Alemannia: Insolvenz zieht sich hin

Von: Christoph Pauli
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Ein Vertrag mit dem Rechtehändler Michael Kölmel ist Voraussetzung für das Ende der von Rolf-Dieter Mönning (Bild) verwalteten Insolvenz. Archivbild: Steindl

Aachen. Alemannias Insolvenzplan ist beim Amtsgericht eingereicht, aber das Ende der unseligen Zeit für den Verein verschiebt sich weiter. Die angestrebte zweite und finale Gläubigerversammlung wird wohl kaum 2013 stattfinden können.

Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning will bis spätestens Donnerstag erfahren, dass das „latente Insolvenzrisiko“ für den Mutterverein TSV beseitigt ist. Nur so sei eine Termininierung noch in diesem Jahr möglich.

Über den 1900 gegründeten Verein schwebt das Damoklesschwert einer drohenden Prozess-Niederlage gegen Michael Kölmel. Der Rechtehändler hat den Verein vor dem OLG Köln verklagt. Eine alte Geschichte könnte den Verein da einholen. Ursprünglich hatte der Rechtehändler dem damaligen Drittligisten 1999 ein zinsloses Darlehen in Höhe von 1,8 Millionen Mark gewährt. Damals unterstützte Kölmel finanziell gestrandete Vereine, erwarb im Gegenzug Anteile an TV-Rechten. Ein Deal, der in höheren Ligen lukrativ werden konnte. Für den Verein war das Darlehen mit werblichen Aktionen längst verrechnet. Aber Kölmels Chancen vor dem OLG stehen nicht schlecht: Nach einem Zwischenbescheid der Kammer OLG hat er wohl Anspruch auf 2,4 Millionen Euro, was das Ende der Vereins bedeuten würde. Nebenbei: Der TSV hat die Summe inzwischen als Forderung beim Insolvenzverwalter geltend gemacht.

Vor ein paar Monaten war Mönning noch der Meinung, dass eine drohende Insolvenz des TSV nicht auf „sein“ Verfahren ausstrahlen würde. Inzwischen hält er eine Einigung zwischen dem TSV und Kölmel für „zwingend erforderlich, um ein Insolvenzrisiko für den TSV zu beseitigen. Denn dies hätte nach den derzeit geltenden Statuten nachteilige Auswirkungen auf die Erteilung von Spiel-Lizenzen.“

„Gibt keine Vereinbarung bislang“

Mönning beklagt, dass „seit Wochen“ eine Einigung kolportiert würde. „Tatsache ist jedoch, dass es bis heute keine unterschriebene Vereinbarung gibt.“ Ohne einen solchen Vertrag wird sich das Verfahren weiter in die Länge ziehen, die Insolvenzleute bleiben länger auf dem Hof.

Bei der Jahreshauptversammlung waren die Mitglieder beruhigt worden, eine Einigung mit Kölmel sei mündlich erzielt, teilte Schatzmeister Oliver Laven mit. Der Deal ist eine Art Wette. Danach würde Kölmel auf die rund 2,4 Millionen Euro komplett verzichten, die ihm nach einem Urteil zustehen könnten. Im Gegenzug veräußert der Verein für eine Laufzeit von acht Jahren 15 Prozent der Fernsehgelder. Die Frist würde erst nach einem Aufstieg in Liga 3 anlaufen. Gelder fließen würden nur ab einem weiteren Aufstieg. Damit würde Michael Kölmel das Risiko eingehen, überhaupt kein Geld zu bekommen, falls Alemannia nach einem Aufstieg acht Jahre in Liga 3 bliebe oder wieder absteigen würde.

Festgezurrt ist die mündliche Übereinkunft auch Monate später noch nicht. „Wir werden uns dieses Jahr einigen“, sagte Kölmel am Mittwoch. „Die Nicht-Juristen sind sich schon einig. Die Juristen dagegen feilen derweil an Formulierungen, dass die Übereinkunft insolvenztauglich ist. Das dauert noch ein paar Tage.“

Vor ein paar Tagen hat der Besitzer des Leipziger Zentralstadions im Aachener Rathaus auch über seine Tivoli-Pläne gesprochen. Die Debatte „ist erst einmal beendet“, sagt Kölmel, da die Stadt die Arena selbst kaufen werde. Aber auch jenseits der Stadiondebatte habe er das Ziel, „dass es mit Alemannia wieder aufwärts geht. Ich habe unverändert ein großes Interesse daran, dass der Verein nicht in die Insolvenz gerät.“

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