Alemannia: „Das hat jetzt auch was mit Stolz zu tun”

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
Kämpferisch: Alemannias Chefc
Kämpferisch: Alemannias Chefcoach René van Eck. Foto: imago/Eibner

Aachen. Nach dem Abschlusstraining versammelte der Chefcoach die Mannschaft um sich und ergriff aus aktuellem Anlass noch einmal das Wort. „Ich verlange eine Top-Einstellung, sonst greife ich ein. Das hat jetzt auch was mit Stolz zu tun. Und wer da nicht mitmacht, den nehme ich sofort raus.”

René van Eck ist ein Kämpfertyp, nicht nur äußerlich, und als Fußballtrainer wohl gefordert wie noch nie in seiner Karriere. Am Morgen hatte die Mannschaft in der Kabine die Hiobsbotschaft der Zahlungsunfähigkeit auch offiziell erfahren, „natürlich war das ein Schock”, sagt van Eck.

Zum ersten Mal treten die Profis von Alemannia Aachen heute (14.00 Uhr) bei der „Zweiten” des VfB Stuttgart mit dem Wissen an: Sie könnten noch das ganze Feld der Dritten Liga aufrollen, es wäre für die Katz. Thomas Stehle, im neunten Jahr am Tivoli und damit Dienstältester: „So etwas habe ich in meinen übelsten Träumen nicht geträumt.”

Auch Albert Streit, der wegen Sperre im ersten Spiel nach dem GAU fehlt, war fassungslos. „Ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt. Ich kann mir keinen Reim darauf machen, wie fast aus dem Nichts und in so kurzer Zeit so etwas Unglaubliches passiert”, sagte der Kapitän.

Dabei ginge es ihm nicht um seine persönliche Zukunft. „Um mich muss sich keiner sorgen. Meine Gedanken sind bei den Mitarbeitern und Angestellten, die jeden Cent brauchen, bei den Physios und Zeugwarten, ich habe in ihre Gesichter geschaut. Da fehlten mir die Worte.”

Vor sechs Jahren noch hatte Streit mit Eintracht Frankfurt gegen Alemannia um den Klassenerhalt in der Bundesliga gespielt; dass es nun „so endet, konnte ich mir nicht mal in einem Alptraum vorstellen”. Gerüchte, nach denen er in der Winterpause ohnehin zu Regionalliga-Spitzenreiter Viktoria Köln wechseln würde, wies Streit zurück. „Ich mache mir keinen Kopf um andere Vereine. Wenn es geht, will ich die Saison in Aachen zu Ende spielen.”

Die nächsten Tage und Wochen bis zur Öffnung des zweiten Transferfensters im Januar werden zeigen, wie viel von Alemannias Kader übrig bleibt. Thomas Stehle: „Ich wollte hier meine Karriere beenden - wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht.” Albert Streit glaubt „nicht, dass andere Vereine Schlange stehen werden für Spieler von Alemannia - nach dem Saisonverlauf”.

Manager Uwe Scherr jedenfalls - „Stand jetzt” - möchte weitermachen an der Krefelder Straße. Und auch René van Eck sagt: „Ich fühle mich hier wohl. Ich würde gerne bleiben.” Auch wenn er sich schon die Frage gestellt habe: „Was bin ich da für ein Abenteuer eingegangen? Aber ich habe mich voller Bewusstsein für Alemannia entschieden. Das Wichtigste ist, dass der Verein bestehen bleibt.”

Eine Frage des Stolzes: Wie reagiert die Mannschaft heute? „Wir wollen die Saison ordentlich zu Ende spielen”, sagt van Eck und empfiehlt gerade denjenigen, „die weg wollen”, sich ins Zeug zu legen. „Angebote kommen nur, wenn du Leistung bringst.”

Seyi Olajengbesi und Florian Müller, die wegen leichter Blessuren diese Woche im Training kürzertreten mussten, traten am Freitag die Fahrt nach Stuttgart mit an. Der für den Kader vorgesehene Sven Schaffrath aus der U 23 musste passen (Leiste); U 19-Kapitän Armand Drevina erhielt dafür einen Platz im Aufgebot.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert