Alemannia: Der „Kleinkunstpreis des Tages“ geht an Dogan

Von: Christoph Pauli
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Die SSVg Velbert und Alemannia Aachen trennten sich am Samstag 2:2. Foto: Jérôme Gras Foto: Jerome Gras
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Die SSVg Velbert und Alemannia Aachen trennten sich am Samstag 2:2. Foto: Jérôme Gras

Velbert. Auf dem Weg in die Kabine schaute der Gegenspieler noch mal bei Rafael Garcia vorbei. Im Spiel hatte er häufig nur die Rücklichter des schnellen Angreifers gesehen, jetzt stellte er ihn, um die eine Frage zu stellen: „Warum ziehst du hier durch und machst zwei Tore? Wir brauchten die Punkte viel dringender.“

Viel mehr Lob kann man auch als zweifacher Torschütze kaum ergattern. Alemannia spielt 2:2 bei der Sport- und Spielvereinigung Velbert. Die Mannschaft spielt die Saison seriös zu Ende, der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung kann nicht aufkommen. Aber souverän war die Vorstellung nicht annährend, der Punktgewinn beim Tabellenletzten war ohne Zweifel schmeichelhaft. „Wir müssen hochzufrieden sein“, räumte dann auch Peter Schubert ein, als die Wasserschlacht geschlagen war.

Alemannias Trainer hatte ein bisschen umgestellt nach der Partie am Montag, Sasa Strujic, Tim Lünenbach und Florian Abel ergatterten einen Platz in der Startformation. Außer Dauerregen hatte die Partie zunächst kaum etwas zu bieten. Es goss wie aus Hochdruckrohren der Feuerwehr, so dass schwierige Querfeldeinbedingungen entstanden.

Dann entschied sich Jeffrey Tumanan für einen ersten Torschuss aus 20 Metern, Hackenberg fälschte ab, und der Außenseiter führte 1:0 nach 18 Minuten. Und auch der zweite Schuss aufs Tor war ein Treffer. Hüzeyfe Dogan sicherte sich den „Kleinkunstpreis des Tages“.

Der Türke hatte gesehen, dass Frederic Löhe zu weit vor seinem Tor stand und überwand Aachens Keeper von der Mittellinie aus zum 2:0. Dogan ist eine „Wiederholungstäter“, einen ähnlichen Treffer hat er in dieser Spielzeit bereits gegen Viktoria Köln erzielt. „Macht er überragend“, lobte Löhe seinen Bezwinger.

Der Torwart war war vorher minutenlang am Knöchel nach einem bösen Tritt von Marvin Mülhause behandelt worden. „In so einer Situation lasse ich mich nicht auswechseln“, gab der humpelnde Keeper später zu Protokoll.

20 Minuten waren gespielt, und die aggressiven Hausherren lagen sicher in Führung. „Daran haben wir einige Minuten zu knapsen gehabt“, beobachtete Peter Schubert. Die Mannschaft schüttelte sich – und organisierte den Widerstand. „Wir wollen uns nichts nachsagen lassen“, sagte Rafael Garcia. Aachens Angreifer löste das Versprechen überzeugend ein.

Der Spanier umkurvte vier Abwehrspieler und schob mühelos zum 2:1 ein (30.). Die Gäste setzten nach. Marquet, der jedes Kopfballduell gewann, schob nach einem schnellen Angriff aus zwölf Metern knapp vorbei (32.). Es war noch nicht das letzte Wort vor 522 frierenden Zuschauern. Die Velberter ließen sich mit einem Einwurf übertölpeln, der quirlige Abel legte für Garcia auf, der mühelos das 2:2 erzielte (42.). Die Gäste hätten die Partie auf dem seifigen Untergrund komplett drehen können. Abel (43./59.) und Lejan (48.) scheiterten knapp mit Fernschüssen.


Velbert erhöhte die Schlagzahl. „Die wollten den Sieg um jeden Preis“, beobachtete Garcia, der später mit Bauchschmerzen ausgewechselt wurde. Das Schlusslicht ging auf Torejagd, primär über die linke Seite, wo Kris Thackray 90 harte Minuten lang nur die Hacken von Tumaman sah. Der Ex-Aachener Denis Pozder vergeigte zwei Mal im Fünfmeterraum (63./88.), dann köpfte Papas nur auf das Netz (86.), und zur Krönung scheiterte Tumaman aus vier Metern am starken Löhe (89.).

„Die Dinger kannst du nicht trainieren, die musst du einfach machen“, stöhnte Velberts Trainer Lars Leese auf, der wie ein begossener Pudel in die Kabine ging. Die Lage spitzt sich enorm zu. „Wir lassen zwei Punkte liegen, alleine in der zweiten Halbzeit lassen wir vier Hundertprozentige aus.“

Es hätte sogar noch ärger kommen können. Die Aachener hatten ihre Freiräume, aber sie schluderten im Spielaufbau, nur noch ein Angriff wurde vernünftig zu Ende gespielt. Der eingewechselte Sangare bekam kurz vor Schluss freistehend nur ein harmloses Schüsschen aus 14 Metern hin.

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