Aachen - Alemannia: Hart erarbeitetes 1:0 gegen RW Essen

Alemannia: Hart erarbeitetes 1:0 gegen RW Essen

Von: Christoph Pauli
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Feierlaune: Gegen RW Essen gelingt dank Dominik Ernst (3. v. links) der nächste 1:0-Erfolg. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Vor dem Spiel hatten sie sich ein paar Kniffe ausgedacht. Alemannia wechselte zum Beispiel wieder die Auswechselbank. Ein bisschen spielte der Aberglaube da mit, zudem hatten die Aachener argwöhnisch beobachtet, wie in den letzten Wochen von hier aus der Schiedsrichterassistent permanent „bearbeitet“ wurde.

Entscheidender waren aber vermutlich die taktischen Ideen, mit denen Trainer Fuat Kilic den Gegner überraschte. Jannik Löhden kehrte zurück ins Abwehrzentrum. Bei eigenem Ballbesitz standen da nun drei Kleiderschränke auf einer Linie nebeneinander. Die Außenbahnen wurden komplett neu sortiert.

Tobias Haitz war plötzlich ein linker Verteidiger, vor ihm spielte Tobias Mohr. Nils Winter übernahm das Mandat auf der rechten Seite, der etatmäßige Rechtsverteidiger Dominik Ernst rückte eine Position noch vorne. Neuland für ihn. „Ich war auch überrascht, jeder weiß, dass ich ein rechter Verteidiger bin“, grinste er nach getaner Arbeit. Ernst war vermutlich auch überrascht, dass er als Torschütze auftauchte. Als einziger. Die Partie gegen den alten Rivalen RW Essen endete mit einem hart erarbeiteten 1:0. „Dominik war das Symbol für unsere Anstrengung“, stellte Kilic fest. Mit Krämpfen musste er ausgewechselt werden, dabei wurde er mit einer Pferdelunge ausgestattet.

8800 Fans sahen den alten Westschlager, es war ein stimmungsvoller Nachmittag. Die Aachener kamen mit viel Elan zur Arbeit, sie attackierten früh, zwangen die Essener zu vielen Fehlern. Aachen war die giftigere Mannschaft, aber Gelegenheiten ergaben sich selten. Das Angriffsspiel war zu fehlerhaft, und Essen zog sich unerwartet tief zurück. Die Gäste lauerten auf Konter, aber viel mehr als ein verrutschter Schlenzer von Marcel Platzek vom Strafraumeck präzise ins Fangnetz (20.) war nicht zu beobachten. Es trafen zwei Teams mit erhöhter Wachsamkeit aufeinander. Schon nach einem Viertel der Saison droht die Perspektivlosigkeit.

Auf den Rängen und auf der Wiese blieb es ruhig. Wann immer ein kleines Feuerchen drohte, war Sascha Stegemann vor Ort, um es schnell auszutreten. Der Bundesliga-Schiedsrichter war der beste Mann auf dem Feld.

Die beste Gelegenheit hatten die Gastgeber: Keeper Pascal Nagel drosch einen Abschlag vor das gegnerische Tor, der geplante Rückpass von Essens Kapitän Philipp Zeigler geriet zu kurz, Rüter spritzte dazwischen. Doch der einzige Angreifer der Aachener wurde abgedrängt (29.). „Da war mehr drin, das ärgert mich kolossal“, hinterließ der bienenfleißige Rüter, der noch auf sein erstes Saisontor wartete.

Die erste Halbzeit trudelte langsam aus, Alemannia setzte noch einmal nach. Rüter wagte aus spitzem Winkel noch einmal einen Schuss. Der Ball wäre am Tor vorbeigesaust, doch Essens Keeper entschied sich einzugreifen: Heimann ließ die Kugel nach vorne abprallen, und Dominik Ernst sagte „Danke“. Fast unverhofft kam der kleine Blonde zu seinem ersten Saisontor. Nach 43 Minuten hatte die Partie dann doch einen Höhepunkt. Es war eine der wenigen Szenen, in denen sich die Aachener mal gekonnt durchspielten. „Der Fußball ist heute auf der Strecke geblieben. Wir wollten für unsere Fans diesen Sieg mit aller Macht“, bilanzierte Dennis Dowidat, ansonsten ein Anhänger des schönen Spiels.

Es wurde ein Tag der Arbeit. Die Gäste entschieden sich nach lautstarker Pausenansprache von Trainer Sven Demandt dann doch, energischer an diesem Spiel teilzunehmen – bevorzugt über ihre rechte Seite. Es reichte zu ein paar harmlosen Kopfbällen, die Partie blieb ausgewogen, weil die Aachener sich nicht zurückzogen. „Wir haben unsere Lektion gelernt“, atmetet Fuat Kilic nach ein paar ängstlichen Auftritten zuletzt auf. Seine Mannschaft hätte es sich deutlich einfacher machen können. Sie schluderte bei vielen Gelegenheiten. Ernst verpasste noch einmal mit einem Heber von weit außerhalb das leere Tor (58.).

Erst in den letzten Minuten schnürten die Essener die Gastgeber förmlich ein. Der eingewechselte Kamil Bednarski traf zwei Mal die Latte (77./94.), davor kratzte Nils Winter noch einen Ball von der Linie (93.). Das Glück kehrte zurück, auf der letzten Rille rettete sich Aachen ins Ziel. Ein Sieg, der an so manchen stimmungsvollen Freitagabend am alten Tivoli erinnerte. Keine Zweifel ließen die Fans, wie sie die Zukunft sehen. Sie nutzen die Kulisse, um auf Spruchbändern zu dokumentieren, was sie von einem Einstieg eines Investors halten – nämlich gar nichts.

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