Alemannia: Kris Thackray und „das größere Ziel für alle“

Von: Klaus Schmidt
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Nicht nur ein Rechtsfuß: Kris Thackray, Alemannias Import von der „Insel“. Foto: sport/Dünhölter

Aachen. Da gibt es tatsächlich einen im Kader, der schon in der Premier League gespielt hat. Die Geschichte, die Kris Thackray mitbringt, hat einen kleinen Haken: Es war nur die maltesische Premier League. Bevor der Engländer im Sommer 2013 zu Alemannia Aachen wechselte, hatte er eineinhalb Jahre auf der Mittelmeerinsel bei Qormi FC sein Glück versucht.

„Zwei Mal standen wir im Pokalfinale. Dann wollte ich unbedingt mal in Deutschland spielen.“ Der Berater erhielt den Auftrag zur Vereinssuche, Thackray trainierte zur Probe am Tivoli und überzeugte. „Ein sehr guter Zweikämpfer, diszipliniert, mit gutem Aufbauspiel“, lobt Alemannia-Coach Peter Schubert den „Vorzeigespieler“ in Sachen Einstellung. Möglich, dass der 26-Jährige am Samstag (FuPa-Liveticker ab 14 Uhr) beim FC Hennef wieder den Platz für Peter Hackenberg räumen muss. „Natürlich möchte jeder spielen. Aber es ist nicht wichtig, wer letztlich spielt. Es gibt ein größeres Ziel für uns alle.“

Als Neunjähriger startete der Fußballer Kris Thackray in seiner Geburtsstadt bei Newcastle United, dem Klub der Legende Alan Shearer. Mit 16 war die Karriere bei den „Magpies“ (Elstern) beendet. „In England entscheidet sich in diesem Alter, ob du einen Profivertrag bekommst. Ich bekam keinen.“ Der damals eher schmächtige Innenverteidiger fiel durchs Raster. „Wenn du körperlich kein fertiger Spieler bist, bist du out.“

Die Karriere nahm einen durchaus exotischen Weg. Thackray spielte zwei Jahre in einer Sportcollege-Mannschaft und im College-Nationalteam, wurde bei einem Turnier gescoutet und für die Junioren des damaligen Serie-A-Ligisten Reggina Calcio verpflichtet. Inzwischen 20 Jahre alt, wurde Thackray zum Leihspieler, erst beim Viertligisten Monopoli, dann bei US Ancona mit zehn Einsätzen in der Serie B. „In Cosenza musste ich dann ein halbes Jahr auf mein Geld warten“, Thackray sagte Italien „arrivederci“ und zog weiter nach Malta.

Sieben Monate Verletzungspause

Bei Alemannia ließen sich die Dinge gut an. Der 1,93 Meter große Verteidiger war gesetzt, bis er sich am 5. Spieltag in Essen eine Knochenabsplitterung im rechten Fersenbein zuzog. „Meine erste größere Verletzung überhaupt.“ Es folgten zwei Operationen, sieben Monate fiel Thackray aus. „Kris musste sich dann hinten anstellen. Aber er hat sich nie hängen lassen“, sagt Peter Schubert. Der Brite kämpfte sich wieder heran, in dieser Saison hat er bereits elf Einsätze und damit einen mehr als in der gesamten Spielzeit zuvor. Kris Thackray ist inzwischen – was die Trainer grundsätzlich schätzen – flexibel einsetzbar, auch rechts in der Verteidigung und im defensiven Mittelfeld. „Da hat man mehr Spaß, weil du mehr nach vorne denkst. Innenverteidiger, das ist nur Konzentration und Arbeiten.“

In jeder Sekunde mit den Gedanken bei der Sache zu sein, ist eine Tugend, die noch Entwicklungspotenzial in sich birgt. „Und Kris dürfte auf dem Platz mehr dirigieren und sprechen“, sagt Schubert. Physisch sieht sich der Mann mit der Nummer 25 zwar „noch nicht bei 100 Prozent. Aber ich fühle mich von Woche zu Woche besser, von Spiel zu Spiel.“ Geduldiger sei er geworden, sagt der Trainer; Thackray reiht sich wie alle Spieler, die nicht den Status „gesetzt“ genießen, ohne Murren ein. In Aachen sieht er seine Zukunft, „ich bin genug in meiner Karriere gewechselt“. So schnell will er nicht wieder wegziehen mit Frau und Tochter. Und was geht mit Alemannia? „Alles ist möglich.“

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan - Jerat, Demai - Graudenz, Dowidat, Mohr - Behrens

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