5649030.jpg

Alemannia: Der brüchige Burgfrieden in Aachen

Ein Kommentar von Christoph Pauli

Sollte jemand am Ende des Jahres das Drehbuch für die „desolateste Präsentation seiner Leitenden Angestellten“ auszeichnen wollen, an Alemannia und Uwe Scherr käme er nicht vorbei. Öffentlich hat der Manager das „fehlende Vertrauen“ zu Peter Schubert und Reiner Plaßhenrich beklagt, als hätten die beiden Trainer eine einseitige Bringschuld nicht eingelöst.

Eine Trainer-Absage später wird nun eiligst ein brüchiger Burgfrieden mit allen Beteiligten geschlossen. Das ist das Fundament, auf dem der nächste Neubau des Vereins stehen soll. Dabei hat die interne Lösung, die schon vor Wochen möglich war, nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick durchaus Charme.

Es ist ein Bekenntnis zum Stallgeruch, ein Ansatz, den Verein wieder von unten aufzubauen. Nur wurden die neuen Trainer vom eigenen Vorgesetzten im Vorfeld schon beschädigt, gelten nun als Notlösung. Die Umstände der Inthronisierung – man muss es so sagen – sind viertklassig, was die beiden Trainer nicht ansatzweise zu verantworten haben.

Es ist nicht die einzige „Panne“ von Scherr in diesen Tagen, von dessen oft gerühmtem Netzwerk gerade nicht einmal Maschen zu sehen sind. Zuletzt hagelte es nach einem Interview Dementis. (Ex-)Trainer René van Eck fand Scherrs Schilderung des finalen Gehaltsgesprächs schlicht „unverschämt“. Torsten Frings dementierte umgehend, in der Regionalliga wieder am Tivoli spielen zu wollen. Kristoffer Andersen wusste bis dahin nichts von einem vermeintlichen „Angebot an der Schmerzgrenze“. Und Thomas Stehle erfuhr im Urlaub, dass er als Jugendtrainer vorgesehen ist, was er nie werden wollte.

Für Scherr spricht nur, dass er gerade einmal da ist. Auch an fußballerischem Sachverstand wird beim insolventen Klub gespart. Scherr ist die letzte und einzige Instanz, um sportlich Weichen zu stellen. Die Sanierer sehen in Scherr den neuen starken Mann, den alleinigen Geschäftsführer des Vereins. Es gibt Drehbücher, die man nur Alemannia Aachen andrehen kann.

c.pauli@zeitungsverlag-aachen.de

Leserkommentare

Leserkommentare (9)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert