Hückelhoven - Alemannia-Held feiert seinen 70. Geburtstag

Alemannia-Held feiert seinen 70. Geburtstag

Von: Günter Kirschbaum
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Ein Keller voller Erinnerungen: Erwin Hermandung blickt auf eine lange, erfolgreiche Karriere als Profi-Fußballer zurück. Am kommenden Montag wird er 70 Jahre alt. Foto: Günter Passage

Hückelhoven. Den Biss, der ihn auf dem Platz ausgezeichnet hatte, hat er immer noch. Wenn Erwin Hermandung über den Fußball und seine Karriere spricht, dann spürt der Zuhörer die Nähe, die er immer noch zum Fußball hat. „Ich hätte mich überall durchgesetzt“, sagt der Spieler, der im Trikot von Alemannia Aachen 98 Mal in der Bundesliga auflief.

Das ist Tivoli-Bestmarke. „Ich glaube nicht, dass dieser Rekord auf absehbare Zeit geknackt wird“, glaubt Hermandung. Der frühere Profi, der nach wie vor im Hückelhovener Ortsteil Baal lebt, wird am kommenden Montag 70 Jahre alt.

Hermandung war 19, als er am 9. August 1964 seinen ersten Profivertrag bekam. Alemannia war auf den 1,82 Meter langen, schlaksigen Abwehrspieler aufmerksam geworden. Sieben Jahre lang blieb der ehrgeizige Spieler an der Krefelder Straße. Er stieg mit der Alemannia in die Bundesliga auf, wurde mit dem Team Vizemeister und stieg wieder ab.

Im Sommer 1971 lockte ihn Berlins Trainer „Fifi“ Kronsbein zu Hertha BSC, die das Rennen um die Dienste Hermandungs gegen den PSV Eindhoven gewann. „Ich hatte damals sechs Zettel mit den Namen Berlin und Eindhoven vorbereitet. Wir alle, meine Frau Renate, Tochter Susanne und ich, zogen jeweils eines dieser Briefchen. Drei Mal erschien Berlin. Also war dann klar, dass ich zur Hertha wechseln würde.“

Regelmäßige Einladungen

Und er hat diese Entscheidung nicht bereut. Noch heute wird er regelmäßig nach Berlin zu Spielen eingeladen. So wird er im Dezember wieder eine Woche auf Einladung der Hertha in der Hauptstadt verbringen. „Ich hatte überragende sechs Jahre an der Spree. Wir hatten eine tolle Mannschaft und waren eine verschworene Einheit. Zudem wurde 1972 mein Sohn Gerwin in Berlin geboren“, bekennt Hermandung.

Mit 33 Jahren wechselte er zu Eintracht Trier. Vier Jahre lang stand der Baaler dort unter Vertrag, ehe er noch eine Saison bei der SpVgg Bayreuth anhängte. 1982 war Schluss. Hermandung, der als eisenharter Vorstopper in den Profifußball eingestiegen war und später als torgefährlicher, defensiver Mittelfeldspieler für Schlagzeilen sorgte, hatte die Schussstiefel an den Nagel gehängt.

In den Statistiken wird Hermandung mit 290 Bundesliga-Spielen (53 Tore) und 151 Zweitliga-Partien (27) geführt. Zudem stand er zwei Mal im DFB-Pokalfinale. 1965 verlor er mit Alemannia in Hannover gegen Borussia Dortmund mit 0:2, im Mai 1977 mit Hertha musste er – ebenfalls in Hannover – dem 1. FC Köln (0:1) im Wiederholungsspiel den Vortritt lassen. Was ihn beim Rückblick auf seine sportliche Laufbahn zu der Erkenntnis bringt: „Ich bin der ewige Vize.“

Doch nicht alles in seinem bisherigen Leben war eitel Sonnenschein. Vor 17 Jahren, mit 47, erlag seine Frau Renate einem Krebsleiden. Seit 16 Jahren lebt er mit seiner Partnerin Marianne zusammen. Mit ihr teilt Erwin Hermandung seine Leidenschaften: Fußball und Reisen. „Mein Herz hängt immer noch an Alemannia und Trier“, gesteht er.

In Aachen war er ab 1985 auch als Co-Trainer von Werner Fuchs engagiert. Bis zum Abstieg 1990. „Die Zeit unter Werner Fuchs war großartig“, sagt Hermandung. Danach kam Diethelm Ferner, der den Kader beim Waldlauf mit dem Auto begleitete. Oder Peter Neururer, der immer für Überraschungen gut war. Und in der Chaos-Saison 1989/90 Rolf Grünther, Mustafa Denizli und Eckhard Krautzun.

Das letzte halbe Jahr am Tivoli war für ihn besonders prägend. „Wir waren im Winter zur Vorbereitung auf die Rückrunde in Izmir“, erinnert er sich. „Da saßen die Spieler im Hotel in einer Ecke und der Trainer mit türkischen Bekannten in einer anderen. Nur trainiert wurde so gut wie nie. Da habe ich dem damaligen Manager Dietmar Grabotin gesagt: Wenn das so weitergeht, steigen wir ab.“ Denizli, so Hermandung, war auch mehr in der Türkei als in Aachen. „Der kam dann und sagte zu mir: Ich bin ein paar Tage weg, mach‘ du das mal.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist Hermandung auch Denizlis Einstand. „Da spielten wir in Braunschweig und führten. Jörg Beyel hatte zwei Tore geschossen. Denizli saß auf der Tribüne und schickte in der zweiten Halbzeit den Dolmetscher zu mir. Ich musste auswechseln. Beyel ging raus, und wir verloren noch.“

Doch die Zeit des türkischen Nationalheldens in der Kaiserstadt war immer noch nicht der Höhepunkt. „Das war Eckhard Krautzun, der ewige Junggeselle“, erzählt Hermandung. „Der kam mal zu mir und sagte: Schreib‘ mal auf, was die Spieler essen möchten. Ich dachte, ich kann meinen Ohren nicht mehr trauen.“ Das Ende der Geschichte ist bekannt. Alemannia stieg in die damalige Oberliga ab.

Heute hat Hermandung keine Bindung mehr zur Alemannia. Seit dem Tod von Leo Führen gibt es keinen Kontakt mehr. „Von dem Verein, für den ich nicht nur sechs Jahre gespielt habe, und nach meiner aktiven Zeit noch als Co-Trainer tätig war, höre ich nichts mehr. Bei der Alemannia scheine ich in Vergessenheit geraten zu sein“, glaubt Hermandung und schiebt nach: „Wenn ich nach Aachen zum Spiel fahre, dann bezahle ich meine Karte selbst.“

Am Montag wird der runde Geburtstag in Baal im engeren Kreis gefeiert. Mit Partnerin, Kindern, Enkeln und engen Freunden. Da käme ein Zeichen seines ersten Arbeitgebers im bezahlten Fußball vielleicht gerade recht.

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