Aachen - Alemannia einigt sich mit Kraemer auf Vergleich

Alemannia einigt sich mit Kraemer auf Vergleich

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Frithjof Kraemer - Foto: Michael Jaspers
Mit Aachen haftungsrechtlich auseinander: Ex-Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Auftakt war ziemlich lautstark. „Sie haben den Verein vor die Wand gefahren. Entweder waren Sie unfähig oder unredlich. Sie müssen sich schämen“, bollerte der Aachener Anwalt Johannes Delheid Alemannias ehemaligem Geschäftsführer Frithjof Kraemer vor Gericht entgegen.

Kraemer klagte vor der Kammer für Handelssachen am Aachener Landgericht, wollte 250.000 Euro erstreiten. Im Gegenzug hatte der Klub den Schaden, den der Geschäftsführer verursacht haben soll, auf satte 20 Millionen Euro taxiert.

Das war der Auftakt, dann wurde es immer stiller um das Verfahren, das immer wieder verschoben wurde. Lautlos haben sich die Parteien inzwischen außergerichtlich geeinigt und das Verfahren beendet. „Wir haben einen Vergleich abgeschlossen und alle Streitigkeiten einvernehmlich und endgültig beigelegt. Alle wechselseitigen Ansprüche sind geregelt“, sagt Delheid, der ansonsten eher zugeknöpft ist.

Der Vergleich ist mit Hilfe der obligatorischen Haftpflichtversicherung zustande gekommen. Nicht nur die Causa Kraemer ist mit dem Vergleich abgeschlossen. Geregelt wurden auch mögliche Ansprüche gegenüber anderen ehemaligen Funktionären, die über die Versicherung abgesichert waren.

Die Höhe des Vergleichs bleibt unter Verschluss. „Wir haben Stillschweigen vereinbart“, sagt Delheid. Kolportiert wurde in der Vergangenheit, dass die Versicherung bei zwei Millionen Euro gedeckelt sei.

Delheid ist inzwischen für die Zweckgesellschaft unterwegs, die nach der Insolvenzzeit Alemannias gegründet wurde. Von dem Vergleich profitieren entsprechend die Gläubiger, nicht die GmbH mit den Profifußballern. Der Alt-Verein Alemannia ist wenigstens ein bisschen Nutznießer der außergerichtlichen Einigung. Der gemeinnützige TSV erhält nach Informationen unserer Zeitung die 50.000 Euro zurück, die vor Jahren an ihn gespendet wurden, die die Verantwortlichen damals aber an die GmbH weitergereicht haben.

Haftungsrechtlich ist die Vergangenheit aufgearbeitet, bleibt noch die strafrechtliche Komponente. Seit fast zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen „Kraemer und andere“ wegen des „Verdachts der Insolvenzverschleppung, Betrugs und der Untreue“, nachdem die Stadt Aachen Anzeige gestellt hatte. Die Kommune hat den Verdacht, dass vor drei Jahren, als der Stadtrat der Umfinanzierung der Tivoli-Kredite zustimmte, die Insolvenz bereits feststand. Auch der Insolvenzverwalter hatte später festgehalten, dass der Verein damals längst faktisch zahlungsunfähig gewesen sei.

Die Ermittlungen in Köln laufen sehr zäh, 25.000 Aktenseiten mussten studiert werden, bis in den letzten Tagen hat es immer noch Befragungen gegeben. Ermittelt wird gegen Kraemer und seine ehemaligen Geschäftsführer-Kollegen Uwe Scherr und Erik Meijer. Das Verfahren ist auf weitere drei Beschuldigte ausgedehnt worden, sagt Staatsanwalt René Seppi, mit der Tendenz „Richtung Einstellung“.

Nach fast zwei Jahren will die Behörde zeitnah entscheiden, ob es zu einer Anklage kommt. „Die Ermittlungen können im nächsten Monat abgeschlossen werden“, sagt Staatsanwalt Seppi. Kraemer war bis Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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