Aachen - Alemannia: Ein Wiedersehen vor Gericht

Alemannia: Ein Wiedersehen vor Gericht

Von: Christoph Pauli
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Zieht vor Gericht: Frithjof Kraemer.

Aachen. Vielleicht wird sich Frith­jof Kraemer am Freitag vor Ort in Aachen mal erkundigen, wie es mit seinem früheren Verein weitergegangen ist nach seiner fristlosen Kündigung Mitte November. Alemannia Aachens ehemaliger Geschäftsführer lebt inzwischen am Tegernsee, am Freitag klagt er bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht auf Wiedereinstellung.

Inwieweit Kraemer den wohl einzigartigen Niedergang des Vereins noch verfolgt, ist ungeklärt. Die Entwicklung lässt sich mit einem Adjektiv annähernd beschreiben: katastrophal. Die Erste Mannschaft wird in ein paar Wochen nicht mehr im Profi-Fußball zu Hause sein, die U 19 ist aus der besten Spielklasse abgestiegen. Für die Stadion-Gesellschaft ist die Insolvenz bereits eröffnet, bei der Sport-GmbH ist das eine Frage von Tagen. Und dem Stammverein droht ebenfalls höchst akut die Zahlungsunfähigkeit.

Der Verein hat keinen Aufsichtsratsvorsitzenden, keinen Präsidenten, eine Fan-Gruppierung ist abgetaucht. Die Stadionmiete kann der Klub nicht annähernd aufbringen. Die Stadt Aachen fühlt sich getäuscht von den Vereinsvertretern und hat ihre Notfallmaßnahmen erst einmal auf ein Jahr beschränkt. Das Profiteam wird sich auflösen wie eine Brausetablette im Wasserglas. Im Nachwuchsleistungszentrum wird kein Trainer mehr hauptberuflich unterwegs sein. Die Zukunft von Manager und Chefcoach ist ungeklärt. Den Ton geben zwei Juristen als Sanierer im Verein an.

Zu diesem taumelnden Klub will Kraemer zurückkehren. Es ist natürlich nur ein formaler Akt, sich gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Kündigung zu wehren und noch eine Abfindung zu erhalten. In Kraemer sehen viele Beteiligte einen der vielen Totengräber dieses Klubs. Die Stadt Aachen hat ihn wegen Betrugs angezeigt, die Ermittlungen laufen bei der Staatsanwaltschaft Köln, neue Erkenntnisse gibt es nicht, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Die Spezialisten lesen sich ein, Vernehmungen gab es noch nicht. Ob sich strafrechtliche Aspekte ergeben, steht in den Sternen.

Vor der Aachener Strafkammer geht es am Freitag nur um die fristlose Kündigung vom 31. Oktober vergangenen Jahres, obwohl Kraemers Ende 2012 auslaufender Vertrag erst Ende September auf Bitten von Alemannia-Aufsichtsratschef Meino Heyen verlängert worden war. Heyen hatte ihm permanent öffentlich vorzügliche Zeugnisse ausgestellt. Er hatte seine Bereitschaft, sich im Verein weiter zu engagieren, sogar abhängig von dieser Personalie gemacht. „Ich stehe komplett hinter seiner Arbeit”, sagte Heyen.

Das Verhältnis zwischen Heyen und Kraemer ist eines der vielen Rätsel in der Vergangenheit. Beide schätzten sich, eine kritische Aufsicht war kaum zu erkennen. Zu der fühlte sich der streitbare Aufsichtsrat Horst Rambau berufen, der bei den Sitzungen regelmäßig die Kompetenz Kraemers in Frage stellte. Mitte 2012 wurde Rambau quasi unehrenhaft vom Präsidium rausgeworfen.

Der satzungsgemäße Weg über den Verwaltungsrat war vorher gescheitert. Eine Liste von Versäumnissen und Verfehlungen begründete den Platzverweis. Auch Rambau klagt gegen den Rauswurf. Der Verhandlungstermin war ebenfalls für Freitag vorgesehen, wurde aufgrund von Terminschwierigkeiten verschoben.

Mit seiner Kritik an Kraemer war Rambau nicht allein im Kontrollgremium, das dokumentieren die Protokolle, die Heyen immer selbst anfertigte. Michael Nobis und ab einem späteren Zeitpunkt auch Helmut Kutsch versuchten wochenlang erfolglos, entsprechende Bilanzen und Auskünfte zu bekommen. Konsequenzen solcher „Geheimniskraemerei“ gab es nicht.

Heyen stellte sich stets schützend vor seinen wichtigsten Mitarbeiter; selbst als er und Kraemer im Vorjahr – nach der Vertragsverlängerung und vor dem Rauswurf des Managers – ihren Rückzug zum Frühjahr beziehungsweise Saisonende bekanntgaben. Kraemer sah eine gute Perspektive. „Mein Ziel war es immer, meinem Nachfolger einen Klub zu übergeben, der für die Zukunft gut aufgestellt ist. An diesem Punkt sind wir nun.“

Einen Monat nach seiner Vertragsverlängerung wurde Kraemer, der vorher mehrfach seinen Rückzug angeboten hat, rausgeworfen. Fristlose Kündigung. Heyen rief ihm hinterher: „Wir bedanken uns bei ihm für seine Arbeit in den letzten Jahren.” Die Sanierer, die in den Verein eingezogen sind, hatten einen anderen Eindruck vermittelt. Sie sprachen von enorm „kreativer Buchführung“, deuteten grobe Managementfehler von Kraemer an.

„Wenn ich nach einer Ursachenanalyse eine saubere Planung mache und die notwendigen Maßnahmen nicht umsetze, wird es schwierig“, analysierte Kraemers Interims-Nachfolger Michael Mönig. Darüber wird am Freitag am Gericht gesprochen, wenn es um die Feststellungsklage geht. Die Kammer hat Sicherheitsvorkehrungen treffen lassen.

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