Alemannia ergibt sich ins Schicksal bei der „kleinen Borussia“

Von: Klaus Schmidt
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Der Anfang vom Ende: Borussia-Spitze Giuseppe Pisano überwindet Alemannia-Keeper Frederic Löhe zum ersten Mal. Foto: Theo Titz

Mönchengladbach. Erst eine halbe Stunde nach dem Abpfiff kamen Peter Schubert und Reiner Plaßhenrich aus der Kabine, und das lag nicht daran, dass Alemannia Aachens Trainergespann noch das Entmüdungsbecken mit Schampus füllen wollte, um einen grandiosen Sieg gebührend zu feiern (was den beiden ohnehin nie in den Sinn kommen würde). Stattdessen wurde die Familienpackung herausgeholt, um der Mannschaft gehörig den Kopf zu waschen.

„Das Schlimme“, sagte Schubert, der Chefcoach, „war ja: Wir haben es einfach akzeptiert. Das 1:0, das 2:0, das 3:0. Und wahrscheinlich hätten wir auch das 6:0 und 7:0 akzeptiert.“ Der Sonntagsausflug des Fußball-Regionalligisten in den Borussia-Park endete mit einer ordentlichen Tracht Prügel, 5:0 für Mönchengladbachs „Zweite“, und während deren Trainer Sven Demandt zufrieden feststellen konnte: „Wir haben das heute einfach gut gespielt“, blieb Schubert nur die Erkenntnis: „Wir waren noch gut bedient.“

Der Plan, die Balance zu finden, „weder exzessiv zu verteidigen noch exzessiv anzugreifen“, stand nur auf dem Papier. Alemannia kam weder zu dem einen noch zu dem anderen, und sie machte „genau das“, was Schubert zuvor praktisch als Todsünde ausgerufen hatte – sie ließ Borussia spielen. „Wir hatten nur in den ersten zehn Minuten nach der Pause ansatzweise so etwas wie Probleme“, staunte Sven Demandt.

Aachen, mit Zugang Domagoj Duspara für den verletzten Sasa Strujic in der Startelf und zunächst im 4-1-3-2 unterwegs, fiel durch eine hohe Fehlpassquote auf, entwickelte keinen Druck und keine Gefahr. Und ließ sich viel zu einfach aushebeln: Odenthal schlug den Ball aus dem Zentrum auf rechts, Khalil Mohammad passte quer, Pisano brauchte nur noch einzudrücken (25.).

Zwar stellte Schubert anschließend wieder auf das System mit Doppel-Sechs um, doch das Debakel war nicht zu verhindern. Ecke in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, Zimmermann rauschte heran, 2:0. Zur Pause griff Schubert das komplette Wechselkontingent ab: Marquet, Abel, Krasniqi raus, Neppe, Sangare, Yoshihara rein.

Ein paar aus der Not heraus geborene Distanzschüsse (Abel, Duspara, Neppe, Dowidat) sowie zwei echte Chancen durch Krasniqi (45., frei im Fünfmeterraum) und Sangare (89., Flachschuss nach Solo) waren die dürftige Ausbeute beim „Heimspiel“ in Gladbach. „Im Prinzip“, sagte Peter Schubert, „muss sich alles ändern. Wir müssen überhaupt mal in die Zweikämpfe kommen, und über Umschaltspiel brauchen wir uns nicht zu unterhalten, wenn wir erst dann an den Ball kommen, wenn er im Tor liegt.“

Führungskräfte gefordert

Pisano schnürte mit einem Volley- und einem Schuss ins lange Eck seinen Dreierpack (57./65.), Bieler schlenzte den Ball zum Endstand ins Netz (84.). Nazim Sangare, neben Frederic Löhe und Dennis Dowidat einer von drei Ex-Gladbachern: „So ein Spiel hätte ich mir niemals vorgestellt. Vorne, hinten – nix hat gepasst. Jetzt müssen Siege her.“

„Wir sind auf dem Boden der Tatsachen gelandet“, Schubert und Plaßhenrich mahnen vor allem Führungsqualitäten von Spielern an, die sich als Führungskräfte sehen. „Jetzt gibt es keine Flucht mehr“, sagt Plaßhenrich. In Lippstadt dienten zwei Platzverweise als Argumente, in Essen frühe Gegentore jeweils zu Beginn der Halbzeiten, und von Lotte wurde man ja auch nicht vorgeführt. Nun setzte es die dritte Niederlage in Folge, die erste richtige Abfuhr in der Liga. Peter Schubert widerspricht dem nicht: „Klar, das ist jetzt ‚ne kritische Phase. Aber lieber ein Mal so deutlich verlieren, als fünf Mal mit einem Tor.“ Und Schönfärberei nach dem Motto: Wir können ja mit jedem mithalten in der Liga.

Zum ersten Mal in dieser Saison pfiffen die Fans am Sonntagnachmittag auf ihre Mannschaft. Die sieht Peter Schubert in der Bringschuld. Am Donnerstag gegen die „Zweite“ des VfL Bochum.

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