Aachens Ex-Stürmer hat einen „Schutzengel eingebaut“

Von: Helga Raue
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Stets doppelt bewacht und trotzdem immer torgefährlich: Stürmer Daniel Engelbrecht, der für den damaligen NRW-Ligisten Alemannia Aachen II 48 Treffer erzielte. Foto: Andreas Steindl

Stuttgart/Aachen. Vor allem in US-amerikanischen Krankenhausserien kommt der Defibrillator gerne zum Einsatz, wenn der Herzschlag aussetzt. Der Arzt greift eiligst zu den Paddles, der Patient wird geschockt – und das Herz beginnt wieder zu schlagen. Happyend! So könnte es auch Daniel Engelbrecht ergehen, wenn sein Herz auf dem Fußballplatz aussetzen sollte.

20. Juli 2013: Engelbrecht greift an. Plötzlich bleibt der Stürmer des Drittligisten Stuttgarter Kickers stehen, wankt und bricht bewusstlos zusammen. Die Untersuchungen bleiben ohne Befund. „Kreislauf, kein Wunder bei über 40 Grad im Stadion“, so die Diagnose.

10. August 2013: Engelbrecht wird gegen Kiel in der 53. Minute erstmals wieder eingewechselt, bestimmt nun energisch die Offensivaktionen der Kickers. 30 Minuten später: Engelbrecht wankt, wirkt desorientiert, seine Kollegen stützen ihn. Das MRT bringt Klarheit: Herzmuskelentzündung.

„Die Diagnose war niederschmetternd“, blickt Daniel Engelbrecht, der von 2009 bis 2012 das Trikot des damaligen NRW-Ligisten Alemannia Aachen II trug, zurück. Drei (lange) Monate musste der Spieler pausieren. „Mitte November wurde festgestellt, dass sich dickes Narbengewebe gebildet hat. Seither leide ich auch unter Herzrhythmusstörungen“, erläutert er. Die Ärzte berieten sich, holten andere Meinungen ein, dann folgte der Vorschlag: OP und Defibrillator. „Sie haben gesagt, sie bauen mir einen Schutzengel ein“, scherzt der junge Stürmer. „Falls ich noch einmal zusammenbreche, wird mein Herz geschockt.“

Eine schwere Entscheidung – doch nicht für den 23-Jährigen. „Es ist meine einzige Chance, wieder Fußball spielen zu können. Ich habe keine Sekunde gezögert. Aufgrund der Rhythmusstörungen muss mein Herz auch im ,normalen‘ Leben unterstützt werden.“ Am 18. Dezember kam er unters Messer, der Defibrillator wurde implantiert.

Am Montag musste Engelbrecht erneut auf den Tisch, da die Ärzte einen Teilbereich im Herzen wegen der Rhythmusstörungen veröden wollten. Das klappte jedoch nicht, mindestens ein weiterer Termin steht an. „Jetzt muss ich wieder warten“, seufzt Engelbrecht, denn die Rückkehr auf den Platz rückt immer weiter in die Ferne. „Mein Arzt hat gesagt, wenn ich im letzten Saisonspiel für ein paar Minuten eingewechselt werden könnte, müsste ich glücklich sein“, so Engelbrecht.

Der Stürmer ist nicht der einzige Profi-Sportler, der mit einem Defibrillator lebt – und Fußball spielt. Wie der Belgier Anthony van de Loo, der 2009 von seinem Gerät nach einem Zusammenbruch auf dem Platz geschockt werden musste. Der heute 25-Jährige spielt aktuell beim belgischen Erstligisten KV Mechelen.

Trotzdem – das Risiko ist groß, und Engelbrecht nimmt es bewusst in Kauf. „Weil Fußball mein Leben ist. Ich kann mir ein Leben ohne Fußball einfach nicht vorstellen“, sagt der 23-Jährige eindringlich und setzt hinzu: „Ich weiß, es klingt bescheuert, und die wenigsten können das verstehen, aber lieber breche ich glücklich auf dem Platz zusammen als mit dem Fußballspielen aufzuhören.“

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