Alemannia: „Es kann nicht schlimmer werden“

Von: Christoph Pauli
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In Krisenzeiten besonders gefragt: Erfahrene Spieler wie Timo Staffeldt, die das Team anschieben sollen. Foto: sport/Revierfoto

Aachen. Ausgerufen ist der Tag der Wiedergutmachung. „Wir haben uns das selbst eingebrockt, also müssen wir uns jetzt auch selber wieder rausziehen“, findet Alemannias Trainer Christian Benbennek vor dem Duell heute gegen den Aufsteiger TuS Erndtebrück (14 Uhr). Sein Mittelfeldlenker Timo Staffeldt soll dazu beitragen, dass die Mannschaft nach drei Niederlagen wieder in die Spur kommt. Ein Gespräch mit dem 31-jährigen Neuzugang.

 

Wir würden gerne mit Ihnen über Mut sprechen. Wieso hat das Team ihn nach starker Vorbereitung und erfolgreichem Saisonstart verloren?

Staffeldt: Er ist immer noch da, aber er versteckt sich gerade, ohne dass wir wissen, warum. Es ist ein mentales Phänomen, bei dem viele kleine Faktoren zusammenkommen. Wir sind eine junge Mannschaft mit Ausnahme von Aimen Demai und mir, da sind Schwankungen normal. Der Leistungseinbruch hängt vielleicht mit äußeren Faktoren zusammen, die aber für unseren Sport normal sind. Die Aufgabe von uns Älteren ist es, zu vermitteln: „Es ist nur ein Fußballspiel, es geht nicht um Leben und Tod.“

Die erfahrenen sollen auch die mutigen Spieler sein, die in kritischen Situationen nicht abtauchen. Wieso klappt das bislang nicht?

Staffeldt: Ich möchte nur über meine Leistung sprechen, und die war nicht gut. Ich habe mich schon beim Trainer entschuldigt, dass ich mich fit gemeldet habe, obwohl ich erkältet in die Partie gegen Rödinghausen gegangen bin. Das war falscher Ehrgeiz. Die Kritik ist völlig berechtigt. Es war eine schlechte Leistung von mir – und die Erkältung dient auch nicht als Ausrede. Aimen und ich konnten den Laden nicht zusammenhalten, und wir konnten anderen Spielern keine Sicherheit geben.

Ist das eine Erklärung für eine Art Kettenreaktion? Gegen Rödinghausen sind etwa zehn Feldspieler unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Staffeldt: Schlechte Leistungen kommen vor, aber man kann dann noch verbal präsent sein und eine gute Körpersprache haben. Das hat in dieser Partie auch nicht geklappt. Es war schlecht von mir.Aber ich würde auch von einer Kettenreaktion sprechen.

Muss das Team gegen Erndtebrück liefern?

Staffeldt: Es ist nicht schlecht, dass wir diese Serie am Anfang der Saison haben. So gibt es noch Zeit zum Nachjustieren. Wir haben keinen Druck, wir sind nur vier Punkte weg von der Spitze. Wir sollten uns freuen, dass wir am Samstag vieles besser machen wollen. Eine Herausforderung – mehr nicht.

Mut bedeutet taktisch übersetzt: Die Viererkette rückt weiter raus, die Abstände werden kleiner, der Gegner wird früher attackiert. Vermutlich ist es schwieriger, mutig zu sein, wenn das Selbstvertrauen gerade schwindet.

Staffeldt: Zum Mut gehören noch mehr Sachen: Traue ich mir den Zweikampf zu, spiele ich bevorzugt den sicheren Pass, biete ich mich im freien Raum an? Daran haben wir sehr gut und intensiv gearbeitet in dieser Woche. Unsere Herangehensweise muss sein: Es kann nicht mehr passieren, es kann nicht schlimmer werden, da bereits im letzten Spiel – leider – gepfiffen wurde.

Was nehmen Sie sich für die Partie vor?

Staffeldt: Es wäre ein Fehler, jetzt in dieser Phase alles neu machen zu wollen. Wir sollten auf unserem gemeinsamen Weg bleiben, auch wenn es gerade Gegenwind gibt.

Macht es einen Unterschied, für Alemannia Aachen oder für Viktoria Köln drei Mal in Folge zu verlieren?

Staffeldt: Ja, in zweierlei Hinsicht. Es interessieren sich viel mehr Fans für Aachen, da ist die Erwartung und damit auch der Druck natürlich intensiver als in Köln. Bei Viktoria wird intern viel mehr erwartet, da steckt viel mehr Geld dahinter als hier in Aachen.

Bei Viktoria sind Sie gelobt worden, um dann drei Monate aussortiert zu werden. Was ist also passiert?

Staffeldt: Ich weiß es nicht. Die Planungen haben sich geändert, das kommt im Fußball immer wieder vor. Das muss man dann so hinnehmen.

Wie haben Sie Alemannia in den ersten Monaten erlebt? Ist das ein überhitzter Verein?

Staffeldt: Das ist eine Frage der Definition. Alemannia ist ein emotionaler Verein. Pfiffe wie gegen Rödinghausen sind nicht schön. Es ist aber normal bei schlechter Leistung, dass dies vorkommen kann. Eher unnormal ist es, keine Fans zu haben. Ich fühle mich hier wohl, weil die Emotionen sehr intensiv sind.

Zuletzt gab es eine Rote Karte, intern gesperrte Spieler, einen Wechsel auf der Position des Torwarttrainers. Gehört das zum Alltag?

Staffeldt: Es kommt bei jedem Team vor. Bei jeder Profimannschaft gibt es einen Strafenkatalog. Jeder Trainer hat seine Vorstellungen von Disziplin. Das ist in Ordnung. Er ist der Chef und entscheidet. Natürlich reden wir intern auch darüber und heißen solche Dinge nicht gut. Bei den Beispielen gab es auch wenig Widerrede.

Beeinflusst ein Wechsel im Trainerstab die Vorbereitung?

Staffeldt: Ich spreche wieder nur für mich: Wenn man es professionell aufnimmt, sollte es nur eine Randnotiz sein, auch wenn Ralf Westig ein Supertyp und sehr beliebt ist. Im Profifußball gibt es permanent ein Kommen und Gehen. Die Trainer haben diese Entscheidung so getroffen, es geht uns nichts an. Wir sollten uns mit unseren Leistungen im Training und Spiel beschäftigen.

Haben Sie nach dem zehnten Spieltag ein Gefühl für die Leistungsstärke dieser Mannschaft?

Staffeldt: Der eine oder andere weiß noch gar nicht, wie gut er ist. Hier laufen aber ein paar gute Kanonen herum. Unsere komplette Offensivabteilung ist extrem kombinations- und dribbelstark – zumindest im Training. Wenn ich jede Woche gegen solche Jungens spielen müsste, würde ich den Spaß am Fußball verlieren . . . Wir haben bislang nur in Oberhausen mal gezeigt, was in dieser Mannschaft steckt – wenn sie mutig ist.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Löhden, Lünenbach (Winter) - Müller, Staffeldt, Propheter, Graudenz - Rüter, Meier Schiedsrichter: Alexander Busse (Leichlingen) Bilanz: Premiere

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