Aachen ist nur am Ende stark

Von: Christoph Pauli
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Einer jubelt, und die im Hintergrund sind entsetzt: Markus Daun kam, sah und traf zum 2:3-Anschlusstor. Foto: Getty Images/Bongarts/Christof Koepsel

Aachen. Die 18.726 Zuschauer am alten Tivoli erlebten ein Feuerwerk, wie sie es selten erlebt hatten. Dankbar beklatschten sie den Vortrag. Unglücklicherweise fand das Feuerwerk nur vor dem Anpfiff der Partie gegen Rostock statt.

Pyrotechniker erinnerten daran, dass der alte Kultkasten in sein letztes Jahr geht. Und da erlebt dieser Tivoli auf seine alten Tage noch einmal ein unglaubliches Spiel. 3:3 endete Alemannias Partie gegen Hansa Rostock.

Nach teilweise unglaublich zerzaustem Spiel schafften die Aachener in den letzten Minuten das bejubelte Happyend. „Wir sind nervös und gehemmt aufgetreten”, bilanzierte Jürgen Seeberger am Ende des turbulenten Abends. Schon beim Einlaufen setzte es eine Portion Pfiffe für die Wehen-Verlierer.

Eine Vorführung

Der Abstiegskandidat aus dem Osten führte die Gastgeber streckenweise nach allen Regeln der Kunst vor. Rostock war nicht nur die deutlich aggressivere, sondern vor allem die spielstärkere Mannschaft.

Nach drei Minuten musste Aachens Keeper Stuckmann Martin Retov den Ball schon vom Fuß wischen. So früh deutete sich an, dass nur ein Aachener an diesem Abend so etwas wie Normalform mitgebracht hatte. Der Rest lief den Gegenspielern und den Zweikämpfen hinterher. Fin Bartels und Felix Kroos (17) beschäftigten eine ganze Abwehr. „Wenn nur unsere Chancenverwertung besser wäre”, jammerte Hansa-Coach Dieter Eilts.

Seine Mannschaft ging extrem fahrlässig mit ihren Möglichkeiten um. Der Sieg hätte zur Halbzeit bereits an die DFL gemeldet werden können, aber so war nur Kapitän Retov mit einem prächtigen Volleyschuss in den Winkel erfolgreich (31.).

Einen einzigen Spielzug brachten die Hausherren im ersten Akt zustande. Die Flanke von Polenz köpfte Milchraum freistehend an den Pfosten (43.), „den macht meine Oma rein”, wetterte Kopfball-Großmeister Erik Meijer in der Halbzeitpause. Es war der letzte Ballkontakt von Polenz für einige Wochen. Sekunden später kam er gegen Bartels zu spät, und auch Schiedsrichter Thomas Frank reagierte überhart: Rote Karte.

„Wir sind vorgeführt worden”, sagte Cristian Fiel nach der fünften schwachen Halbzeit in Folge.

Aachens Pannenshow setzte sich fort, mit dem nächsten Anpfiff leistete sich Vukovic den nächsten Patzer. Es dauerte noch unerquickliche fünf Minuten, bevor Bartels seine sechste (!) Chance verwertete - 0:2 (50.).

Erst als die Partie entschieden schien, begann sich Aachen zu wehren. Spielerisch funkelte weiterhin nichts, aber Auer köpfte einen Daun-Freistoß ein (52.) zum 1:2. Die kleine Hoffnung wurde schnell gedämpft. Wieder über Aachens schwache linke Abwehrseite. Bartels nutzte die präzise Schindler-Flanke zum 1:3 (76.).

Das Publikum hatte nach eigener Auskunft „die Schnauze voll”. Und auch der Trainer bekam die ersten Schmähungen seit seiner Ankunft ab.

Die Hausherren steuerten dem Fiasko und einem kapitalen Fehlstart entgegen. Aber als sie nichts mehr zu verlieren hatten, kam das Team, das noch keine Partie gedreht hat, zurück. Holtbys Freistoß wollte Daun noch „mit der Locke” berührt haben. Unstrittig war das 2:3 nach 81 Minuten. Für den Ausgleich hielt gleich der nächste Freistoß her. Vukovic köpfte die nächste Holtby-Vorlage ein zum gefeierten Ausgleich.

Die Bilanz in einem Satz: Zehn Spieler erzielen in einer Halbzeit drei Tore und retten einen Punkt. „Dieses Erlebnis könnte ein wichtiger Baustein sein”, hoffte Seeberger.

Das Tollhaus Tivoli ist schon nächste Woche wieder geöffnet.
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