Alemannia-Coach Aussem: „Wir wollen Euphorie entfachen”

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Ronaldo auf dem Weg zu Alemann
Ronaldo auf dem Weg zu Alemannia? Das wird noch ein paar Tage dauern, kurzfristig nimmt das Team von Ralf Aussem (rechts) die 3. Liga in Angriff. Heute steht ein Testspiel gegen den 1. FC Köln an. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein paar Stunden durfte die Mannschaft durchschnaufen vor ihrer Saisonpremiere am Tivoli: Heute Abend um 19 Uhr stellt sich die „neue Alemannia” vor. Es ist ein „Absteigergipfel”. Mit Aachen und dem 1. FC Köln treffen zwei Teams aufeinander, die ausgezogen sind, die Scherben der letzten Monate wegzufegen.

Mit Aachens Cheftrainer Ralf Aussem sprach unser Redakteur Christoph Pauli nach der Rückkehr aus dem Trainingslager in Bitburg.

Sie haben Holzklasse statt Luxuswagon gewählt, waren in einer Sportschule statt in einem 4-Sterne-Sporthotel wie in den Vorjahren. Haben Sie darauf aus finanziellen Gründen verzichtet?

Aussem: Das war nicht das erste Motiv. Wir sind abgestiegen in die 3. Liga, fahren die ganze Geschichte gerade etwas herunter und wollen neu anfangen. Das wollen wir auch nach außen signalisieren. Da passt so ein Aufenthalt in einer solchen Herberge nicht. Für uns gilt „back to he roots” - hin zu den Anfängen. Die Bedingungen in Bitburg waren hervorragend, und wir waren erreichbar für die Fans. Und erstmals haben wir die Mitarbeiter an einem Abend eingeladen. Wir brauchen ein neues Wir-Gefühl.

Haben sich alle Spieler mit dem kargen Leben in einer Jugendherberge anfreunden können?

Aussem: Es gab nicht einen negativen Kommentar. Jeder wusste vor seiner Unterschrift, wie unser Weg aussehen wird.

Haben Sie schon ein Gefühl, wie diese Mannschaft tickt?

Aussem: Es ist ein sehr intaktes Team ohne Grüppchen und Einzelkämpfer. Man hat in den letzten neun Tagen gesehen, dass etwas zusammenwachsen kann. Ich bin fast erstaunt, wie schnell das gegangen ist. Ob sich das dann sportlich so wie gewünscht niederschlägt, ist eine andere Frage. Aber ich habe den Eindruck, dass jeder im Team die gleiche Idee hat. Alle im Boot rudern in die gleiche Richtung.

Mehrere Spieler, die den Klub gerade verlassen haben, haben in Interviews betont, dass das gerade in der Abstiegssaison nicht der Fall gewesen sei. Die Mannschaft sei ein zerstrittener Haufen gewesen.

Aussem: Ich habe nur den Einblick in die letzten sechs Wochen. Hätten wir noch zwei Wochen Zeit gehabt, hätten wir den Abstieg mit dem angeblich zerrütteten Haufen noch verhindert. Es ist immer die Frage, wie gehe ich mit den Spielern um, wie behandele ich sie - ohne jetzt Bezug auf andere Trainer nehmen zu wollen. Es war der eine oder andere Stinkstiefel oder Egomane im Kader. Daran sind wir gescheitert. Das ist für uns eine Lehre: Wer im Team nicht für uns ist, ist gegen uns. Das musst du als Trainer erkennen, aber das musst du auch als Mannschaft erkennen und selbst regulieren. Klingt etwas brutal, aber nur so geht es. Mein Eindruck ist, dass wir gute Charaktere zusammengeholt haben. Es gibt eine große Bereitschaft, etwas Neues zu gestalten. Das kann vielleicht ein Wettbewerbsvorteil sein.

Die Absteigermannschaft konnte in ihren Spielen nur selten zulegen, eine Heimstärke hat der neue Tivoli noch nicht erlebt. Sind das Aspekte, die bei der Kaderfindung eine Rolle gespielt haben?

Aussem: Wir haben in der Schlussphase der Saison gezeigt, was möglich ist. Wir wollen Euphorie entfachen. Das geht auch am neuen Tivoli. Dieses Ziel haben wir, der Gegner soll Respekt vor diesen Spielen bekommen. Dazu gehört Atmosphäre, dazu gehört der 12. Mann auf der Tribüne.

Sie sind gerade abgestiegen, aber beim ersten Training schauen mehr als 1000 Leute vorbei, der Dauerkartenverkauf verläuft nicht schlecht. Haben Sie mit diesem Vertrauensvorschuss gerechnet?

Aussem: Ich war selbst perplex beim ersten Training, die Resonanz bei den Test-Spielen war auch sehr gut. Wir bekommen einen Vertrauensvorschuss, mit dem wir sehr sorgfältig umgehen müssen. Wir wollen mit neuen Spielern einen neuen Weg gehen und Aufbruchstimmung erzeugen. Das ist unsere Aufgabe. Es muss der Eindruck entstehen, dass hier 95 Minuten Gas gegeben wird.

Zuletzt wirkte die Mannschaft in der Schlussphase der Spiele eher so, als wenn ihr der Sprit ausgehe.

Aussem: Man kann nur Gas geben, wenn noch was im Tank ist. Wir haben gerade sehr intensiv trainiert, um auch mal nach 75 Minuten nachlegen zu können. Wenn man nicht topfit ist, macht man Fehler und ist verletzungsanfälliger.

Können Sie Ihr Team schon seriös sportlich einschätzen?

Aussem: Ich bleibe zurückhaltend, die Mannschaft ist immer noch in der Findungsphase. Erst wenn die Saison läuft, wird die wahre Stärke erkennbar sein. Deswegen lehnen wir uns auch nicht aus dem Fenster und geben jetzt ein Ziel heraus. Wir werden sicherlich aufgrund des Kaders zu den Favoriten gezählt, aber wir bleiben bescheiden.

Nehmen Sie heute Rücksicht auf das Testspiel gegen den 1. FC Köln?

Aussem: Es wird ein normales Training am Morgen geben. Natürlich gucken wir schon intensiver hin, der Saisonstart naht ja. Aber auch das ist ein Testspiel, es gilt der übernächste Freitag in Bielefeld.

Alemannia-Talk mit fünf Gästen

Ralf Aussem ist auch am Mittwoch, 11. Juli, beim Alemannia-Talk zu Gast. Neben dem Fußballlehrer werden auch Manager Uwe Scherr, Präsident Meino Heyen sowie die beiden Spieler Albert Streit und Sascha Rösler erwartet. Beginn ist um 19 Uhr im Sportpark Kohlscheid, Kaiserstraße 96. Der Eintritt ist frei.
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