Alemannia hat eine unerwartete Problemzone

Von: Christoph Pauli
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Der Kapitän hat Probleme mit der Organisation des Spiels: Aimen Demai und auch Timo Staffeldt sind nicht gut drauf. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der Tag ging fast schon in die letzte Stunde, da ging Mario Ermisch noch einmal die Aufstellungen durch. „Wir hatten heute fünf U 23-Spieler auf dem Platz“, zählte Rödinghausens Trainer durch, „Alemannia keinen einzigen.“

Er sagte das nicht mit der Arroganz des Tabellenführers, er war einfach nur stolz auf seine Mannschaft, die am Tivoli mit 1:0 gewonnen hatte. „Ich bin nicht so unzufrieden, wenn wir als kleiner Dorfverein hier gewinnen.“ Es war ein kleines Meisterstück.

Neben ihm saß sein Kollege, der keinen U 23-Spieler, stattdessen sehr erfahrene Spieler aufgestellt hatte. Das Team ist in keiner guten Phase, da sollten es die alten Haudegen richten. So war die naheliegende Idee von Christian Benbennek, die nur einen Fehler hatte: Sie ging nicht auf.

Es hakt bei Demai und Staffeldt

Alemannia hat eine etwas unerwartete Problemzone. Sie liegt im Herzen der Mannschaft im defensiven Mittelfeld, wo Widerstand und Angriff im besten Fall organisiert werden. Auf den Positionen, auf denen sich der Klub fast luxuriös besetzt fühlte, hakt es gewaltig. Die erfahrenen Aimen Demai und Timo Staffeldt sollen Aachens Spiel in Formen gießen. Sie sollen eine Mannschaft mit ihrer Erfahrung und ihrer Klasse führen. An diesem Abend gelang ihnen das nicht annähernd.

Alemannia verlor die Partie eindeutig im anonymen Mittelfeld. Nicht nur Demai und Staffeldt, auch die übrigen Mittelfeldspieler Dennis Dowidat und Bastian Müller spielten dramatisch unter Wert. Impulse gab es selten im Mittelfeld, und auch die Innenverteidiger haben schon deutliche bessere Spiele in punkto Spieleröffnung gezeigt – nämlich acht. Den beiden Außenverteidigern fehlt das Timing und der Mut für ihre Vorstöße. Zu stark waren ihre Kontrahenten Sebastian Jakubiak und Marius Bülter. An diesem Abend waren etliche mit sich selbst beschäftigt: Selbst Pässe über zehn Meter streuten so stark, als habe die halbe Mannschaft die Kontaktlinsen vergessen.

„Es hatte kaum einer Normalform“, war auch Benbennek sichtlich irritiert. Am Tag nach der Pleite „quälte“ er sein Team noch einmal mit einem Video der ersten Halbzeit, die am Saisonende sicherlich einen Vorderplatz erhalten wird, wenn die schlechtesten 45 Minuten gekrönt werden. Timo Staffeldt und Frederic Löhe verpassten den „Horrorfilm“, sie meldeten sich erkältet ab. David Vrzogic droht nach einem Schlag auszufallen, ein MRT soll am Montag näheren Aufschluss geben, ob er sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat.

Die dritte Niederlage in Serie sorgte für den Blues am Tivoli. Der starke Auftakt ist nur ein schwacher Trost. Die knappen Ergebnisse übertünchten schon in den ersten Wochen spielerische Defizite, findet nicht nur Jannik Löhden. Die Mannschaft punktete mit ihren starken Standards. Die „große Stärke“ fehlt dem Team derzeit, die ruhenden Bälle in den letzten Wochen hatten eines gemeinsam: Sie brachten keine Gefahr.

Der Befund nach dem neunten Spieltag ist durchaus besorgniserregend: Die Mannschaft wirkt immer noch unfertig, sie hat ihre Balance noch nicht gefunden. Benbennek vermisst den Mut und die Entschlossenheit, die das Team bei vielen Partien in der Vorbereitung so ausgezeichnet hat. Die Fahndung nach den Eigenschaften ist das Thema der Woche.

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