Alemannia gegen RW Essen: Gehemmt oder voller Kraft?

Von: Christoph Pauli
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Gespannt darauf, wie seine Mannschaft mit der nächsten Insolvenz umgeht: Alemannia-Coach Fuat Kilic. Foto: imago/Manngold

Aachen. Am Freitagmittag geht Alemannia dann auf Reisen. Die erste Tour steht an, seitdem die nächste Insolvenz beantragt wurde. Das Reiseziel ist ein anderer gebeutelter Regionalligist. Um 19.30 Uhr wird an der Hafenstraße der alte Westschlager gegen Rot-Weiß Essen angepfiffen. Ein paar Fragezeichen sind mit an Bord.

Wie verkraften die Aachener den nächsten Rückschlag? Hemmt die Situation oder macht sie sogar Kräfte frei? „Vielleicht war die längere Pause gut, um die Dinge besser zu verarbeiten“, sagt Fuat Kilic. Der Trainer hat keinen Spannungsabfall in seiner Mannschaft festgestellt, „aber man kann in die Köpfe ja nicht hineinsehen“.

Es ist eine spezielle Situation am Tivoli. Bei mehreren Spielern verlängern sich die Verträge automatisch bei einer gewissen Anzahl von Pflichtspielen. Bei Meik Kühnel ist der Fall bereits eingetreten. Sein Kontrakt läuft nun auch im nächsten Jahr. Dominik Ernst, Florian Rüter und Mergim Fejzullahu hängen noch in der Warteschleife. Auch die Verträge der Stammspieler könnten sich lukrativ verlängern in den letzten Wochen, abhängig von der vereinbarten Zahl an Pflichtspielen. Für Spieler tritt dann die Situation frühzeitig ein, die sie ersehnt und ausgehandelt haben. Sie bekommen schnell Planungssicherheit.

Bei Alemannia ticken die Uhren aber gerade anders, und niemand kann sagen, wie sie in ein paar Monaten ticken. Wird der künftige Etat halbiert, was schon vor der Insolvenz eine Option war, sofern kein Investor dazukommt, sind die Spieler plötzlich Mitglied einer Mannschaft, die eher gegen den Abstieg spielt. Mit so einer Entwicklung hat kein Spieler und kein Berater gerechnet.

Fuat Kilic sagt, dass er Verständnis aufbringe, wenn ein Spieler Bauchschmerzen habe, weil er den Vertrag mit Option unter ganz anderen Vorzeichen unterschrieben habe. Bislang habe sich allerdings noch niemand bei ihm gemeldet, weil er lieber nicht eingesetzt werden wolle. Der Kaderplaner plädiert wie gewohnt für einen offenen Umgang miteinander. Niemand solle sich strategisch krank melden, um einem Vertrag mit ungewisser sportlicher Perspektive zu entgehen. „Es ist zudem eine beidseitige Geschichte. Auch der Verein weiß nicht, wie groß der Kuchen ist und was er in der nächsten Saison zahlen kann.“

Auch im Insolvenzverfahren gelten uneingeschränkt die regulären arbeitsvertraglichen Bedingungen, laufende und verlängerte Verträge behalten ihre Gültigkeit, sagt André Dobiey, der für Insolvenzverwalter Christoph Niering arbeitet. Theoretisch könne der Insolvenzverwalter zwar langfristige Arbeitsverträge mit einer Frist von drei Monaten zum Monatsende vorzeitig kündigen. „Derartiges ist aber weder geplant noch ein Gesprächsthema. Angesichts der Zielsetzung, auch in der kommenden Saison eine konkurrenzfähige Regionalligamannschaft zu unterhalten, besteht ein großes Interesse, vertraglich gebundene Spieler auch zu halten“, sagt der Insolvenzexperte.

Ein anderes „Problem“ hat das Team kurzfristig mit dem Insolvenzverwalter geklärt. Die Mannschaft rutscht in der Tabelle in der nächsten Woche ab, wenn die neun Punkte gemäß der Statuten abgezogen werden. Sportlich wäre der Akt zu verkraften, die Mannschaft landet dann im gesicherten Mittelfeld. Aber prämientechnisch hat die Verbandsstrafe Auswirkungen, denn der finanzielle Zuschlag ist an Plätze gekoppelt. Lukrativ wird die Regelung erst ab Rang 6.

Nun ist besprochen, dass sich die Prämienausschüttung an der Tabelle vor dem Abzug orientiert. „Die Jungens sollen nicht bestraft werden für etwas, was sie nicht verursacht haben“, sagt Kilic. Die Prämien seien in einigen Fällen fast existenziell, bekräftigt der 43-Jährige, „sonst lägen einige Spieler sogar unter dem Mindestlohn“. Die Mannschaft hat zuletzt bereits bewiesen, dass ihr Erfolgshunger nicht gestillt ist, weil es allenfalls noch individuelle Ziele gibt in der Saison. Die Gruppe hat sich ein neues „altes“ Ziel gegeben. „Wir wollen Platz 6 erreichen“, sagt Kilic – allen Widrigkeiten und Punktabzügen zum Trotz.

Mögliche Aufstellung: Depta - Ernst, Propheter, Löhden, Winter - Staffeldt, Mohammad - L. Mickels, Fejzullahu, Mohr - Gödde

Schiedsrichter: Dominik Jolk (Bergisch Gladbach)

Bilanz: 79 Spiele - 28 Siege, 15 Remis, 36 Niederlagen (102:127 Tore).

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