Alemannia: Kommt Torsten Frings zurück an den Tivoli?

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Auf der Suche: Alemannias Manager Uwe Scherr organisiert gerade den nächsten Neuaufbau am Tivoli. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Das Telefon rasselt permanent, Uwe Scherr kommt gerade von einem Vorstellungsgespräch, noch weitere Termine stehen an. Alemannias Manager ist dabei, den nächsten Neuanfang zu organisieren. Unser Redakteur Christoph Pauli traf sich mit dem 46-Jährigen.

Wie schwierig ist es, Spieler für einen insolventen Klub zu begeistern?

Scherr: Der Standort Aachen ist unverändert für viele Spieler noch interessant. Ich werde sehr intensiv kontaktiert von interessanten Spielern, und es werden mit Ende der Regionalliga-Saison am Wochenende sicher noch mehr. Wir schauen uns schon seit Wochen um, Zweitvertretungen von Profi-Vereinen sind interessant. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die aktuellen Spieler von Köln II demnächst in der Oberliga spielen wollen. Es stehen viele Jungens im Schaufenster.

Sie haben als Neueinsteiger eine furchtbare Saison hinter sich gebracht. Wie beurteilen Sie diese Zeit?

Scherr: Erst einmal war es sehr lehrreich, mich kann nicht mehr viel erschüttern. Selbstverständlich habe ich Fehler gemacht.

Was meinen Sie konkret?

Scherr: Bei der Verpflichtung von Murakami hätte ich im Vorfeld selbst klären müssen, ob er spielberechtigt ist. Das war handwerklich nicht gut. Die Personalie Freddy Borg ist auch nicht gut gelaufen. Wir hätten uns intensiver um jemanden aus einem anderen Land, der zudem noch private Sorgen hatte, kümmern müssen, um ihn besser zu integrieren.

Auch die flächendeckend gelobte Mannschaft, die in die Saison gestartet ist, hat nicht funktioniert. Haben Sie eine Analyse?

Scherr: Ich will nicht nachtreten, aber man sieht, ein paar Kilometer entfernt, dass es gewisse parallele Entwicklungen gibt (eine Anspielung auf den gerade bei Viktoria Köln entlassenen Ex-Trainer Ralf Aussem; d. Red.). Es gibt noch einen Aspekt, seitdem die Lage sich finanziell so zugespitzt hat. Ich habe den Bezug zur Basis verloren, weil ich permanent in Sitzungen anwesend sein musste. Ich war nicht nah genug an der Mannschaft, am Trainerteam und am Nachwuchsleistungszentrum. Da ist mir das Ganze etwas entglitten. Der Fehler passiert mir nicht mehr.

Aus dem Nachwuchsleistungszentrum gibt es unverändert Stimmen, dass dort klärende perspektivische Gespräche fehlen. Alles steht still.

Scherr: So würde ich das nicht unterschreiben. Mir sagen die Trainer, dass mit allen Spielern/Eltern gesprochen wurde. Im Moment sind einige Eltern aber nicht so gut auf mich zu sprechen, weil ich kein Training bei anderen Profiklubs genehmigt habe. Und dort gibt es eine größere Nachfrage aus Köln, Gladbach, Schalke, Lautern oder Düsseldorf. Dem habe ich einen Riegel vorgeschoben.

Müssen Sie im NLZ neue Wege gehen?

Scherr: Definitiv, schon weil die finanziellen Möglichkeiten deutlich geringer sind.

Sie müssen eine neue 1. Mannschaft formen, das NLZ aufrecht erhalten. Reicht das nicht aus? Warum akzeptieren Sie die Idee, alleiniger Geschäftsführer zu werden?

Scherr: Ich werde definitiv nicht der Kaufmann im engeren Sinne werden. Das ist nicht mein Steckenpferd und meine Kompetenz. Der Verein wird eine sehr gute Lösung dazu präsentieren. Es geht darum, das Geld für einen zweiten Geschäftsführer lieber in den Sport zu stecken.

Gerade auf dem Feld sind Scherben einer ganzen Geschirrabteilung hinterlassen worden. Macht es keinen Sinn, einen kompetenten, ständigen Ansprechpartner für die Reparaturarbeiten zu installieren?

Scherr: Den wird es geben.

Auffällig ist, dass im ersten Jahr aus Ihrem kleinen Stab eine Reihe von Mitarbeitern wie Franz Stolz, Ralf Aussem, Markus Daun ausgeschieden sind. Sie haben nach eigener Aussage kein Vertrauensverhältnis zu Peter Schubert und Reiner Plaßhenrich aufbauen können. Ist es so schwierig mit Ihnen?

Scherr: Einfacher als bei mir kann man es kaum haben. Ich bekomme jedenfalls solche Rückmeldungen. Ich verlange einiges, wenn das nicht erfüllt wird, kann ich aber auch ganz anders.

Ist die Widerrede im Dialog erwünscht?

Scherr: Ausdrücklich, ich bin für jeden Verbesserungsvorschlag gesprächsbereit.

René van Eck hat ein Gehaltsangebot für die nächste Saison bekommen, das für ihn den Rückschluss zuließ: Du bist hier nicht mehr erwünscht. Wäre es nicht stilvoller gewesen, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen?

Scherr: Es war mitnichten ein Scheinangebot. Das lasse ich mir nicht unterstellen. Ich habe ihm im Gespräch gesagt, dass er erst mal eine Nacht über die Zahlen schlafen sollte, und dass auch Nachbesserungen möglich wären. Das hat er sofort abgeblockt.

Haben Sie in dem Chaos-Jahr überlegt, entnervt vom Hof zu gehen?

Scherr: Es gab schwierige Zeiten, die aber mit dem sportlichen Misserfolg zu tun hatten. Wenn das Team von elf Spielen zehn verliert, schafft mich das. Oder so eine erste Halbzeit wie gerade in Osnabrück ertrage ich auch kaum. Aber ernsthaft hinschmeißen wollte ich nie. Dazu bin ich zu sehr gefestigt. Unverändert glaube ich an Alemannias großes Potenzial. Das Stadion steht nicht für den Niedergang des Vereins, es sollte endlich mal als Chance angesehen werden.

In der Szene wird gemunkelt, dass Sie sich flächendeckend bewerben.

Scherr: Wenn man so einen Posten hat, muss man mit solcher üblen Nachrede leben. Tatsache ist, dass es die eine oder andere lukrativere Anfrage gab, die ich abgelehnt habe. Ich will bei meiner Familie bleiben und glaube an den Verein.

Wie wird die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen?

Scherr: Geplant sind 23 Spieler inklusive der Torhüter. Es könnte aber ein paar Feldspieler weniger geben, um sich ein paar teurere zu leisten.

Gibt es bereits Spieler?

Scherr: Spätestens in der nächsten Woche wollen wir Namen präsentieren. Es gibt positive Signale von Armand Drevina und Sascha Marquet. Bei Kristoffer Andersen bin ich an die Schmerzgrenze gegangen. Das wird aber schwierig.

Was ist mit Ihren Dauerpatienten?

Scherr: Bei Sascha Rösler steht das Gespräch noch aus, Thomas Stehle würde ich gerne im Verein als Jugendtrainer und Mitarbeiter für das Marketing behalten.

Wie sieht die Personalie Torsten Frings aus?

Scherr: Wir sind im Kontakt. Der Bundestrainer will ihm helfen, ab Juni den Trainerlehrgang in Köln absolvieren zu können. Dann würde er vier Tage die Schulbank drücken, aber hier leben und wieder für Alemannia spielen. Und zwar umsonst.

Er hat seine Karriere im Februar in Toronto mit Hüftbeschwerden beendet.

Scherr: Das stimmt, aber er fühlt sich fit, um Alemannia weiterzuhelfen. Er würde das sicherlich seriös und professionell angehen.

In einer am Ort erscheinenden Tageszeitung wird Uwe Koschinat als Trainer gehandelt.

Scherr: Ich beteilige mich nicht an Spekulationen, allenfalls lasse ich mir entlocken, dass er ein sehr, sehr interessanter Trainer ist.

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