Berlin - Aachens „Straßenköter” bellen nicht nur

Aachens „Straßenköter” bellen nicht nur

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Bärenstark: Alemannias Innenverteidiger Thomas Stehle (links) räumt hier gegen den Berliner Raffael ab. Foto: dapd

Berlin. Hertha BSC entschied gleich das erste Duell für sich. Kapitän André Mijatovic gewann die Platzwahl gegen Benny Auer und entschied sich dafür, zuerst auf die Ostkurve anzustürmen, wo sich tausende erwartungsvolle Fans getroffen hatten. Schöner Plan. Nur blieb der kleine Punktsieg von Mijatovic für lange Zeit das letzte Erfolgserlebnis für die Hertha.

Die Mannschaft schrammte am Abend gegen Alemannia nur knapp an der ersten Saisonniederlage vorbei. Die Partie endete torlos, was der Hertha gehörig schmeichelte. Das wusste auch Coach Markus Babbel: „Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen, waren vom Kopf her träge.”

Aachens Trainer Peter Hyballa hatte die erfolgreiche Paderborn-Elf nur auf einer Position verändert. Florian Müller kehrte nach fast einem Jahr (25. Oktober 2009 gegen Union Berlin) wieder in die Startelf zurück. Die offensive Variante mit dem gelernten Mittelfeldspieler war der letzte Hinweis auf den Plan der Trainer: „Wir wollen hier gewinnen.”

Überqualifizierter Sitzenbleiber?

Und die Aachener „Straßenköter” (Hyballa) bellten nicht nur, sie bissen sich gleich in die Partie hinein. Verdutzt guckten sich die Frühstarter der Liga (vier Tore in den ersten fünf Minuten) an. Mit soviel Gegenwehr hatte das Bundesliga-Ensemble nicht gerechnet. Sie wirkten nicht sonderlich gut vorbereitet auf die abenteuerlustigen Gäste. Die bislang unbesiegten Berliner traten auf mit der Pose eines überqualifizierten Sitzenbleibers. „Das wird schon.”

Aachen hätte sich früh die Belohnung für das couragierte Spiel abholen können. Arslan steckte durch für Auer, und der Torjäger lief alleine durch, scheiterte freistehend an Keeper Maikel Aerts (9.). Das war nicht die letzte, aber bereits die größte Möglichkeit. Nach einem Konter über Stieber und Auer hätte auch Höger treffen können, sein kerniger Rechtsschuss zischte knapp am Tor vorbei (33.).

Das jüngste Team der Liga brachte das reichste Team der Liga wunderbar in Not. Bevorzugt über die linke Angriffsseite initiierte der Außenseiter über Achenbach, Uludag und Stieber ein paar schöne Angriffe, ein halbes Dutzend guter Flanken kamen aber nicht beim Adressaten an.

Schon zur Pause musste die Stadionregie ein Pfeifkonzert mit Musik übertünchen. 34762 Fans pfiffen der alten Dame hinterher. Dem Tabellenführer war nicht sonderlich viel eingefallen.

Lediglich Rob Friend, einziger nomineller Angreifer, sorgte hin und wieder in Alemannias Verteidigung für etwas Arbeit. Zunächst lenkte der sichere Aachener Keeper David Hohs einen Ball mit der linken Hand um den Pfosten (13.), dann drängte Tobias Feisthammel den Torjäger noch einmal ab (22.), ehe Kollege Thomas Stehle den Kanadier in letzter Sekunde abblockte (38.). Mehr Hertha war nicht im ersten Durchgang - im ersten Montagsspiel seit 13 Jahren.

Zur „Prime time” zumindest im Spartensender Sport1 vorspielen zu dürfen, sei eine wunderbare Gelegenheit, auf Alemannia wieder aufmerksam zu machen, hatte Hyballa der Mannschaft noch vor dem Spiel zugerufen. Sie betrieben weiter Werbung in eigener Sache, versäumten es aber, ihre angebotenen Räume noch konsequenter zu nutzen. So versandeten mehrere Angriffe in Überzahl.

Der Klassenprimus profitierte nur von Einzelleistungen, Ramos holte die Slalomschuhe kurz raus, seinen Fernschuss lenkte Hohs zur Ecke (67.). Es blieb die einzige erwähnenswerte Szene des von der Bundesliga gejagten Kolumbianers.

Der Außenseiter ließ sich nicht mehr irritieren. Die Aachener „Straßenköter” schnappten sich ungefährdet den einen Punkt. „Vor dem Spiel wäre ich damit zufrieden gewesen”, sagte Peter Hyballa, „aber nach dem Spiel... Vielleicht wäre mehr drin gewesen.”

Alemannia lieferte in der siebten Partie die sechste starke Leistung ab. So viele hat es in der kompletten letzten Saison nur bei äußerst wohlwollender Beurteilung gegeben.
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