Alemannia gewinnt gegen Essen: Spannung bis zum Abpfiff

Von: Christoph Pauli
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Alemannia hat am Samstag gegen Rot-Weiss Essen gewonnen - vor einer Rekordkulisse. Foto: Birkenstock

Aachen. Ralf Westig und Frederic Löhe lieferten sich nach dem Schlusspfiff ein kleines Sprintduell, wer der erste Gratulant bei Jonas Ermes sein würde. Fast gleichauf kamen der Torwart-Trainer und der gesperrte Keeper beim 22-Jährigen an, um ihn intensiv zu umarmen.

„Er hat eine überragende fehlerfreie Partie geliefert“, schrieb ihm Westig ins Zeugnis. Besser hätte dieser Arbeitstag für Ermes und seine Aachener Kollegen nicht laufen können. Das Spitzenspiel in der Regionalliga West endete 1:0. Alemannia übernahm wieder die Tabellenführung, und der Tivoli erlebte endlich noch einmal ein Fußballfest.

30.313 Zuschauen bildeten eine Bundesliga-Kulisse. Die beste Heimmannschaft kämpfte das beste Auswärtsteam nieder, „am Ende war Aachen dieses eine Tor dann vielleicht besser“, erkannte Gästetrainer Marc Fascher. „Es war heute spannend zu sehen, wie die Spieler mit dieser ungewohnten Umgebung umgehen“, analysierte sein Kollege Peter Schubert später. „Sie haben sich gegenseitig gepusht, sie haben das leidenschaftlich gelöst“, war er zufrieden. Das Westderby begann mit einer feinen Geste: Es gab eine Gedenkminute für den ehemaligen Essener Trainer und Jugendleiter Siggi Dahms, der diese Woche verstarb.

RWE kam besser aus den Startlöchern, die Mannschaft wirkte eingespielter. „Wir hatten nach der zerklüfteten Vorbereitung Probleme, einen Rhythmus zu finden“, ordnete Kapitän Aimen Demai ein. Aachen bekam nicht sonderlich viel Packan in den ersten Minuten. Die Dinge änderten sich erst mit einer Systemumstellung. Die Raute wurde aufgelöst, fortan war das Team um 4-2-3-1-System viel besser unterwegs. Die Gäste hatten nach drei Minuten ihre beste Gelegenheit, Tim Hermes feuerte aus 22 Metern einen Schuss aufs Tor, und Ermes lenkte die Kugel an die Latte. „Da war ich gleich gut im Spiel“, urteilte der unerfahrene Torwart später. „Die Nervosität war verflogen.“ Ermes kam später aus dem Dauergrinsen nicht mehr heraus. „Es ist einfach ein großartiger Tag, die Jungs haben es mir aber leicht getan, ich hatte nicht viel zu tun.“ Die Aachener Viererkette war nicht zu überwinden. Die Innenverteidiger Marcus Hoffmann (verlor kein Duell) und Peter Hackenberg waren sehr präsent, Dominik Ernst verteidigte enorm aufmerksam. Und mit beträchtlicher Verspätung dichtete auch Michael Lejan seine Seite ab.

Essen verhedderte sich fortan im Aachener Gestrüpp, nichts war zu sehen von der Angriffsstärke. Ein zu hoch angesetzter Schuss von Sven Kreyer nach 84 Minuten blieb die einzige Ausbeute. Mit Verspätung bekamen die Aachener die Partie in Griff, sie lauerten auf Ballgewinne. Aber die einzigen Möglichkeiten ergaben sich nach ruhenden Bällen. Neuzugang Viktor Maier deutete nach einer Demai-Ecke seine Torgefahr an, prüfte per Kopf Niclas Heimann. Aachen wechselte bei der vierten Gelegenheit den Eckballschützen. Der starke Tim Jerat zirkelte den Ball in den Strafraum, und Kevin Behrens rauschte heran. Ein Kopfball wie ein Tor, Aachen führte nach 39. Minuten mit 1:0. „Es ist das Highlight meiner Karriere, in so einem großen Spiel getroffen zu haben.“ Behrens war der abenteuerlustigste aller Angreifer. Er war an allen brenzligen Situationen beteiligt. Mal traf er nach einem Jerat-Freistoß das Außennetz aus spitzem Winkel (61.), dann hielt Keeper Niclas Heimann seinen Fernschuss (70.). Schließlich faustete Behrens den Ball ins Netz, was ihm erwartungsgemäß keine Torprämie, sondern eine Gelbe Karte einbrachte. Sekunden später machte er sich erneut auf den Weg, und die Idee von Richard Weber, ihn festzuhalten, war keine sehr kluge. Der Innenverteidiger musste mit Gelb-Roter Karte vorzeitig vom Platz.

Schiedsrichter Martin Thomsen war ein guter Leiter dieser zuweilen hitzigen kampfbetonten Partie. Die Funken flogen in vielen Zweikämpfen, Thomsen musste ein paar Rudel auflösen, aber er hatte das Spiel im Griff. Essen war in Unterzahl, musste mehr riskieren, Aachen nutzte seine Freiräume nicht konsequent genug. So blieb die Spannung bis zum finalen Pfiff erhalten, ehe Westig und Löhe endlich den Jubelsprint zu Jonas Ermes ansetzen durften.

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