Aachen - Alemannia: „Es tut weh, richtig weh“

Alemannia: „Es tut weh, richtig weh“

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Am Boden zerstört: Sasa Strujic & Co. kassieren eine herbe Niederlage. Foto: Wolfgang Birkenstock Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Am Tag danach waren die Schmerzen nicht geringer geworden. „Es tut weh, richtig weh“, räumte Alemannias Manager Uwe Scheer ein. Das 1:2 gegen Babelsberg empfand er wie Prügel am eigenen Leib. Für die neu formierte Mannschaft war es die bitterste Stunde bislang. Schlicht als „Katastrophe“, empfand Verteidiger Robert Wilschrey die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten.

„Irgendwann kommen wir mit unseren Umstellungen und Einwechslungen auch mal ans Ende“, sagte Aachens Trainer René van Eck. Die hinteren Reihen des Kaders sind längst gelichtet. Seine Mannschaft besteht zum überwiegenden Teil aus Spielern, die vor ein paar Monaten noch in der NRW-Liga unterwegs waren. Und doch schmerzte die Niederlage umso mehr, weil sie erst kurz vor Schluss festgemacht wurde und weil sie enorm überflüssig daher kam, obwohl die Aachener keinen sonderlich guten Tag erwischt hatten. An diesem Nachmittag wurden die Grenzen des Improvisierens erkennbar.

Dieses 1:2 war erkennbar die Folge der letzten strapaziösen Wochen. Unbegrenzt lassen sich Weggänge, Verletzungen und Sperren nicht kompensieren. „Wir haben nur dann eine Chance, wenn alle ihr oberstes Level erreichen“, sagt Scherr. Das war an diesem Tag nicht der Fall. Die Folgen der Insolvenz wurden dann auf dem Spielplatz erkennbar, obwohl sich das Team auch an diesem Tag elanvoll gegen die Niederlage stemmte.

Vor allem im defensiven Zen–trum fehlten die Alternativen an diesem Nachmittag. Demai, Stehle, Erb verletzt, Herröder gesperrt. Und nach zwölf Minuten humpelte auch noch der erfahrenste Widerstandskämpfer vom Platz: Kristoffer Andersen fehlt mit einer Leistenverletzung auch am Dienstag in Erfurt.

Van Eck wechselte mit Rafael Garcia eher offensiv, zu mehr Stabilität und Zweikampfsicherheit führte das nicht. Das defensive Kontrollzentrum war nicht eingespielt, die Abstände waren zu groß, der Zugriff auf die kantigen Gegenspieler fehlte weitgehend. Norikazu Murakami war der Aushilfs-Innenverteidiger. Aber in seinen Adern fließt erkennbar mehr Stürmer- als Verteidigerblut. Der Japaner kam auf der neuen Position nicht sonderlich gut zurecht. Schon nach 17 Sekunden verlor er bei einem überflüssigen Dribbling den Ball. Oliver Heil strebte der Führung zu, doch statt mit einem Torschuss beendete er die Aktion mit einer plumpen Schwalbe.

Dabei hatte die Partie fröhlich begonnen. Nach sieben Minuten gab Dario Schumacher den ersten Eckball herein. Assimiou Toure lenkte den Ball per Kopf ins eigene Tor – 1:0. Erstaunlich robust steckten die Gäste den Nackenschlag weg. „Das war heute ein Mentalitätsspiel“, feierte Trainer Christian Benbennek sich selbst. Babelsberg versuchte es häufig durchs Zentrum, wo Alemannia kein sonderlich dichtes Netz knüpfen konnte.

Markus Müllers Kopfball-Heber klatschte knapp neben dem Tor ins Aus (9.), dann kam Oliver Heil freistehend am Elfmeterpunkt zum Schuss und schaffte nicht mehr als eine Rückgabe (19.). Oliver Kragl scheiterte an Aachens gutem Keeper Mark Flekken, der reaktionsschnell das rechte Bein rausschnellte (32.). 8711 Zuschauer sahen einen Ausflug beider Teams ins Land der Fehler, flüssige Spielzüge kamen auf dem seifigen Platz selten zustande. Im Aachener Spielaufbau knirschte es, die Außenspieler blieben weitgehend anonym. Den Gästen half das nächste Eigentor. Einen Freistoß von Philipp Kreuels drosch Murakami mit einem Querschläger ins eigene Netz (52.). Oliver Kragl hätte gleich nachlegen können, scheiterte aber freistehend erneut am Torhüter (55.).

Erst im letzten Drittel der Partie meldete sich Alemannia zurück, beflügelt vom eingewechselten Oguzhan Kefkir, der ein feines Arsenal an Vorlagen mitgebracht hatte. Es fehlten nur wenige Zentimeter und die Besucher hätten das dritte Eigentor des Tages bestaunen können. SV-Kapitän Daniel Reiche fälschte einen Volley-Schuss von Schumacher diesmal ins Aus ab (69.). Marquet bejubelte vergeblich seinen schönen Kopfballtreffer (73.), Vorlagengeber Schumacher stand im Abseits nach Meinung der Spielleiter. Thieles Solo endete an den Fäusten von Gäste-Keeper Sascha Studer, der den Ball gerade noch entschärfen konnte (79.).

Die Niederlage mit ihren Folgeschmerzen hätte Denis Pozder verhindern können, vielleicht auch müssen. Er drosch den Ball unbedrängt aus sechs Metern in den Oberrang (87.). So gehörte die finale Pointe Babelsberg. Christian Essig, vier Minuten im Spiel, zirkelte einen Freistoß aus 22 Metern ins Netz (89.). Das junge Team kam nicht mehr zurück, plötzlich wurde der Ball so schwer wie eine Bleikugel. „Wir dürfen auch in unserer extremen Situation nicht verkrampfen“, forderte Scherr, der mit der Gruppe heute gemeinsam die Schmerzen lindern will.

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