Aachen siegt cool im Kühlschrank

Von: Christoph Pauli
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Alemannia unter Dampf: Tolgay Arslan, Aimen Demai, Manuel Junglas und Timo Achenbach (v.l.) bejubeln den Sieg im Oberhausener Eiskeller. Foto: Andreas Steindl

Oberhausen. Eine wichtige Szene gab es vor der Abreise ins Stadion. Alemannias Peter Hyballa und sein „Ziehsohn” Tolgay Arslan trafen sich im Hotel „zum 55. Einzelgespräch”, wie der Trainer mitgezählt hatte. Seit Monaten deutet der kleine Spielmacher seine Qualitäten an.

Der Durchbruch steht in Aachen indes noch aus. Hyballa umarmte den hoch veranlagten Dribbler vor dem Anpfiff, dann kam der Hinweis: „Jetzt muss mal langsam was kommen von Dir.” Der Hinweis verhallte nicht ungehört. Arslan machte ein starkes Spiel, und das galt ausnahmslos auch für seine Kollegen. Alemannia siegt bei Rot-Weiß Oberhausen mit 2:1. Das knappe Ergebnis gibt nur unzureichend das Kräftemessen wider.

Alemannias Vorstellung war cool. Das ist zwar leicht in einem Kühlschrank mit minus fünf Grad, der sich als Sportstätte tarnt. Aber nach dem gruseligen Monat November ließ sich das Team keine Nervosität anmerken. „Warum auch, wir haben nicht gepunktet, aber nicht schlecht gespielt”, meinte Arslan am Spielende.

Die Mannschaft bekam unerwartet viele Freiräume, sie zeigte auf dem gut bespielbaren Platz ihre fußballerische Klasse. Aber sie war nicht sonderlich zupackend, ein Dutzend Mal schluderte das Team beim finalen Pass. Die Gruppe neigt häufig zur komplizierten Lösung. Oberhausen setzte wieder auf das Progamm „lang und weit” und vereinzelte Konter. Lamidi enteilte Feisthammel, der Nigerianer, der bis zur C-Jugend in Aachen spielte, schoss knapp vorbei.

Aachen war das bessere Team. Stieber zirkelte einen Freistoß vor die Fäuste von Keeper Sören Pirson (27.), die Überlegenheit schlug sich nur vereinzelt in Chancen nieder.

Oberhausen kam erst in den letzten Minuten vor der Pause auf, Schönfeld erbeutete einen Ball von Achenbach, seine Hereingabe rutschte an allen Profis, aber auch am Tor vorbei (41.). Achenbach revanchierte sich gekonnt, knöpfte Schönfeld den Ball ab, sprintete durchs Mittelfeld, ein Blick, ein präziser Pass, und Tolgay Arslan vollendete freistehend vom Elfmeterpunkt aus. Aachen konterte sich zur Führung mit einem Treffer, der eher RWO-typisch ist (45.). „Ich habe so ein Spiel gebraucht”, grinste Arslan am späten Abend.

Aachen legte nach, und auch der Treffer war ungewöhnlich. Im 15. Spiel wurde der erste Eckball verwandelt. Thomas Stehle rauschte in die Stieber-Flanke, zur Saisonpremiere (50.). Damit wäre der Fall für viele Mannschaft erledigt gewesen. Aachen machte es noch einmal spannend. Eine Ecke von Krontiris landete über Umwege bei Lamidi, der im Fünfmeterraum den Ball zum Anschluss ins Netz bugsierte. Gespielt waren da erst 54 Minuten, Oberhausen warf noch ein paar Stürmer in die Partie, es passierte: nichts.

Die Gäste kamen nicht mehr in Gefahr, demonstrierten vielmehr, was sie sehr gut können - und was weniger. Sie erspielten sich viele gute Gelegenheiten, um sie fahrlässig zu vergeben. Alleine Stieber hätte mehrfach als Torschütze auftauchen können.

Hyballa wechselte nur einmal an diesem frostigen Abend, den 4391 bibbernd erlebten. Der Trainer, der morgen Geburtstag hat, wollte seine vier Nachwuchskräfte aus der Zweiten Mannschaft nicht in die Partie werfen. Seine Personalnöte werden nicht kleiner. Gegen Düsseldorf ist Kevin Kratz gesperrt. „Wir haben heute zum ersten Mal in dieser Saison Nerven gezeigt”, brummte RWO-Coach Hans-Günter Bruns am Ende unzufrieden. Das Fazit bezog sich auch auf seinen Stürmer Mike Terranova, der Thomas Stehle im Mittelfeld brutal umtrat. „Der soll bis zur Rente gesperrt werden”, urteilte die gefällte „Axt” über den Rotsünder.

Aachen übersprang mit wochenlanger Verspätung endlich die 20-Punkte-Marke. „Du kannst die beste Motivationsbesprechung machen, aber am Ende zählen Ergebnisse”, atmete Hyballa erleichtert auf. Nach dem trüben November soll nun ein wonniger Dezember folgen. „Mit ganz viel vorweihnachtlicher Freude.”
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