Alemannia-Coach Kilic: „Wir müssen unangenehmer und frecher werden“

Von: Christoph Pauli
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Weiß genau, wo die Reise hingehen soll: Aachens Coach Fuat Kilic. Foto: imago/foto2press

Aachen. Ein erstes komplettes Jahr am Tivoli liegt hinter ihm. Fuat Kilic ist immer noch Trainer bei Fußball-Regionalligist Alemannia Aachen. „Und es gab keinen Tag, an dem ich nicht gerne nach Aachen gefahren bin“, sagt der 43-Jährige trotz der notwendigen Anreise über die stauträchtige A4. Kilic sagt, er spüre das Vertrauen der Verantwortlichen, „das nicht zu enttäuschen, ist meine Triebfeder“.

Reden wir zunächst mit dem Trainer Kilic: Auf welchem Feld hat sich das Team in der Hinrunde entwickelt?

Kilic: Die Vorbereitung war gut, wir sind gut in die Saison gestartet. Uns haben wieder einmal die U 23-Mannschaften das Genick gebrochen. Wir haben gegen Schalke, Dortmund und Gladbach verloren. Gladbach hat uns mit einer imponierenden Offensivqualität zu Recht besiegt. In den anderen Spielen waren die Punktverluste überflüssig. Mit diesen Spielen hat sich schleichend die Verunsicherung ausgebreitet.

Es war zu beobachten, dass sich vor allem bei dem ein oder anderen Leistungsträger die Überzeugung abschwächte, dass wir ganz oben mithalten können. Ich bin davon überzeugt, dass wir nur bestehen können, wenn wir als Gruppe zusammenhalten, ansonsten fehlt uns die individuelle Qualität auf einigen Positionen, um an die Top-Teams heranzukommen. Generell bin ich mit der Einstellung der Mannschaft sehr zufrieden. Die Jungs sind leistungsbereit.

Sind die ersten 18 Spieltage im Rahmen Ihrer Erwartungen verlaufen?

Kilic: Wir haben viel zu wenig Tore geschossen, auch wenn das absehbar war. Als Trainer ist das die Aufgabenstellung: Wie bekomme ich eine defensive Stabilität hin und kreiere viele Chancen, die wir einfach brauchen, weil wir nicht so kaltschnäuzig sind?

Ist das das Dilemma der Hinrunde, dass neben der Konstanz besonders die Torgefahr fehlt?

Kilic: Definitiv. Wir arbeiten gut gegen den Ball, machen aber zu wenig aus unseren Möglichkeiten. Zum Ende hin ist dann noch das Problem dazugekommen, dass wir viele einfache Gegentore – zum Beispiel durch Freistöße – kassiert haben. Unterm Strich haben wir sechs bis neun Punkte verschenkt.

Sie haben Neuzugang Daniel Hammel hier angepriesen, warum ist er nie in Tritt gekommen?

Kilic: Ich will ihn nicht an den Pranger stellen. Wir haben ihn als Schlüsselspieler geholt, weil wir gravierende Sturmprobleme hatten. Anfangs bin ich davon ausgegangen, dass er eine gewisse Gewöhnungszeit braucht, seine Torquote in den letzten Jahren spricht ja für ihn. Zudem haben wir ihn auch noch als Mentalitätsspieler geholt. Aber er kommt nicht von der Stelle.

Irgendwann muss er liefern, das weiß er auch. Es reicht nicht, ab und an Leistung im Training anzubieten. Sein Kontrahent Philipp Gödde hat einen Schritt nach vorne gemacht, auch wenn ihm noch die Ruhe beim Abschluss fehlt. Wir haben häufig Florian Rüter nach vorne gezogen, Joy-Lance Mickels ist endlich fit und kann vorne spielen. So hat Daniel derzeit den Anschluss verloren.

Sie haben den Torwart gewechselt. Wie geht der Zweikampf zwischen Pascal Nagel und Philip Sprint nach der Winterpause weiter?

Kilic: Das ist eine knifflige Frage. Die Vorbereitung wird es weisen, zudem ist ihnen der junge Mark Depta auf den Fersen. Der ist mit in der Verlosung.

Was hat sie in den letzten Monaten überrascht?

Kilic: Ich war überrascht, dass der eine oder andere junge Spieler nicht den nächsten mentalen Schritt gemacht hat, um stabiler in seinen Leistungen zu werden. Zufriedenheit ist immer Stillstand. Das führte dazu, dass wir viele Wechsel vornehmen mussten, um Anreize zu schaffen und trotz des dichten Kaders den Konkurrenzkampf zu schüren. Generell sind wir als Mannschaft zu nett.

Wir müssen unangenehmer und frecher werden. Da brauchen wir eine andere Mentalität. Es kann nicht der Anspruch als Alemannia-Spieler sein, sein Sportlerleben in der Regionalliga zu verbringen. Wir möchten hier Spieler entwickeln, die die Überzeugung haben, dass sie höherklassig spielen können und wollen. Hier in Aachen bieten wir ihnen die Plattform dafür. Die Spieler müssen es mit Leben füllen und die nötige Überzeugung an den Tag legen.

Gibt es Positiv-Beispiele?

Kilic: Meik Kühnel war wochenlang außen vor, wir haben gesprochen. Er gehört zu den vielen Spielern, die etwas annehmen wollen. Nicht ohne Grund ist er inzwischen gesetzt und bekommt immer mehr Selbstvertrauen.

Mit dem Trainer steht eine Vertragsverlängerung an. Wie weit sind Sie in Ihren Gesprächen?

Kilic: Ich möchte mich für das Vertrauen bei den Gremien bedanken. Die ersten Gespräche waren respektvoll und vertraulich. Wir sind auf einem guten Weg. Aber ich kann kein Zeitfenster benennen. Wir sollten abwarten, bis wir die Rahmenbedingungen um die Mannschaft abgesteckt haben.

Wie lange halten Sie die Regionalliga noch aus?

Kilic: In dieser Form nicht mehr als zwei, drei Jahre. Bis dahin will ich etwas entwickeln, bevorzugt in Aachen. Ich will nach oben, dafür arbeite ich Tag und Nacht. Irgendwann wird bilanziert, wo ich stehe. Gelingt mir dieser Schritt nicht, dann ist auch eine Aufgabe im Jugendbereich, in einem Bundesliga-Nachwuchsleistungszentrum oder als Co-Trainer in höheren Ligen denkbar.

Reden wir mit dem Sportmanager: Sind personelle Wechsel in der Winterpause vorgesehen?

Kilic: Es gibt keine konkreten Ideen. Generell kann es immer sein, dass Spieler gehen wollen, wenn sie unzufrieden sind oder in höhere Klassen wechseln wollen. Wir können hier nur Profis gebrauchen, die sich völlig mit Alemannia identifizieren. Und natürlich mache ich mir auch Gedanken, ob die Zusammenarbeit sinnvoll und perspektivisch ist. Darüber gibt es dann einen vernünftigen Austausch.

In der Mannschaft laufen bis auf drei alle Verträge auf. Wie ist Ihr Fahrplan für die nächsten Wochen?

Kilic: In den nächsten Wochen werde ich erfahren, was jetzt schon machbar ist. Die Gespräche mit den Spielern werde ich dann nach und nach aufnehmen. Es geht in erster Linie darum, anhand der finanziellen Rahmenbedingungen das Bestmögliche auf die Beine zu stellen.

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