Alemannia: 2016 steigt kein Investor mehr ein

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Bereiten zwei Optionen für die Mitglieder vor: Alemannias Aufsichtsräte Christian Steinborn (links) und Horst Reimig. Foto: Wolfgang Birkenstock
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„Letztlich geht es um den Erfolg“: Horst Reimig.

Aachen. Wieder ist eine Frist ergebnislos verstrichen. Alemannias Aufsichtsrat wartet immer noch auf das zugesagte Angebot einer Gruppe, die der Spielerberatungsgruppe „Arena 11“ aus München nahesteht. Unser Redakteur Christoph Pauli unterhielt sich mit den Aufsichtsräten Christian Steinborn und Horst Reimig über die Pläne und Perspektiven am Tivoli.

Registrieren die Verantwortlichen, dass der Trainer gute Arbeit mit seiner Mannschaft abliefert und reagieren darauf mit dem Angebot einer Vertragsverlängerung?

Steinborn: Wir haben es tatsächlich geschafft, mit einem deutlich reduzierten Etat eine sehr konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Deswegen können wir uns sehr gut vorstellen, mit Fuat Kilic über den Sommer hinaus weiterzuarbeiten. Ein erstes Sondierungsgespräch ist gut gelaufen.Reimig: Für die Mannschaft, für die Kontinuität und am Ende auch für die Finanzen wäre das wichtig, dass da eine Gruppe auf dem Platz steht, die erfolgreich ist. Wir können dem Trainer aber unverändert keine großen Angebote machen, weil unsere finanzielle Situation angespannt bleibt.

Hat sich die Situation nicht eher verschlechtert, weil das Publikum ausbleibt?

Reimig: Die Resonanz ist schon etwas enttäuschend. Wir bleiben aber zuversichtlich, dass der Schnitt besser wird, wenn die Mannschaft weiterhin so performed. Es wäre eine Bestätigung ihrer Leistungen.

Ist die Saison ohne frisches Geld durchgeplant?

Reimig: Ja.

Steinborn: Es gibt auch positive Entwicklungen. Beim Sponsoring etwa liegen wir über den Prognosen. Seriös lassen sich jetzt keine Prognosen machen, wie wir am Saisonende finanziell abschneiden.

Sie sind in die letzten Spielzeiten mit dem Risiko einer hohen sechsstelligen Unterdeckung gegangen. Warum kalkulieren Sie diesmal konservativer?

Reimig: Wir haben immer geglaubt, dass wir es schaffen. Vielleicht hätten wir deshalb auch in einigen Fällen noch mehr sparen sollen. Jetzt haben wir junge Leute auf dem Platz, die wenig verdienen, aber ihre Leistung bringen.

Dennoch gibt es die Idee, einen externen Investor zu begeistern, dem Sie Gesellschafteranteile verkaufen würden.

Reimig: Die Idee gibt es schon länger, weil wir in Aachen sehen, dass wir gute Sponsoreneinnahmen haben, aber darüber hinaus nicht weiterkommen. Wir sind an viele Leute erfolglos herangetreten, deswegen kommt das Thema Investor auf die Agenda. Im Fußball heute ist das längst nicht mehr verwerflich. Es war nicht unsere erste Priorität, ist aber eine Option.

Sie sind angetreten, um den Verein zu konsolidieren. Ist ein angestrebter Anteilsverkauf nicht das Eingeständnis, dass Sie mit allen anderen Versuchen gescheitert sind?

Steinborn: Nein. Ein Aufsichtsrat muss Kontinuität im Geschäftsbetrieb schaffen. Wir besorgen Optionen, deswegen sprechen wir unverändert mit zwei interessierten Gruppen. Wir beschäftigen uns mit der Frage: Bleibt es beim guten Sponsorenzuspruch, ist es Alemannias Anspruch, in der 4. Liga zu bleiben? Der Souverän entscheidet und gibt unsere Richtung vor.

Sie verhandeln seit Monaten mit einer Gruppe, die „Arena 11“ nahesteht. Mehrfach sind Angebote ankündigt worden, zuletzt für den 30. September. Liegt es nun vor?

