Alemannia: Erfolg mit neuem Personal

Von: Christoph Pauli
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Verteidiger und Torjäger gleichzeitig: Jannik Löhden erzielt seine Treffer 5 und 6 in dieser Saison. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. An die Trikotnummer konnte sich Andreas Golombek ein paar Minuten nach Spielende nicht mehr richtig erinnern. „Diese Nummer 14 oder 16“ jedenfalls hatte es den Trainer des SC Verls ziemlich angetan. „Um den beneide ich Alemannia.“

Die Nummer 14 war der Überraschungsgast in der Aachener Aufstellung, bis zu diesem 17. Spieltag war Taku Ito nur eine kaum beschäftigte Teilzeitkraft. Aber nach wochenlanger Tristesse hatte sich Alemannias Trainer Christian Benbennek entschieden, ein paar Dinge zu ändern. Er vertraute diese auch für ihn wichtige Partie neuem Personal an. So wie Taku Ito, dem ein famoses Spiel gelang.

Der Japaner hatte ein paar feine Finten mitgebracht. Der Angreifer rackerte über das Feld bis zur letzten Sekunde. „Ito war ein bisschen das Sinnbild dafür, mit wie viel Herz wir heute auf dem Platz waren“, bekam der unberechenbare Angreifer ein Extralob seines Coaches. 3:0 besiegte Alemannia den harmlosen SC Verl, vor nur noch 6380 Zuschauern. Ito gelang kein Tor, nicht mal eine Vorlage oder ein Abschluss, und dennoch war der kleine Wirbelwind eine enorme Bereicherung für sein Team.

Benbennek hatte seine Mannschaft erwartungsgemäß im größeren Stil umsortiert. Peter Hackenberg saß zunächst nur auf der Bank, während es David Vrzogic nicht einmal dorthin geschafft hatte. Stattdessen nominierte Aachens Trainer erstmals den Amateur Meik Kühnel für den Kader.

Die Partie begann mit einer Schweigeminute am Tivoli. Dann meldete sich schnell Alemannias Kapitän Timo Staffeldt zu Wort, Gelb nach vier Minuten. Fast eine halbe Stunde hielten sich die Gäste schadlos, ehe Julian Stöckner den Ball am Strafraum gegen Viktor Maier vertändelte. Aachens Angreifer hätte problemlos zur Führung einschieben können, fand aber in Keeper Sebastian Lange seinen Meister (28.). Die Chance de Luxe war vergeben, es gab immerhin Aachens ersten Eckball, den Jannik Löhden zum 1:0 ins Tor köpfte (29.).

Der Bann war gebrochen. Viktor Maier zog im Mittelfeld los, verfolgt von Kevin Kalinowski. Der Verteidiger zerrte sekundenlang an seinem Gegenspieler wie der Rottweiler am Einbrecher. Irgendwann endete die wilde Jagd im Strafraum, als Maier endlich zu Boden ging. Bundesliga-Schiedsrichter Sascha Stegemann urteilte milde, Gelbe Karte für den Täter und nur Freistoß kurz vor dem Strafraum. Maiers Rache war süß, präzise zirkelte er den Ball in den Winkel zum 2:0 (34.).

Nach 48 Minuten holte Sebastian Lange Viktor Maier von den Beinen, was widerspruchsfrei zum Strafstoß führte. Maier trat selbst an, um kläglich am Torwart zu scheitern (49.). Auch Dennis Dowidat wäre ein Kandidat für den ersten Elfmeter der Saison gewesen. Er verzichtete für den Kollegen. Dowidat war neben Ito der nächste Gewinner. Der kleine Spielmacher spielte im defensiven Mittelfeld und war ein ungewöhnlich starker Balldieb an diesem Nachmittag. Nach einer abgewehrten Ecke legte er noch einmal für Löhden auf.

Alemannias Torjäger kann tatsächlich auch Treffer mit dem Fuß erzielen (52.). Damit war das Thema erledigt, Alemannia verschluderte noch ein paar hinreißende Kontergelegenheiten. „Wir haben in den letzten Wochen gegen vier Spitzenteams gespielt, heute waren wir das erste Mal ohne jede Chance“, räumte Trainer Andreas Golombek nach dem fünften Spiel in Serie ohne Treffer ein.

Der ungefährdete Erfolg wurde überschattet von einer schweren Verletzung von Jerome Propheter, der diesmal einen seriösen Innenverteidiger gab. Bei einem Zweikampf mit Friedrich Bömer Schulte wurde er schlimm im Gesicht getroffen. Er kam sofort mit einem Bruch der Augenhöhle sowie des Nasen- und Jochbeins, und einer Kieferverletzung ins Luisenhospital. In den nächsten Tagen muss er operiert werden, das Fußballjahr ist für ihn gelaufen.

Die Sieger feierten den Erfolg gedämpft. „Wir wollten ehrliche Arbeit abliefern, das ist uns gelungen“, fand Dominik Ernst. Das Team mit mehr Laufkilometern, mit den besseren Zweikampfwerten setzte sich durch. Der Trainer freute sich kurz über den „grundehrlichen Auftritt“, Anlass für Euphorie gab der Sieg dennoch nicht. „Wir müssen so gierig bleiben, von alleine geht nichts für uns.“

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