Wattenscheid - Alemannia: Aussprache nach der nächsten Pleite

Alemannia: Aussprache nach der nächsten Pleite

Von: Klaus Schmidt
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Enttäuschung nach der nächsten Pleite: Die Alemannia muss sich im Lohrheidestadion erneut geschlagen geben. Foto: sport/Revuerfoto

Wattenscheid. Am Vormittag danach kam man in großer Runde zusammen, zur Aussprache. Jeder sollte loswerden, was ihn bewegt, die Beiträge waren „nicht für jeden angenehm“, berichtete Alexander Klitzpera, der Sport-Geschäftsführer. Ein reinigendes Gewitter, so ist die Hoffnung, „wir müssen wieder dahin kommen, was Alemannia Aachen stets ausgezeichnet hat: der pure Wille“.

Kein Aktionismus, kein Straftraining, keine Versetzungen in die zweite Mannschaft. Die Frage, ob der Trainer zur Disposition stehe, beantwortete Klitzpera mit einem bestimmten „Nein“.

Noch am Vortag war der Punkt erreicht, an dem sie sich selbst nicht mehr reden hören mochten. Als Sätze fielen wie: „Der Rückstand hat uns aus der Bahn geworfen“ (Florian Rüter). Oder: „Wir lassen es auf dem Platz vermissen, dass wir eine Mannschaft sind, die sich gut versteht“ (Dominik Ernst). Und: „Wir müssen uns die einfachsten Sachen wieder erarbeiten, erst mal Gegentore verhindern“ (Christian Benbennek). Die mitgereisten Fans verlangten nach den Spielern, es ging es um Frust-Abbau und darum, die Verärgerung loszuwerden.

Alemannia konnte den Trend nicht stoppen, mit 1:3 (1:2) unterlag der Fußball-Regionalligist bei Wattenscheid 09 und kassierte die vierte Niederlage in den letzten fünf Spielen (nur ein Punkt). Chefcoach Benbennek musste nach einer Blitzführung erneut konsterniert beobachten: „Plötzlich bricht dieses Gebilde wieder zusammen. Wir brauchen das nicht schönzureden: Wir benötigen zu viele Chancen, und es ist leicht, gegen uns zu treffen.“

Seit Wochen geht das schon so, und nicht nur Dominik Ernst schien mit seinem Latein am Ende. „Ich habe keine Erklärung dafür. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie wir da rauskommen sollen.“ Das ist bedenklich; der Rechtsverteidiger schlug dann vor: „Wenn es fußballerisch nicht läuft, muss sich wenigstens einer für den anderen zerreißen.“ Das sei vielleicht wichtiger als Harmonie abseits des Ligabetriebs.

Für den Plan, den Gegner „zu mehr Fehlern zu zwingen als die uns“, hatte Benbennek neben den im Vorfeld bekannten Wechseln (Rüter für den gesperrten Viktor Maier, David Vrzogic für Tim Lünenbach) eine weitere Umstellung vorgenommen. Dennis Dowidat, zuletzt gegen Erndtebrück 90 Minuten nur Zuschauer, gab den „Zehner“. Aimen Demai meldete seine Wade zwar fit, der Kapitän saß jedoch auf der Bank. Wie in der ersten Halbzeit beim 1:0 in Dortmund rückte Bastian Müller (für Jerome Propheter) auf die Doppelsechs neben Timo Staffeldt, Fabian Graudenz wurde auf den rechten und Maciej Zieba auf den linken Flügel beordert.

Alemannia schlug einen guten Weg ein im Lohrheidestadion. Schon nach 99 Sekunden war der Hustenlöser gegen die Ergebnis- und Leistungskrise der letzten Wochen gefunden. Dowidat entdeckte mit einem Steilpass die Schnittstelle in der Wattenscheider Abwehr und den Kollegen Rüter, der umkurvte Torhüter Sancaktar und schob den Ball flach ins lange Eck zur Führung.

Die Schwarz-Gelben machten vieles richtig: Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen stimmten, man traute sich schnelles Passspiel nach vorne zu, war die deutlich aktivere Mannschaft. Ernst stand blank, der Ball rutschte ihm beim Abschluss über den Spann (27.). Dowidat zirkelte einen Eckball auf Peter Hackenberg, dessen Verlängerung mit dem Kopf landete beim zunächst überzeugenden Staffeldt, der einen spektakulären Fallrückzieher anbrachte. Sancaktar lenkte den Ball nicht minder spektakulär an den Pfosten (36.).

Aachens Problem: Zur Halbzeit stand es 1:2 – weil das Deckungsverhalten zwei Mal eklatante Schwächen offenbarte. Nach einer Ecke von Kaplan köpfte Schneider am kurzen Pfosten – gegen drei Schwarz-Gelbe – den Ball zum Ausgleich ins lange Eck (14.). Und zwei Minuten vor der Pause schlug Glowacz eine weite Flanke, Hackenberg unterlief den Ball, Kaya – eher klein von Wuchs – köpfte gegen die Laufrichtung von Alemannia-Keeper Frederic Löhe zur Wattenscheider Führung ein.

Die Gastgeber mussten vor 1885 Zuschauern nur auf Fehler warten. Der nächste folgte in der 49. Minute: Aachens rechte Abwehrseite war völlig entblößt, Ernst schien wie vom Erdboden verschluckt. Buckmaier hatte allen Raum und alle Zeit der Welt, hoch und weit flog der Ball zum 3:1 in den Winkel. Lethargie setzte ein; was vielversprechend begonnen hatte, drohte nun zum Desaster zu werden. Löhe rettete gegen Kaplan (53.), Glowacz (65.), Buckmaier (67.). Der letztjährige A-Junioren-Torjäger Shpend Hasani konnte einem fast leid tun bei seinem Regionalliga-Debüt. Aachener Torchancen in der zweiten Halbzeit: null. Körpersprache: wie die von versetzten Tanzschülern. Die Fans schwankten zwischen „Wir woll’n Euch kämpfen seh’n“ und Sprachlosigkeit.

Auf die Tabellenspitze fehlen nun acht Punkte. Zum ersten Abstiegsplatz sind es sieben. Alexander Klitzpera traut Christian Benbennek weiterhin zu, das Ruder herumreißen zu können. Der Coach hatte den Arbeitstag nach der Rückkehr aus Wattenscheid verlängert und am Tivoli einen Monolog gehalten. „Wir waren kein Team auf dem Platz, das war unwürdig. Die Fans sollen wenigstens eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt.“ Er sei „meilenweit davon entfernt“, nicht mehr weiter zu wissen. „Aber ich bin nicht so blauäugig, dass ich nicht wüsste, wer dran glauben muss“ – wenn das mit dem Ruder herumreißen schiefgehen sollte.

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