Alemannia: Mit Urgewalt zum „Torjäger“

Von: Klaus Schmidt
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Anderes Stockwerk: Alemannias Jannik Löhden (rechts) im Testspiel gegen den Wormser Florian Treske . Foto: Andreas Steindl

Aachen. Seit Dienstagabend liefen ein paar Nachrichten mehr ein als sonst, von Freunden und Bekannten, die ihr ungläubiges Staunen überliefern wollten. Jannik Löhden hatte gegen Kray sein viertes Kopfballtor in dieser noch jungen Saison erzielt, vier Treffer in einer ganzen Spielzeit waren ihm mal bei der „Zweiten“ von Hannover 96 gelungen.

Und nun führt diese Urgewalt im Trikot von Alemannia Aachen die Goalgetter-Liste der Regionalliga West an, mit dem Gladbacher Marlon Ritter und Sinisa Veselinovic (Rödinghausen), die allerdings auch eher für Offensivaktionen bezahlt werden. Löhden, vor 26 Jahren in Buxtehude geboren, ist ein Kerl von einem Innenverteidiger, 201 Zentimeter lang, 97 Kilogramm schwer.

Und am Tivoli ist es nun „so gut angelaufen“, dass der Verein auf ihn zukam mit dem Wunsch, den gerade erst geschlossenen Vertrag bis 2017 zu verlängern. „Das war in beiderseitigem Interesse“, sagt Löhden, und wenn das noch funktionieren sollte mit dem Aufstieg, dann dehnt sich der Kontrakt automatisch weiter aus.

Das „Nordlicht“ weiß zu schätzen, was ihm gerade widerfährt. „Im letzten halben Jahr war das Selbstvertrauen auf der Strecke geblieben.“ Zwei Spielzeiten trug Jannik Löhden das Trikot von Viktoria Köln. „Es war keine schlechte Zeit“, eine Zeit mit Aufs und Abs, „abenteuerlich“ in jedem Fall. Da wussten die Profis des Liga-Krösus morgens nicht, wo sie denn Samstag trainieren würden; es ging nach Leverkusen, vor das FC-Stadion, nach Chorweiler, jede Menge verschiedene Plätze jedenfalls, auch mal auf Kunstrasen.

Das Umfeld korrespondierte nicht mit den hochgesteckten Zielen, „und es muss im Umfeld passen, um aufzusteigen“. Löhden hatte zudem Pech (Außenbandriss im linken Knie) und fand sich in der Rückrunde, als die Wollitz-Ära beendet war, auch schon mal nicht mehr im Kader wieder. „Ich wollte wieder beständig und erfolgreich spielen. Jetzt vor knapp 10.000 gegen Kray aufzulaufen und eine tragende Säule zu sein, das hätte ich mir nicht erträumen können.“

Vor gut fünfeinhalb Jahren holte ihn Werder Bremen für die Drittliga-Mannschaft. Eine hartnäckige Reizung der Achillessehne erlaubte nicht mehr als neun Einsätze. Andreas Bergmann verpflichtete Löhden im Sommer 2011 für das zweite Team von Hannover 96 – noch vor Saisonbeginn riss das vordere Kreuzband. Mit einem Jahr Verspätung begannen bessere Zeiten.

„Unter Valerien Ismael habe ich mein Comeback gegeben. Er war mein größter Mentor, hat mich gepusht. Ein überragender Trainer, ein überragender Mensch.“ Der Verteidiger trainierte durchweg im Bundesliga-Kader, saß gegen Leverkusen und in Bremen sogar auf der Bank. Schließlich erwärmte sich Löhden für das Projekt Viktoria Köln und zog in den Westen.

Zielspieler sei er überall gewesen. Dass er nun bei Alemannia so in den Fokus geraten ist, verdankt der „Torjäger“ nicht zuletzt Nebenleuten wie Bastian Müller und David Vrzogic. „Wir haben Standardschützen, die die Bälle konsequent auf den Punkt bringen. In Köln hatten wir zwar einen Mike Wunderlich – aber vielleicht bin ich da auch falsch gelaufen...“

Jannik Löhden, der zu Bremer Zeiten ein Fernstudium zum Sportmanager abgeschlossen hat, findet das nun „extrem spaßig“, in Aachen zu spielen. „Wir haben’s drauf, müssen das aber von der ersten bis zur 90. Minute abrufen.“ Samstag (14.00 Uhr) bei Borussia Dortmund II richtet sich Löhden darauf ein, dass der Gegner nicht das Prinzip Raumdeckung (wie Kray) pflegt. „Der BVB wird anders verteidigen. Die haben ja auch so einen großen Ochsen mit dem Zimmermann.“

Die bis hierhin schöne Torquote nimmt Löhden „gerne mit. Aber es wäre fatal, wenn ich verkrampfen und daraus einen Druck machen würde.“ Sein Fokus liege weiter in der Defensive. Schließlich ist auch Trainer Christian Benbennek sicher, dass der Tag kommen wird, an dem die Offensiven treffen.

Voraussichtliche Aufstellung: Löhe - Winter, Hackenberg, Löhden, Vrzogic - Müller, Staffeldt, Propheter, Graudenz - Maier, Rüter

Schiedsrichter: Florian Visse (Tecklenburg)

Bilanz gegen Dortmund II: 4 Spiele/2 Siege, 2 Remis (8:2 Tore)

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