Alemannia: Der lang ersehnte Ausweg aus der Geld-Misere?

Von: Christoph Pauli
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Aachen. Der Durchbruch ist noch nicht geschafft, aber er zeichnet sich ab und nicht nur am fernen Horizont. Bislang muss Alemannia Aachen 5,5 Millionen Euro für sein neues Stadion im Jahr aufbringen, so viel wie kein anderer Profiverein.

Keine Frage, dass der Verein sich bei dem Projekt verhoben hat. „Aus heutiger Sicht war die Neubau-Finanzierung zu ambitioniert, waren die Einnahmen zu hoch prognostiziert, aber 2006 war die letzte Chance, den alten Tivoli zu verlassen”, erinnert Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Zudem wurde der Klub damals von sinkenden TV-Erträgen (minus zwei Millionen Euro) böse überrascht.

Geburtsfehler mit Aussicht auf Heilung

Der Geburtsfehler des Neubaus scheint nun heilbar, seit Monaten ist der Klub mit einem Konzept (liegt der Redaktion vor) unterwegs, das der renommierte Unternehmensberater Jörg Zumbaum ausgearbeitet hat. Der Dürener Rechtsanwalt kommt zu dem Urteil: „Die Alemannia GmbH ist sanierungsfähig, da die dem Konzept beigefügte integrierte Planung ein positives Reinvermögen und künftige Liquiditätsüberschüsse ausweist.”

Nach monatelanger Vorbereitung und vielen Verhandlungen spricht Zumbaum davon, dass das Konzept sich kurzfristig realisieren lasse. Die ersten Hürden sind bereits genommen. Im Finanzministerium des Landes hat Kraemer erreicht, dass die Bürgschaft nicht schon nach 15 sondern erst nach 23 Jahren getilgt werden muss. Mit der Streckung würde der Verein jährlich 500.000 Euro einsparen. Das bürgschaftsgebende Land NRW hat die Zusage unter einem Vorbehalt gestellt. Alemannias Gesellschaft muss kurzfristige, hoch verzinste Darlehen bei drei Geldgebern in Höhe von etwa 8 Millionen Euro ablösen. Alemannia ist angehalten, die Gelder langfristiger (15 Jahre), dann aber mit einer geringeren Verzinsung aufzunehmen. So läuft die Suche nach einem Kreditinstitut, das Alemannia aus der Strangulierung hilft. Die UFA Sports GmbH, Alemannias neuer überregionaler Vermarktungspartner, sichert der Bank zumindest in den ersten fünf Jahren den Kredit ab.

Eine Streckung des Darlehens hat Alemannia schon mit dem größten Geldgeber. der Aachen- Münchner, ebenfalls zu verbesserten Konditionen, erreicht.

Den Sport wieder stärken

Findet Alemannia tatsächlich einen Geldgeber, könnte das enge Korsett endlich abgestreift werden, der Verein würde seine jährlichen Verbindlichkeiten um etwa 1,6 Millionen Euro senken, hätte Luft zum Atmen. „Wir könnten den Sport wieder stärken”, sagt Kraemer. In der Abteilung von Manager Erik Meijer wurden die Budgets in den letzten drei Jahren munter zusammengestrichen. Für Geschäftsführer Kraemer ist das Konzept „nachhaltig und überzeugend”.

In den letzten Tagen stellte der Verein es der Stadt und den Fraktionen vor, die im letzten Frühjahr den Verein mit einer Bürgschaft retteten. Die Beteiligten nahmen es wohlwollend zur Kenntnis, der Klub hätte eine deutlich bessere Perspektive, sich unter den ersten 25 Profi-Teams zu etablieren.

Weitere Voraussetzung; Die Deckelung des Etats bei sieben Millionen, von der Stadt im letzten Jahr verankert, müsste aufgehoben werden. „Das ist für alle Beteiligten klar, dass wir in einer verbesserten finanziellen Situation diesen Rahmen aufheben müssen”, meint Kraemer.

Der Verein würde nicht die kompletten Ersparnisse sofort für den Sport verwenden, der Verein will unabhängiger vom Erfolg seiner kickenden Belegschaft werden, will Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden, um langfristig auch unabhängiger von der öffentlichen Hand zu werden. „Es ist ein nachhaltiges Gesamtkonzept, das die Unabhängigkeit und Zukunft von Alemannia als den wichtigsten Werbeträger der Stadt Aachen neben dem Karlspreis und dem CHIO sicherstellen kann”, schreibt Zumbaum. „Ohne die Umsetzung dieses Konzeptes wird es immer wieder für Alemannia Notlagen geben, das muss vermieden werden.”

Deswegen erfolge die Sanierung nicht nur im Interesse des Klubs, sondern „auch im Interesse aller betroffenen und privaten Institutionen”. Der unabhängige Gutachter mahnt zur Eile. Die Vereinbarung sollte noch vor dem Saisonstart besiegelt werden, könnte sich in dem Fall bereits im laufenden Kader niederschlagen.
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