Aachen - Alemannia gelähmt: „Wir haben uns in die Hosen gemacht”

Alemannia gelähmt: „Wir haben uns in die Hosen gemacht”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Freude und Trauer auf wenigen Quadratmetern: Die Hinweise verdichten sich, dass Aachen und Osnabrück der 2. Liga auch in der nächsten Spielzeit erhalten bleiben. Foto: Sport-Presse-Foto

Aachen. Der DFB kennt den Skandal seit fünf Jahren, aber er ignoriert ihn, vermutlich duldet er ihn sogar. Seit fünf Jahren tritt dieser VfL Osnabrück mit zwölf Spielern an. Spieler 12 trägt zur Tarnung meistens Jeans und Sweat-Shirt, macht sich erst beim Anpfiff erkennbar.

Dann wird aus dem Trainer Pele Wollitz wieder der Spieler Pele Wollitz, der am Spielfeldrand mitfiebert, die Mannschaft und das Publikum unglaublich pusht. Und der sich hin und wieder dabei ertappt, wie er mitten im Spielfeld steht und jubelt. Die Mannschaft - zumindest am Freitag - ließ sich bereitwillig von seinem Temperament anstecken.

Vermutlich ist er in der impulsiven Atmosphäre gut aufgehoben, am Freitag wurde er als Osnabrücks „Trainer des Jahrhunderts” vor der Partie gegen Alemannia Aachen ausgezeichnet. Den starken Auftritt gegen Aachen nutzte Wollitz aber umgehend, um ironisch mit seinen Kritikern abzurechnen. „Ich bin schon beeindruckt von dem Team, das während der Woche ja machen kann was es will. Das nichts lernt, nichts beigebracht bekommt und dann so ein Spiel abliefert.”

Gegner Aachen lieferte auch „so ein Spiel ab”, räumte nicht nur Manager Andreas Bornemann ein. „Schwierig zu verstehen.” Gegen zwölf Osnabrücker waren die zehn Aachener (nach dem Platzverweis von Olajengbesi) hoffnungslos unterlegen. Die Spieler wirkten nicht, als hätten sie sich etwas Großartiges vorgenommen, sie traten gehemmt auf wie kranke Patienten.

Seit Monaten ist die Planung darauf ausgerichtet, „in der Endphase noch einmal mitmischen zu können”. So hat es der Trainer schon im Herbst formuliert. Durch eine starke Serie und ein paar nette Fügungen der Tabelle war Aachen tatsächlich noch einmal in die Nähe der Bundesliga gerutscht. Um dann in Osnabrück zu versagen. „Wir haben uns vor Angst in die Hosen gemacht”, war Thorsten Stuckmann nahezu fassungslos. Im herbeigesehnten Nerven-Spiel war nur der Keeper ein tadelloser Rückhalt. „Auch so ein Spiel liefert uns wichtige Erkenntnisse, wer mit so einer Situation umgehen kann”, sagte Trainer Jürgen Seeberger. Die Antwort in Osnabrück dürfte desillusionierend ausgefallen sein. Das Kollektiv war „blockiert”, urteilte Seeberger. Und niemand war auszumachen, der die Blockade lösen konnte.

Das Team hatte sein beste Saison-Phase, als es vermeintlich um nichts mehr ging. „Wir haben nicht zufällig den Ball flach gehalten”, sagt Bornemann. Die Aufstiegsgefahr lähmte auch diesmal die Beine. Die Gruppe ließ die Chance fast unberührt vorbeiziehen statt sie zu ergreifen. Ihr fehlte auch in Osnabrück die Ausstrahlung einer Mannschaft, die für größere Aufgaben gewappnet ist. Stress-Resistenz dürfte folgerichtig ein größeres Suchkriterium bei der Auswahl neuer Spieler sein.

In Osnabrück wurde zudem wieder eines der großen Probleme der Hinrunde begrüßt, dessen Lösung gefunden schien. Wer ist die beste Alternative im rechten Mittelfeld? Müller, Polenz, Holtby, Lehmann, Lasnik, Seitz, Lagerblom, Daun, Brinkmann, der mit einem Nasenbeinbruch spielte, haben sich hier schon versucht. Mal mit mehr, meistens mit weniger Erfolg. In einer Mannschaft, die zu nahezu 90 Prozent aus ausgebildeten Rechtsfüßlern besteht, haben die Trainer auch nach dem 31. Spieltag noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden.

Fiel und Olajengbesi fehlen gegen Lautern

Das Strafmaß für Seyi Olajengbesi stand am Sonntag noch aus. Im schlechteren Fall ist die Saison für den Abwehrchef schon zu Ende. Nicht sonderlich glücklich war Manager Andreas Bornemann mit der Leistung von Schiedsrichter Florian Steuer. „Ich finde es schade, dass die Bedeutung des Spiels nicht durch eine angemessene Ansetzung dokumentiert wird.” Steuer unterliefen in seinem neunten Spiel der 2. Liga allerhand Missgeschicke.

Am Dienstag gegen den 1. FC Kaiserslautern fehlt der ebenfalls gesperrte Cristian Fiel. Ob Szilard Nemeth zurückkehrt, ist höchst ungewiss. Trainer Seeberger zog Manuel Junglas und Abdul Özgen wieder von der zweiten Mannschaft ab.
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