Aachen - Abschied: Auch eine Stilfrage

Abschied: Auch eine Stilfrage

Von: Christoph Pauli
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Abschied nach 178 Partien für Alemannia: Cristian Fiel. Foto: Steindl

Aachen. „Lange nicht mehr gesehen Erik”, sagt Marcel Laffar. Laffar ist ein besonderer Alemannia-Fan. Er ist von Geburt an blind und ausgestattet mit einer speziellen Art von Humor. Nur aus Kostengründen hat er sich seine Glasaugen nicht gelb und schwarz machen lassen.

Der „Fan-Reporter” von Sport 1 begleitete den glühenden Alemannia-Anhänger zehn Tage lang. Der Höhepunkt: Meijer lud den Stolberg in sein Auto und kutschierte ihn zum Auswärtsspiel nach Paderborn. „Das stand auf einer Stufe mit meiner Hochzeit”, sagt Laffar am Ende der Reportage.

Alemannia soll wieder ein Verein zum Anfassen sein, mit praktizierter Fannähe - auch wenn keine Kameras oder Stenoblöcke in der Nähe sind. Der Klub will wieder ein freundliches Gesicht aufsetzen.

Am Sonntag steht das letzte Spiel einer vergurkten Saison gegen den MSV Duisburg an. „Halb Aachen” wird da verabschiedet, aber es soll „alemannia-like” geschehen, hat Meijer verfügt. Die scheidenden Profis werden nicht hastig vor dem Anpfiff, sondern gemütlich nach Spielende gefeiert, wenn das Freibier schon fließt.

Dieser Wahltag ist zum Beispiel der letzte Arbeitstag von Co-Trainer Willi Kronhardt und Physiotherapeut Rudi Schifflers. Die Spieler Jérôme Polenz, Patrick Milchraum, Szilárd Nemeth, Allan Jepsen, Cristian Fiel, Abdul Özgen und Lukasz Szukala gehen von Bord. Und auch die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg über Daniel Adlung sind vorerst gescheitert. Noch nicht geklärt ist die Zukunft von Andreas Lasnik, der morgen wieder vorspielt. Thomas Stehle soll im Verein bleiben. „Ich möchte ihm eine reelle Chance geben, sich nach so langer Verletzung zu zeigen”, sagt Meijer über den ehemaligen Mitspieler.

Nach dem letzten Spiel am Sonntag gegen den MSV Duisburg wird er traurig Ex-Kapitän Reiner Plaßhenrich verabschieden, dessen Knie die Belastung nicht mehr aushält. Ob „Heini” noch mal für ein paar Minuten aufläuft? „Lassen Sie sich überraschen”, sagt Michel Krüger.

Diese finale Partie gegen den MSV Duisburg ist mit größerer Sicherheit auch der letzte Arbeitstag des Chef-Trainers in Aachen. Aber zu diesem Thema äußert sich Meijer nicht. Die Bilanz spricht viele Sätze, das Auftreten der Mannschaft häufig Bände.

Aber Meijer versucht gerade dem Verein wieder etwas mehr Stil beizubringen, und so wird auch der Trainer nicht unnötig demontiert. Krüger wird zwar am Ende wohl über die Bilanz stolpern, auf der Habenseite steht aber auch die Förderung junger Spieler wie Höger, Junglas, Adlung oder Kratz, die alle zu den wenigen positiven Erscheinungen in den letzten zehn Monaten gehörten. Krüger sagt, er sei froh, wenn diese Saison zu Ende sei. Die „unglaubliche Verletztenmisere” habe zu einem Tabellenplatz geführt, „der weh tut”.

Vielleicht versuchen Meijer und Krüger gerade, einen anständigen Abschied hinzubekommen. Das war in den letzten Jahren nicht immer die stärkste Übung des Vereins. Bei einem munteren Sponsorenabend Anfang der Woche hat Meijer ein paar Überschriften für seine Arbeit skizziert: Leidenschaft, Leistung, aber auch Loyalität. Und das gilt natürlich auch am Saisonende, wenn der Neuanfang schon ausgerufen ist.
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