Alemannia: Ohne Investor folgt der Sparkurs

Von: Christoph Pauli
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Klare Ansage am Tivoli: Ohne einen Investor muss kurzfristig in allen Bereichen gespart werden – auch bei der Mannschaft um Talent Tobias Mohr. Foto: sport/osnapix

Aachen. Die Gespräche mit einigen potenziellen Neuzugängen liefen gut, sagt Fuat Kilic. Aber noch sei man nicht im Reich der Zahlen gelandet. Kilic ist Alemannias trainierender Kaderplaner, er kennt den finanziellen Rahmen, in dem er sich bewegen kann: „Der Etat ist ähnlich wie in der Vorsaison.“ Aber der Etat steht unter Vorbehalt.

Bei Alemannia werden gerade die Weichen gestellt. Man werde nicht noch einmal mit einem so großen strukturellen Defizit in die Saison gehen, sagt Aufsichtsrat Horst Reimig.

Das strukturelle Defizit hat einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht am Ende der Insolvenz. Es ist die Hypothek, die der neue Vorstand schultern musste. Aktuell soll es bei deutlich mehr als 500.000 Euro liegen. Es soll nach Informationen unserer Zeitung durch Infront ausgeglichen worden sein. Alemannias Vermarkter zahlt das Geld für die Verlängerung des Vertrages – „signing fee“.

Anteile bis zu 49 Prozent

Die laufende Saison wäre damit durchfinanziert. Perspektivisch bleibt das Problem bestehen. „Wenn wir keinen Investor finden sollten, werden wir in allen Bereichen kürzen, auch im Sport. Wir werden nicht noch einmal mit einem solchen Defizit in die Saison gehen“, kündigt Reimig an.

Investieren oder deutlich sparen. Ein potenzieller Investor könnte Anteile der GmbH übernehmen, der DFB deckelt den Anteil bei 49 Prozent. Reimig sagt, eine solche Übernahme sei „alternativlos“, wenn man unverändert den Anspruch habe, möglichst schnell der Regionalliga zu entkommen.

Vor zehn Jahren war Alemannia noch ein Bundesligist und schuldenfrei. Vom Tafelsilber ist kaum noch etwas übrig geblieben. Im Stadion ist Alemannia seit der Insolvenz nicht mehr Besitzer, sondern Mieter. Der Vermarkter Infront musste bereits Anfang 2014 mit einem Darlehen aushelfen. Zudem bekommt die Fußball- und Vermarktungs-GmbH von Michael Kölmel 15 Prozent Anteil der TV-Gelder, wenn der Verein eines fernen Tages wieder zweitklassig sein sollte.

Das ist die schwierige Ausgangslage für die Funktionäre. Seit Monaten läuft entsprechend die Fahndung nach Investoren. Unterstützung vom Spielfeld kam da selten. Alemannia war durchgehend in den Schlagzeilen – selten positiv. „Diese Saison hat Nachwehen für uns, es macht sich im Werbeetat bemerkbar“, seufzt Reimig.

Nur in der ersten Saisonphase sorgten die Markenbotschafter in den kurzen Hosen für Euphorie. Danach gab es häufig Turbulenzen außerhalb der Kreidelinien, positive Ergebnisse wurden rarer. „Wir brauchen aber die guten Botschaften auf dem Platz“, sagt der Schatzmeister des Vereins, „und wir müssen hier endlich mal Ruhe reinbringen.“

Kurzfristig war Simon Rolfes ein Hoffnungsschimmer. Der Ex-Profi liebäugelte mit einem Einstieg bei seinem Ex-Verein. Nach kurzer Prüfung der Rahmenbedingungen zog sich der 34-Jährige letzte Woche schnell wieder zurück. „Er hat sich selbst ins Gespräch gebracht, jetzt ist er wieder weg“, sagt Reimig lapidar.

Es bleibt nur noch Arena 11, ein Münchner Unternehmen, das sich um prominente Profifußballer, aber auch um Tennisstars wie Angelique Kerber kümmert. Gegründet wurde die Firma unter anderem von Lars-Wilhelm Baumgarten, dem ehemaligen Spielerberater von Simon Rolfes, was das Fanmagazin „In der Pratsch“ gerade als merkwürdigen Zufall herausgearbeitet hat.

Die Anwälte von Arena 11 haben inzwischen Einblick in die Bilanzen genommen. Reimig geht davon aus, dass zeitnah ein Angebot der Gruppe oder von Investoren aus deren Reihen erfolgen wird, „wie das unter seriösen Geschäftsleuten so verabredet ist“.

Bis Ende Mai will der Aufsichtsrat Klarheit haben. Die größte Hürde wird dann die Jahreshauptversammlung sein. Für die Veräußerung müssten 75 Prozent der anwesenden Mitglieder stimmen. „Die Alternative wären Einsparungen“, nennt Reimig Plan B, der vorbereitet wird. Einsparungen könnte es in Höhe des amtierenden strukturellen Defizits geben.

Diese Mitgliederversammlung ist erst für den 29. Juni terminiert. Erst dann würde der Etat von Kilic endgültig feststehen – exakt einen Monat vor Saisonbeginn in der Regionalliga West. Für den Coach erschwert das die Aufgabe immens, denn bis dahin müsste er Interessenten für das Projekt in Aachen vertrösten.

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