Steinborn: Nein, es liegt noch nicht vor. Wir verhandeln immer noch über komplexe Details, die uns für den Verein wichtig sind. Jeder hat seine Vorstellungen, wir würden einen Entwurf erst vorstellen, wenn wir ihn für mehrheitsfähig halten.

Wenn es immer wieder neue Termine für ein Angebot gibt, klingt das doch ausverhandelt.

Reimig: Ich würde gerne als Vereinsvertreter antworten, schließlich ist der TSV für einen möglichen Verkauf zuständig. Wir haben eine Verantwortung für diesen Verein. Mit der genannten Gruppe hätten wir schon vor Monaten ein Agreement unterschreiben können. Es ist nicht dazu gekommen, weil wir Vorstellungen davon haben, wie auch der inzwischen wieder sehr gesunde Verein aufgestellt werden soll. Für die Investoren war das nicht so nachvollziehbar. Ich bin da ein Hardliner.

Setzen Sie nur auf die eine Karte?

Reimig: Wir haben im Präsidium nicht monatelang untätig gewartet, ob es das Angebot tatsächlich kommen wird. Es gibt auch andere Optionen. Falls sich keine Einigung mit den Investoren ergibt, wollen wir bis zur Winterpause ein neues Konzept vorlegen, das Aachen und die Region in den Mittelpunkt stellt. Da geht es dann auch um alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die nicht bedeuten, dass wir Anteile abgeben. Ich verhehle aber nicht, dass wir Zweifel und Erfahrungswerte haben, ob eine regionale Lösung funktionieren wird.

Steinborn: Ich hatte gehofft, dass aus der Region ein bisschen mehr Unterstützung von den Unternehmen kommt, auch wenn die Zurückhaltung historisch nachvollziehbar ist.

Die regionale Lösung ist Plan B?

Reimig: Es gibt Plan 1a und 1b, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Wir arbeiten hart als Ehrenamtliche daran, dass den Mitgliedern vernünftige Vorschläge vorgelegt werden.

Gehen Sie unverändert davon aus, dass noch ein Angebot kommt, auch wenn Sie seit Monaten vertröstet werden?

Steinborn: Ja, wir stehen in einem sehr vertrauensvollen Kontakt. Wir möchten nicht verhehlen, dass eine regionale Lösung erstrebenswert wäre.

Sie reden mit einer Gruppe von Spielerberatern nicht zum Beispiel mit Bäckern. Sehen Sie nicht die Gefahr, dass die Männer sich operativ hier einmischen und Alemannia an Identität verliert?

Reimig: Derzeit können nur 49 Prozent veräußert werden. Die Mehrheit bleibt also hier. Letztlich geht es um den Erfolg. Und sollten in fünf Jahren weitere Anteile verkauft werden dürfen, wäre die Zustimmung im Erfolgsfall größer. Die Identifikation bleibt erhalten.

Steinborn: Wir haben doch gerade einen Investor mit sportlicher Kompetenz gesucht. Sonst wären wir doch nach China, nach Dubai zu irgendwelchen Fonds gegangen. Das wollten wir nicht, wir suchen strategische Partner.

Würden Sie Ihre Ämter aufgeben, wenn Sie in der Mitgliederversammlung scheitern?

Reimig: Wir wären mit einer Idee, aber nicht gesamt gescheitert.

Steinborn: Wir werden sicher nicht ultimativ unterwegs sein. Man müsste sich natürlich selbstkritisch Gedanken machen, ob man seine Vorstellungen umsetzen kann.

Wie ist die Zeitschiene?

Reimig: Dieses Jahr wird es keine Mitgliederversammlung mehr geben. Selbst wenn das Angebot noch zeitnah käme, muss es intern und mit den Mitgliedern ausführlich besprochen werden vorab.

Wie einig sind Sie sich in den Gremien, dass ein Investor an Bord gehievt werden soll?

Reimig: Wir sind im Präsidium und Aufsichtsrat einig, dass wir diese beiden Wege verfolgen wollen. Im Verwaltungsrat gibt es durchaus kritische Stimmen zu den Investoren. Auch da müssen wir mit Lösungen überzeugen.

Steinborn: Es ist doch nicht so, dass wir Spaß daran haben, Anteile zu verkaufen. Wir sind intensiv auf der Suche nach guten Lösungen am Ende einer schwierigen Insolvenzphase.

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