Aachen - Alemannia: Nicht mehr drin als Daumendrücken

Alemannia: Nicht mehr drin als Daumendrücken

Von: Klaus Schmidt
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Thomas Stehle: linke Elle durchgebrochen. Foto: imago
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Aimen Demai: Knorpelschaden im linken Knie. Foto: imago
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Sascha Rösler (r.): Kreuzbandriss. Foto: imago

Aachen. Selbstverständlich werden sie auch Samstag, beim vorletzten Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim, auf der Tribüne sitzen. Mehr können sie schon seit Monaten nicht tun, als moralische Unterstützung zu leisten. Alemannias Langzeitverletzte.

Für Aimen Demai (30, nur zwei Einsätze), Sascha Rösler (35/7), Thomas Stehle (32/10) und Florian Müller (26/14) waren in diesem Spieljahr tragende Rollen reserviert, am Ende blieben sie gezwungenermaßen nur Statisten.

Dass da etwas nicht stimmte, hatte Demai schon beim Saisonstart in Bielefeld gemerkt. Beim 2:1 in Saarbrücken Anfang August ließ sich der Defensivmann dann zur Halbzeit auswechseln. Diagnose: Knorpelschaden im linken Knie. „Zehn Wochen musste ich nach der OP bei Dr. Schäferhoff in Köln auf Krücken gehen. Der Reha-Prozess bei so einer Verletzung dauert, lange Zeit konnte ich nur wenig belasten.“ Es gab immer wieder Rückschläge. „Wenn die Intensität gesteigert wurde, bekam ich muskuläre Probleme, gerade habe ich eine Verhärtung in der Wade.“ Demai hofft, dass er im Sommer wieder in den Fußball einsteigen kann. „Die Frage, die Schuhe an den Nagel zu hängen, hat sich für mich nie gestellt. Ich bin optimistisch und denke, ich werde mein Ziel erreichen. Die Frage ist nur wo.“ Was mit Alemannia in dieser Saison geschehen ist, „so eine Enttäuschung habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt“.

Zu viele Defizite

Sascha Röslers Schicksal nahm Ende August beim 1:1 gegen Erfurt seinen Lauf. Nach einem Kopfballduell verdrehte er sich beim Aufkommen das linke Knie – Kreuzbandriss, OP bei Schäferhoff. Rösler bewegte sich „drei, vier Wochen auf Krücken, dann musste ich erst mal teilweise das Gehen wieder lernen“. Lymphdrainagen wurden angewendet, nach drei Monaten begann Rösler mit leichtem Lauftraining, dann mit koordinativen Übungen auf dem Platz in Walheim. „Ich hatte gedacht, dass es in dieser Saison noch mal klappen könnte. Aber es gab zu viele Defizite, um überhaupt wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen.“ Zur nächsten Saison würde es „auf jeden Fall wieder reichen. Aber klar ist: Wenn ich noch einmal spielen sollte, dann nur für Alemannia, sonst nirgendwo.“ Die Entwicklung des Vereins wurde Rösler noch einmal bei den Aufnahmen für das neue Teamfoto vor Augen geführt. „Fast eine komplett neue Mannschaft. Viele kannte ich gar nicht.“

Thomas Stehle, Röslers bester Kumpel, geriet Ende Oktober beim 1:1 gegen Wehen in ein Duell mit dem Torhüter. Zunächst vermutete der Verteidiger nur eine starke Prellung, im Krankenhaus stellten sie dann fest: linke Elle durchgebrochen. Bei der OP wurde eine Platte draufgesetzt. „Angeblich verheilte alles gut, doch bei gewissen Bewegungen kamen die Schmerzen.“ Stehle dachte an die Platte, den Fremdkörper, der die Ursache sei. Vor zwei Monaten schloss ein Gutachter das aus. „Mein Bruch ist der blödeste, den es gibt – weil es ein mittiger Bruch ist.“ Das Risiko, noch einmal in den Betrieb einzusteigen und „wieder einen draufzukriegen, war zu groß“. Rösler absolviert sein Aufbauprogramm gemeinsam mit Rösler unter der Aufsicht von Rainer Sieven, ehemaliger Alemannia-Physio. „Zur neuen Saison könnte ich wieder einsteigen, bei einer Vorbereitung wäre ich wieder da.“ Stehle hängt an Aachen, doch auch er weiß nicht, „wie es hier weitergeht“. Diese Saison – „da bin ich einfach nur sprachlos“.

Der größte Pechvogel ist zweifellos Florian Müller. Beim 1:1 in Offenbach Anfang Februar verspürte der Mittelfeldspieler kurz vor Schluss einen stechenden Schmerz. Die Untersuchung ergab: Knorpelschaden im rechten Knie. Wie Demai arbeitet sich Müller täglich bis zu zwei Stunden bei Stefan und Marco Braunsdorf in Aachen wieder heran, es ist ein mühsamer, langwieriger Prozess, eine Prognose kaum möglich. „Die nächsten Wochen werden entscheidend sein“, sagt Müller. „Ich mache mir schon Gedanken, ob und wie es weitergeht, ob ich es noch einmal probiere oder nicht“, nach zwei Kreuzbandrissen zuvor. „Und immer wieder dasselbe Knie. Die letzten Jahre waren schon heftig für mich.“ Das Wort „Karriereende“ will er noch nicht in den Mund nehmen.

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