Aimen Demai: Abschied ohne Happy End

Von: Christoph Pauli
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Jubelnder Kapitän: Die Kollegen Timo Staffeldt (Mitte) und Jannik Löhden (rechts) feiern Aimen Demai für sein Siegtor bei Borussia Dortmund II. Am Samstag wird Demai am Tivoli verabschiedet. Foto: imago/Revierfoto

Aachen. Der Ball rollte auf ihn zu, Aimen Demai holte aus – und schoss knapp über das Tor. Dieser Torschuss gegen den TuS Erndtebrück an einem frostigen Donnerstagabend Ende März war die letzte Aktion von Demai im Trikot von Alemannia Aachen.

Der Franzose war erst in den letzten Minuten der Partie eingewechselt worden, nach dem Spiel meldete sich wieder sein Sorgenknie. Seitdem ist der 33-Jährige im Krankenstand. Er ist in die Scoutingabteilung eingebunden, sucht immer noch die Nähe zur Mannschaft.

Am Samstag geht der Kapitän nun von Bord, Alemannia verabschiedet Demai nach sieben – nun ja – maximal turbulenten Jahren. Es war die Initiative des Vereins, dass der Vertrag im Sommer endet, die Entscheidung fiel gemeinsam. „Ich verstehe, dass der Verein schlecht mit einem so verletzungsanfälligen Spieler planen kann.“

Die Karriere ist noch nicht beendet, das ist ihm wichtig. Immer noch absolviert er die Reha, „das Knie bekommt noch eine Chance“, sagt er. Ansonsten droht die Sportinvalidität. In diesem Fall hat ihm der Verein eine nicht näher konkretisierte Tätigkeit in Aussicht gestellt.

Das Gelenk hat viel mitgemacht: Knorpelschaden (im ersten Spiel in Liga 3 in Bielefeld), Innenbandverletzung, Kreuzbandriss, Meniskusschaden. Zwei Jahre fiel der Mittelfeldspieler komplett aus der Wertung. Er hält oft Rücksprache mit dem Knie. Die Muskulatur reagiert empfindlich auf Probleme, häufig jault dann die Wade auf. Die Verletzungen waren ein ständiger Begleiter seiner Laufbahn.

111 Spiele hat Demai in Schwarz-Gelb absolviert, dabei 16 Treffer erzielt. Es hätten ein paar mehr sein können seit seinem Debüt am 20. September gegen 1860 München 2009. Es war der sechste Spieltag, die ersten Partien hatte er verpasst – Innenbandprobleme. „Es waren schwierige Zeiten in den letzten sieben Jahren dabei, aber man lernt in diesen Phasen viel mehr als im Erfolg“, sagt er.

Fast ein Dutzend Trainer hat er in dieser Phase erlebt. Jürgen Seeberger, der ihn verpflichtet hat, war schon wieder weg, als der erste Einsatz anstand. „Jeder Trainer hatte Qualitäten und Schwächen“, sagt er freundlich. Peter Hyballa sei fachlich herausragend gewesen, Ralf Aussem und Michael Krüger waren „Menschenfänger“, die eine Mannschaft hinter sich bringen konnten.

Aimen Demai ist der letzte privilegierte Spieler in diesem Kader: Unter Peter Schubert entschied er meistens selbst, ob es zum Einsatz reichte. Er war gesetzt, weil er eng mit dem Ball befreundet war und eine Mannschaft anführen konnte. Heraus kamen 30 zumeist gute Saisonspiele. „Ohne die Rückendeckung der Trainer wäre das niemals möglich gewesen.“

Noch hat er die Hoffnung, dass er noch einmal gegen den Ball treten kann. „Fußball ist einfach das Schönste.“ Aber er ist vorbereitet, C- und B-Schein sind gemacht, die Anmeldung für den A-Schein ist heraus, im Sommer beendet er an der Uni in Lyon sein Internationales Sportmanagement Studium. Demai ist gewappnet für die nächste Karriere. Aber er verschiebt das Karriereende bislang, auch wenn der Körper Warnsignale sendet.

Der sympathische Schlachtenlenker sieht durchaus Parallelen zwischen Alemannia und seiner Karriere. „Die letzten Jahre waren verschenkt – gemessen am Ergebnis.“ Es wäre deutlich mehr drin gewesen, sagt der Profi, der 193 Mal (18 Tore) in der 2. Liga auflief. Während Demai wenig Einfluss auf seine Genesung hat, sind viele Probleme beim Klub eher hausgemacht. „Die Leute akzeptieren Fehler, wenn daraus gelernt wird. Das Problem taucht auf, wenn sie wiederholt werden.“

Natürlich sei die Saison enttäuschend verlaufen, sagt er, aber wenn man sieht, was alles passiert ist, welche Spieler man uns weggenommen hat, wäre Platz 6 noch ein Erfolg.“ Optimist Demai glaubt immer noch an ein Alemannia-Comeback. „Die Stadt ist doch fußballverrrückt genug.“ Er würde es hautnah mitbekommen, weil er mit seiner Frau und den drei kleinen Töchtern in der Region bleiben würde. Die Verbindung mit Alemannia endet nun am Samstag vorerst. Die Geschichte endet ohne Happy End, aber vielleicht ist sie auch noch nicht fertig geschrieben.

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