Alemannia: Niering und Kilic „liegen nicht so weit auseinander“

Von: Christoph Pauli
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Fuat Kilic
Bleibt Fuat Kilic doch am Tivoli? Eine Entscheidung soll zeitnah fallen. Foto: Birkenstock

Aachen. Mathematisch war der Fall nicht eindeutig: Hat Alemannia Aachen beim 1:1 gegen Verl einen Punkt gewonnen oder zwei Punkte verloren? Es gab unterschiedliche Sichtweisen und keine eindeutige Lösung.

Mathematisch eindeutig steht allerdings nach dem 30. Spieltag nun fest, dass Aachen den Regionalliga-Tabellenführer Viktoria Köln, auch theoretisch nicht mehr einholen kann, was die anhängige Beschwerde gegen den vom Verband verhängten Neun-Punkte-Abzug überflüssig macht.

Zwei Episoden fürs Archiv

Von diesem Fußballspiel gegen die Westfalen blieben aus Aachener Sicht nur zwei Episoden übrig für das Archiv. So schnell wie Dennis Dowidat bei seinen fünfminütigem Comeback kassierte wohl selten ein Spieler zwei Gelbe Karten. Und der wütende Kapitän Timo Staffeldt bleibt in Erinnerung, wie er ein Loch in den Elfmeterpunkt stanzte, in das Verls Fehlschütze Gianluca Marzullo hineinfiel.

Vermutlich war der Abend vor dem Spiel aber für die Geschicke des Vereins noch wichtiger: An diesem Donnerstag glühten die Telefondrähte am Tivoli. Der Interimsvorsitzende Martin Fröhlich spielte Vermittler. Er sprach mit dem Insolvenzverwalter Christoph Niering, er sprach mit Trainer Fuat Kilic. Der letzte Kontakt zwischen Niering und Kilic lag zehn Tage zurück, als dem Trainer ein Angebot vorgelegt worden war. Er werde es in dieser Form nicht annehmen, hatte Kilic am Donnerstagmittag noch durchschimmern lassen. Es ging und geht ihn um den Sportetat, das Nachwuchsleistungszentrum – also die Perspektive des Klubs, aber auch um das eigene Gehalt und die Laufzeit eines neuen Vertrags.

Der direkte Kontakt zwischen den Hauptdarstellern änderte dann vielleicht einiges. „Sie liegen nicht so weit auseinander in ihren Vorstellungen“, sagte Fröhlich am Wochenende. „Ich habe das Gefühl, dass beide Seiten die Zusammenarbeit weiter wollen, das müsste zu schaffen sein.“ Kilic bestätigte die Gespräche, kündigte eine zeitnahe Entscheidung an. „Wir schauen, ob wir einen Nenner kommen. Die Verhandlungen laufen bereits seit Ende Oktober, wir brauchen alle schnell Klarheit, ich will das ermüdende Thema in dieser Woche vom Tisch haben.“

Bleibt noch der Widerspruch beim Verband gegen den Neun-Punkte-Abzug, den es automatisch gibt, wenn ein Klub ins Insolvenzverfahren rutscht. Sportlich ist der Widerspruch seit diesem Spieltag wertlos, aber den Juristen geht es auch darum, ein „Problembewusstsein“ zu schaffen, sagt André Dobiey aus der Kanzlei des Insolvenzverwalters. Dieser „Automatismus“ des Abzug für eine Insolvenz „unabhängig von deren Ursachen“ solle überdacht werden.

Eine Frage der Sanktionen

„Im regulären Wirtschaftsleben führt eine – zumindest rechtzeitig beantragte – Insolvenz zu keinen weitergehenden Sanktionen, sondern „lediglich“ zur Verwertung des Vermögens in der für die Gläubiger bestmöglichen Form, nebst einem etwaigen Imageschaden“, sagt Dobiey. Auch in vielen anderen Sportarten werde die Insolvenz nicht zwingend zusätzlich sanktioniert.

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