Alemannia: Neue Gesellschaft soll Probleme lösen

Alemannia soll eine neue Tochter erhalten

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Muss noch einiges an Arbeit erledigen: Alemannias Insolvenz-Verwalter Christoph Niering. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein bisschen ist das wie Ping Pong zwischen den Behörden. Sind Sanierungsgewinne am Ende eines Insolvenzverfahrens steuerfrei?, ist die Ausgangsfrage. Die Antwort steht schon länger aus. Es gibt einen Erlass des Bundesfinanzministeriums dazu, der die Frage mit Ja beantwortet. Dazu gibt es ein anders lautendes Urteil des Bundesfinanzhofes, der das als verfassungswidrig einstuft.

Und prinzipiell muss die Frage von der EU-Kommission beantwortet werden. Ein klarer Spielzug oder gar ein Treffer ist nicht zu erkennen. Was das mit Alemannia Aachen zu tun hat?

Im Frühjahr war die drohende steuerliche Belastung durch den Sanierungsgewinn aus der ersten Insolvenz ein gravierender Aspekt für den neuerlichen Antrag. Der Fall ist juristisch immer noch nicht gelöst – und er wirkt sich weiterhin auf Alemannias Insolvenzverfahren aus.

Ursprünglich wollte Insolvenzverwalter Christoph Niering noch einmal schön mitmachen beim Weihnachtssingen, um dann seine Akten zu packen und mit beendetem Verfahren Ende des Jahres vom Hof zu gehen. Der Fahrplan muss geändert werden, weil es bislang keine abschließende Regelung in Brüssel gab. Ohne eine abschließende gesetzliche Festlegung „gibt es für die Alemannia Aachen GmbH keine gesicherte Basis, um über einen Insolvenzplan saniert zu werden“, sagt Niering. Der Jurist wird noch eine Weile an Bord bleiben, ein Abschluss des Verfahrens erst Ende 2019 wäre keine Überraschung mehr, weil die Mühlen in der (europäischen) Gesetzgebung langsam mahlen.

Planungssicherheit angestrebt

Bei Alemannia haben sie überlegt, wie sie trotzdem Planungssicherheit bekommen und den Sponsoren eine Perspektive bieten können – ohne das Damoklesschwert der laufenden Insolvenz. Der Verein ist immer noch nicht auf Rosen gebettet. Im aktuellen Gesamtetat fehlt immer noch eine knapp sechsstellige Summe, obwohl die Mannschaft eine überraschend positive Hinrunde gespielt hat und noch nicht einmal aussichtslos im breiten Verfolgerfeld der Regionalliga lauert.

Alemannias Plan B ist in vielen Insolvenzverfahren praktiziert, im Sportrecht ist er allerdings eine Rarität. Die Idee: Der Mutterverein bekommt eine weitere Tochter. In diese neue Gesellschaft soll das Spielrecht ab der kommenden Saison übertragen werden. In der aktuell insolventen Sport-Gesellschaft bleiben die Ansprüche der Gläubiger bestehen. Aber es gäbe keinen Zeitdruck mehr, die Probleme zu lösen. Die Profis und auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle kämen über den „Betriebsübergang“ in der neuen Gesellschaft unter.

Formal könnte Alemannias Vorstand eine neue Tochter auch ohne weitere Rücksprache ins Leben setzen. Aber Präsident Martin Fröhlich sagt, dass man die beteiligten „Stakeholder“ Stadiongesellschaft, Sponsoren, Verband und Mitglieder gerne von der Lösung überzeugen würde. Am 17. Januar soll das Konstrukt den Mitgliedern bei einer Info-Veranstaltung vorgestellt werden. „Wenn man es gut erklärt, ist es ein sehr nachvollziehbarer Weg, weil er uns wieder Handlungsfreiheit gibt“, sagt Fröhlich. Das Insolvenzverfahren läuft weiter im Hintergrund, aber es wirkt sich nicht mehr auf das laufende Geschäft aus.

Niering wäre nur noch ein Schattenmann, was ihm nicht mal Unrecht wäre. Die Geschäftsführung ging endgültig an Martin vom Hofe über. In Ruhe könnte in der alten Gesellschaft der schwelende juristische Streit mit der Zweckgesellschaft aus der ersten Insolvenz ausgetragen werden. „Wir sind im Gespräch, um eine juristisch haltbare und kaufmännisch vertretbare Lösung zu finden“, sagt Niering. Die juristischen Probleme müssen in der alten Gesellschaft im Laufe der nächsten Monate gelöst werden, an der Zukunft soll in der neuen Gesellschaft gebastelt werden.

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