Alemannia: Der junge Kader ist Chance und Risiko zugleich

Von: Christoph Pauli
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Fuat Kilic
Am Standort Tivoli hat Fuat Kilic eine temperamentvolle Horde zusammengestellt, die zudem noch preiswert sein musste. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Zu den vielen offenen Fragen, die die neu formierte Mannschaft in den nächsten Monaten beantworten wird, gehört auch die: Wer schiebt die Gruppe an, wenn der Gegenwind nach ein paar Niederlagen in Serie stärker wird?

Alemannia 2017/18 kommt wilder, jünger und wohl auch schneller daher, dafür ist viel Erfahrung von Bord gegangen. Die Mannschaft muss ohne Routiniers auskommen, die sich alle anderen Vereinen mit größeren Portemonnaies angeschlossen oder wie Timo Staffeldt die Profikarriere beendet haben. Für die letzte Planstelle im Kader wird folgerichtig in der Ausschreibung nicht nur ein starker linker Fuß, sondern auch eine entsprechende Erfahrung gefordert. Seit Montagmorgen bewirbt sich Nicolai Lorenzoni, ehemals SC Freiburg, um die vakante Position des linken Verteidigers.

Am Standort Tivoli hat Fuat Kilic eine temperamentvolle Horde zusammengestellt, die zudem noch preiswert sein musste. Der Kaderplaner hat fast nur Spieler geholt, die an der Kinokasse noch nach dem Ausweis gefragt werden. Das ist Chance und Risiko zugleich, das weiß auch der 44-Jährige, der noch nicht absehen kann, wie stressstabil dieses Team sein wird.

In dieser Woche fallen ein paar interne Entscheidungen. Kilic wird den Mannschaftsrat wählen lassen, den Kapitän und seine Vertreter bestimmt er. Es sind seine wichtigsten Ansprechpartner in den nächsten Monaten. Die Gedanken des Trainers waren leicht zu erraten in den ersten Wochen der Vorbereitung. Er setzt auf die Defensive. Nils Winter wird mit großer Sicherheit der Kapitän der neu formierten Mannschaft. Seine Vertreter sind Tobias Mohr, der schon elf Jahre im Klub ist, und Maurice Pluntke, der erst im Winter zu der Mannschaft stieß, nachdem Abwehrchef Tobias Haitz nach Lotte gewechselt war.

„Die Spieler, die schon in der letzten Saison beim Verein waren, übernehmen mehr Verantwortung“, sagt Daniel Hammel. Spieler wie er, oder auch Mohr, Pluntke, David Pütz, Maik Kühnel sind auf dem Sprung zum Stammspieler. Das Attribut hat sich Winter am Tivoli erarbeitet. Bereits in der letzten Saison war er Leistungsträger, obwohl er im Spielbetrieb die Umschulung zum linken Verteidiger meistern musste. Winter, der einer der letzten Spieler der Ära des ehemaligen Sportdirektors Alexander Klitzpera ist, fehlte nie verletzt oder gesperrt.

Auf Strecke war er wohl der konstanteste Spieler in der abgelaufenen Saison. Es fehlt noch das erste Tor für Alemannia, aber in erster Linie ist es sein Kerngeschäft, Tore zu verhindern. Der Linksrechtsverteidiger war bereits in der letzten Saison im Mannschaftsrat. Sein Wort bekommt noch mehr Gewicht. „Es wäre mir eine große Ehre, wenn ich das Amt übernehmen könnte“, sagt er. Und dass er bereit sei, Verantwortung auf und neben dem Platz zu schultern.

Winter ist erst 23 Jahre, auch wenn sein Spiel schon viel abgeklärter wirkt. In der Rasselbande ist er schon der Fünftälteste, was einiges aussagt über die Kaderzusammensetzung. Schon in der Vorbereitungszeit trug Winter regelmäßig die Kapitänsbinde. „Er macht das gut“, sagt Daniel Hammel, 24. „Immer nur Spaß haben, funktioniert aber auch nicht“, sagt Hammel. „Es muss auch Spieler geben, die mal auf die Spaßbremse treten, wenn es ernst wird.“ Hammel findet, dass der designierte Kapitän ernster geworden sei in den letzten Wochen. „Er hat sich verändert.“

Wie denn so ein Kapitän inthronisiert wird, weiß Winter nicht. Er war noch nie erkennbarer Anführer einer Mannschaft. Vielleicht muss er singen, wenn der Trainer ihn im Amt bestätigt. Für so einen Spaß wäre Winter dann wieder zu haben. „Warum nicht, das würde ich sogar gerne machen.“

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