Alemannia: Der Chefsessel bleibt noch unbesetzt

Von: Christoph Pauli
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Krisengipfel am Tivoli: Aktuell fehlen bis zum Saisonende 563.000 Euro - und ein Geschäftsführer. Amtsinhaber Michael Mönig (rechts) erklärte sich bis auf weiteres bereit, die Aufgaben wahrzunehmen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Tagesordnungspunkt 1 sah die Aussprache vor. Knapp zwei Dutzend Männer trafen sich am Mittwochabend am Tivoli, um die Weichen für Alemannias Zukunft zu stellen. Die Insolvenz soll in wenigen Tagen beendet sein, aber noch sind keine Konturen am Spielfeldrand zu erkennen, wie der Fußball-Regionalligist weitergeführt wird.

Immerhin: Der städtische Personal-Dezernent Lothar Barth, zugleich Geschäftsführer der Aachener Stadion Beteiligungs GmbH, machte eine „Aufbruchstimmung“ nach dem gut zweistündigen Krisengespräch aus.

Neben dem städtischen Vertreter und einem Mitglied des Gläubigerausschusses nahmen an der Männerrunde Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, Interimsgeschäftsführer Michael Mönig ebenso teil wie die Verwaltungsräte Heinz Maubach und Horst Reimig, das Restpräsidium Oliver Laven, Stefan Grießer und Christoph Terbrack, die mit ihrem juristischen Beistand Edgar Stein gekommen waren. Aus der Wirtschaft saßen der Spediteur Tim Hammer, Thomas Deutz (Creutz & Partners), Olaf Heinrich (DocMorris) und Dieter Rehfeld (Regio IT) mit am Tisch wie auch die Vertreter von Vermarkter Infront.

Die Situation ist ein bisschen schwierig kurz vor dem absehbaren Ende der Insolvenzzeit. Mönning und Mönig betonten noch einmal das rekordverdächtige Tempo des Verfahrens. „Jetzt wird man sehen, ob die Ankündigungen dem Verein zu helfen, wenn die Insolvenz beendet ist, auch eingelöst werden“, sagt Mönning.

Die Juristen sehen ihre Hausaufgaben als gemacht an, weil sie ihre Kostenplanung eingehalten haben. Die Re-Organisation des Vereins sei nicht die Aufgabe des Insolvenzverwalters, führte Mönning aus. Die Bestellung eines Geschäftsführer und die Besetzung der Gremien obliege den Funktionären. Und da seien die Hausaufgaben noch nicht gemacht worden.

Auf der anderen Seite sitzen Männer, die sich wundern, dass am Ende des Verfahrens, der Verein zwar schuldenfrei, der Etat aber nicht bis zum Ende der Saison durchfinanziert sei. Zuletzt hatte Controller Markus Oshege die Lücke intern auf 770.000 Euro beziffert. Die Erwartungshaltung, dass nach der Entschuldung noch ein Liquiditätsüberschuss zur Verfügung stehe, sei schlicht weg nicht zu bedienen.

Am Mittwoch lag die Deckungslücke tagesaktuell bei „nur“ 563.000 Euro. „Dies sei, so hieß es aus der Runde, eine nicht wirklich besorgniserregende Zahl“, teilte Barth nach der Konferenz mit. Man sei zuversichtlich, die Saison mit einer schwarzen Null abzuschließen. Sein Chef, Marcel Philipp, relativierte am Abend die Einschätzung.

„Natürlich ist jede Zahl, die geringer ist als die 770.000 Euro besser, aber wir sind noch lange nicht über den Berg“, urteilte Aachens Oberbürgermeister. Und machte deutlich, dass es auf keinen Fall eine städtische Hilfe zum Etat-Ausgleich geben werde. „Ohnehin ist es erstaunlich, dass es am Ende des Verfahrens so eine große Lücke entstanden ist“, wunderte sich Marcel Philipp.

Er könnte die Bauchschmerzen möglicher Interessenten verstehen, die lieber „in die Zukunft investieren möchten, aber stattdessen noch bei der Vergangenheitsbewältigung sind“.

Verwundert auf die Stellungnahme von Barth reagierte auch Helmut Ludwig, Geschäftsführer der Grünen Fraktion in Aachen. „Die Sicherung des laufenden Spielbetriebs ist definitiv keine städtische Aufgabe.“

Konkret vereinbart wurden an diesem Tag, dass zwei Kommissionen gegründet werden, die sofort ihre Arbeit aufnehmen. Eine Gruppe kümmert sich um die Finanzplanung bis zum Saisonende, die andere um die Besetzung des Geschäftsführers. Amtsinhaber Michael Mönig erklärte sich bis auf weiteres bereit, die Aufgaben wahrzunehmen.

Der letzte Tagesordnungspunkt sah vor, dass sich mögliche Interessenten für Verwaltungsrat und Präsidium in eine Liste eintragen sollten. Die Blätter blieben schneeweiß an diesem Nachmittag.

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