Aachen - Alemannia: Scherr betritt das Land der ganz kleinen Zahlen

Alemannia: Scherr betritt das Land der ganz kleinen Zahlen

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Uwe Scherr
Schwere Zeiten - nicht nur für Uwe Scherr: Alemannias Spitzenverdiener müssten bis zu 80 Prozent Gehaltseinbußen akzeptieren. Foto: Martin Ratacjzak

Aachen. Das Gehalt war Alemannias Mitarbeitern für den Wochenanfang endlich versprochen, am Montag war es bei Uwe Scherr noch nicht eingetroffen. „Ich muss auch nicht der erste sein, der sein Geld bekommt“, sagt Alemannias Sportlicher Leiter. In Zeiten der Insolvenz ticken die Uhren eben langsamer, der Klub-Tresor öffnet sich nur noch schwerfällig und unter „notarieller“ Aufsicht.

Ansonsten stehen die Überweisungen immer Anfang des Monats an. Inzwischen ist aber eine Bank gefunden, die das Insolvenzgeld gegen entsprechende Zinsen vorfinanziert.

Noch ärger trifft es die Mitarbeiter der Stadion GmbH, die ebenfalls vor der Zahlungsunfähigkeit steht. Der Gesellschaft fehlt derzeit ein Geschäftsführer, der die Insolvenz beantragen könnte, nachdem Frithjof Kraemer das Amt niedergelegt hat. Die Folge: Die drei fest angestellten und die vielen freien Mitarbeiter, die im „Klömpchensklub“ oder als Ordner arbeiten, warten sogar noch auf ihr Oktober-Entgelt.

Heute und morgen wird bei Sponsorenveranstaltungen noch einmal für die gute Sache geworben. Grimme-Preisträger Marcel Reiff moderiert die Veranstaltung im Tivoli. Unverändert braucht der Klub Geld, viel Geld. Bislang sei der Spielbetrieb erst bis „etwa Mitte Februar“ gesichert, sagt Sprecher Holger Voskuhl. Um den Klub mindestens bis zum Saisonende über die Runden zu bringen, sind noch etwa 1,5 Millionen Euro notwendig. Das ist Stufe 1 des großen Planes.

Stufe 2 sieht eine entsprechende Masse vor, um die Gläubiger befriedigen zu können, nur dann könnte der Insolvenzantrag zurückgezogen werden. Aber noch ist das ein ziemlich hypothetisches Gebilde. Die benötigte Summe lasse sich nicht konkretisieren, sagt Voskul, aber klar ist, dass Alemannia für den Idealfall noch weitere Millionen Euro benötige.

Uwe Scherr kennt seit ein paar Stunden den finanziellen Spielraum für das nächste halbe Jahr. Der Verein muss den gordischen Knoten durchschlagen: Einerseits muss er SPAREN, andererseits will Alemannia auch in den nächsten Monaten eine durchaus wettkampffähige Mannschaft und keine besseres Thekenteam ins Rennen um den Klassenerhalt schicken.

Der Manager ist ab heute mit den Beratern im Land der kleinen Zahlen unterwegs. Dann wird man sehen, wie groß die Bereitschaft der Profis tatsächlich ist, an Bord des insolventen Schiffes zu bleiben. Scherr stellt sich darauf ein, dass der angeordnete Kader-Umbau ein paar Wochen dauert. „Das wird sich bis weit in den Januar hinziehen“, vermutet er. Dann ist gerade das Transferfenster geöffnet, und das kickende Personal kann seinen Stellenwert am freien Markt ausloten. „Die Spitzenverdiener müssten auf bis zu 80 Prozent verzichten“, hat Scherr errechnet. Ein ziemlich unrealistisches Projekt.

Zwei Aachener Spieler fallen aus diesem Raster. Aimen Demai und Sascha Rösler sind verletzt, werden dementsprechend von der Berufsgenossenschaft bezahlt. Röslers Reha verläuft ohne Komplikationen beim Kniepatienten, aber frühestens im März wird er das Adler-Trikot überstreifen können.

Wie sind seine Gedanken zum Klub? „Ich bin nach Aachen gekommen, weil es eine Herzensangelegenheit war und nicht, weil ich hier noch einmal richtig Geld verdienen wollte. Wenn es eine richtige sportliche Perspektive gibt, kann man über auch über einen finanziellen Verzicht reden.“ Bis es soweit ist, muss der Klub mit seinen Finanzexperten aber noch viele Hausaufgaben erfüllen.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert