Alemannia ist zurück im Titelkampf

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Alemannia
Rein ins Getümmel: Alemannia-Stürmer Kevin Behrens wird von gleich drei Gladbachern in seinem Vorwärtsdrang gebremst. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Wochenlang hingen die Aachener in der falschen Spurrille fest. Und dann schaute die beste Mannschaft der Liga vorbei, und Alemannia kehrte auf den Erfolgsweg zurück. Borussia Mönchengladbachs Zweitbesetzung wurde mit 2:0 besiegt.

Formschwäche schlägt Formstärke der letzten Wochen. Und dieser hochverdiente Erfolg läutete den spannenden Schlussspurt in der Liga ein. Alemannia ist wieder da. Die Meisterschaft ist noch nicht abgehakt.

„Nach den letzten turbulenten Wochen war dieser Sieg im Endspiel sehr wichtig“, sagte Aimen Demai. „Jetzt müssen wir auch im Alltag punkten.“ Gekommen waren an diesem Abend 21.200 Zuschauer zu einem Spiel in der 4. Liga. Zur Einordnung: Das Europa-League-Viertelfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SSC Neapel verfolgten einen Tag vorher 25.112 Fußballinteressierte.

Alemannias Aufgabenstellung: Einerseits wollten sie den Gegner aggressiv spüren lassen, dass nur eine Mannschaft für den Sieg in Frage kommt, andererseits wollten sie den spielstarken Gästen wenig Raum für deren Konter geben. „Das ist ein schmaler Grat“, hatte Peter Schubert vor dem Anpfiff gesagt. Der Trainer wählte ein 4-3-3-System. Torjäger Viktor Maier rutschte erstmals seit vielen Wochen wieder aus der Startformation.

Viel Glück für Blaswich

Die Partie nahm ohne Umschweife sofort Fahrt auf. Aachen attackierte früh, die ausgeprägte Spielfreude der jungen Fohlen birgt auch Risiken. Graudenz luchste Kapitän Oliver Stang 20 Meter vor dem Tor den Ball ab und zog los. Am Strafraumeck kam es zur großen Kollision mit Keeper Janis Blaswich. Aachen forderte Elfmeter und Platzverweis, weil der Schlussmann die frühe Führung mit seinem Foulspiel verhinderte. Schiedsrichter Bastian Börner dagegen entschied auf Gelbe Karte und Freistoß, der harmlos endete (3.). Das Spitzenspiel bekam einen frühen Aufreger.

Der Tabellenführer legte die anfängliche Nervosität ab, kombinierte sich durch die Reihen. Torjäger Giuseppe Pisano lockte Innenverteidiger Marcus Hoffmann aus dem Zentrum, seine Flanke vom linken Flügel knallte Mario Rodriguez an den Außenpfosten (12.). Der Spitzenreiter meldete sich mit Verspätung an. Es blieb für lange, lange Zeit die letzte Offensivaktion.

Alemannia imponierte im Gegensatz zu den letzten Spieltagen mit einer Eigenschaft, deren Verlust sie vermutlich schon beim Fundbüro gemeldet hatten: Sie waren selbstbewusst, zeigten die beste Leistung seit Wochen. Sie kamen wieder zu Möglichkeiten, aber sie nutzten sie vorerst nicht. Eine Freistoßflanke von Tim Jerat wischte Blaswich über seinen Kasten (17.). Dann wäre auch der Keeper nach einer schönen Kombination überfordert gewesen. Behrens tauchte vor ihm auf, hätte einschieben können, entschied sich aber elf Meter vor dem Tor für ein unerreichbares Abspiel auf Graudenz (22.).

Der Tabellenführer in Not

Aachen drehte auf. Dowidat peilte aus 24 Metern den Winkel an, fand wieder in Blaswich, der zu dem Zeitpunkt vielleicht schon nicht mehr auf dem Platz stehen durfte, seinen Meister (29.). Dann dribbelte sich Graudenz parallel zur Torauslinie durch, seine Vorlage verpasste erst Behrens und im Nachschuss Müller. Der Tabellenführer war in Not und rettete sich glücklich in die Kabine, weil Graudenz die Führung verpasste, als er einen verunglückten Lejan-Schuss knapp am Tor vorbeilenkte (43.).

Alemannia zeigte noch einmal ein Spiel aus dem Elektrizitätswerk, unter der Aufschrift: Achtung Hochspannung. Die Mannschaft belohnte sich. Ernst umkurvte Gladbacher Verteidiger wie abgestellte Firmenautos, seine Vorlage fand noch keinen Adressaten (58.). Sekunden später bekam die Partie ihren Soundtrack. Graudenz traf vom Strafraumeck aus in die lange Ecke. Es war der zehnte Treffer für den Torjäger, dessen Vertrag bei „Klassenerhalt“ ausläuft (59.). Es wurde keine Zitterpartie mehr, Demai erzielte nur 100 Sekunden später das 2:0 aus elf Metern (61.). Und damit war der Klassenprimus noch gut bedient. Gladbachs Mahmoud Dahoud musste einen Kopfball von Hoffmann nach einer Dowidat-Ecke auf der Linie abwehren (76.). Und auch die Einwechselspieler hätten fast noch eine finale Pointe in der Nachspielzeit gezeigt. Maiers Querpass auf Mohr war zu ungenau, sonst hätte das Talent seinen ersten Saisontreffer erzielt. Blaswich parierte noch einen 16-Meter-Schuss von Behrens prächtig (86.). „Nach der Niederlage in Kray hatte uns keiner mehr auf der Rechnung“, sagte Fabian Graudenz. „Der Druck war weg. Wir wollten unseren Spaß haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert