nach dem peinlichen Auftritt dann später auch die Sprache.

„Ich habe mich für diese Leistung nur geschämt. Das war ein Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte.“

Moonen hat eine unendliche Liebe zum Klub im Sinkflug, ein Mandat hat er nicht. Alemannias Funktionäre verfolgten das Fiasko nicht vor Ort. Ohnehin hat der zerfledderte Verein keine Weichensteller mehr in den Gremien.

Das dreiköpfige Präsidium, de facto eher zuständig für den Breitensport, versucht gerade den Mutterverein zu retten. Der ziemlich genau einköpfige Aufsichtsrat ist außen vor, seitdem das Insolvenzverfahren angelaufen ist. Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, ansonsten ein eifriger Begleiter des Teams, urlaubt gerade.

Interims-Geschäftsführer Michael Mönig wird eher selten bei Spielen ohne große Kamerabeteiligung gesichtet. Ein Verein auf Sparflamme – in jeder Beziehung. Niemand ist da, der aktuell mal die Profis nach ihrer Berufsauffassung fragt, niemand ist da, der herausfindet, was da gerade passiert ist. Solange die Insolvenzleute vor Ort sind, bleibt Alemannia ein Provisorium.

Kein „Kleiderzuschuss“

Mönning reagierte am Montag verärgert. Noch vor ein paar Tagen hatten die Spieler bei ihm um Ausgehschuhe nachgefragt. „Die sollen erstmal Leistung auf dem Platz zeigen“, lehnte er den „Kleiderzuschuss“ entschieden ab.

Wie es weitergeht? Ein Geschäftsführer soll her, darauf drängt auch der Vermarkter Infront. Nur zur Erinnerung: Im Sommer hatten Mönning und Mönig noch die skurrile Idee, Uwe Scherr das Doppelmandat Sport und Finanzen zu übertragen.

Ein Nicht-Kaufmann sollte Kaufmann werden – die nächste Personal-Posse am Tivoli wurde knapp verhindert, Scherr lag kurz danach im Flussbett der Geschichte. Derzeit liegt ein Dutzend Bewerbungen vor, eine Entscheidung war zeitnah angekündigt. Eigentlich. Eine kleine Findungskommission soll jetzt die Mappen sichten.

Operativ weist die aktuelle Ertragsplanung einen Fehlbetrag von 325.000 Euro auf, der durch die Insolvenzmasse abgesichert ist. Der Plan basiert auf Einnahmen von einem Zuschauerschnitt von 5500 Besuchern je Heimspiel einerseits und andererseits aus Werbung/Sponsoring in Höhe von 1,4 Millionen, die bereits realisiert sind. Mönning geht unverändert davon aus, dass bis zum Saisonende die Einnahmen für den Posten „Sponsoring und Werbung“ etwa zwei Millionen Euro betragen werden.

Das Insolvenzverfahren soll kurzfristig mit Hilfe eines Insolvenzplans beendet werden – die Zustimmung der Gläubiger vorausgesetzt. Der Insolvenzplan soll in den nächsten Tagen den Mitgliedern des Gläubigerausschusses vorgelegt werden.

Stimmen sie zu, wird das Exposé Anfang November beim Amtsgericht eingereicht. „Bei optimalem Verlauf ist es möglich, das Insolvenzverfahren bis zum Ende der Winterpause abzuschließen“, steht in einem Schreiben, das Mönning vor ein paar Tagen im Verein verschickt hat. „Es wird nur eine Planquote im unteren einstelligen Prozentbereich geben“, ist die Ankündigung.

Die Quote könnte erhöht werden, wenn Schadensersatz- und Anfechtungsansprüche demnächst juristisch durchgesetzt werden. Die gesamten Ansprüche werden in einer Zweckgesellschaft geparkt, sie werden im Erfolgsfall später an die Gläubiger ausgeschüttet.

Die wichtigsten sind die Stadt Aachen und die AachenMünchener Versicherung, die siebenstellige Bürgschaftsforderungen zur Tabelle angemeldet haben, resultierend aus der Umfinanzierung der Stadionkredite im letzten Jahr. „Eine Einigung mit beiden über die Behandlung dieser Forderungen ist wesentliche Voraussetzung für die Durchführung des Planverfahrens“, schreibt Mönning.

Eine Perspektive bekomme der Verein nur, wenn kurzfristig auch eine Einigung mit dem Insolvenzverwalter der Stadion GmbH, mit der Stadt Aachen und dem Land NRW als Hauptgläubiger herbeigeführt werden könne. Derzeit besitzt Alemannia nur ein Tivoli-Nutzungsrecht bis zum Saisonende. Das ist der Knackpunkt: Ohne eine längere Laufzeit wirkt es aussichtslos, Personen und Sponsoren zu finden, die beim gefallenen Traditionsklub am Ende der Insolvenz einsteigen wollen.

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