Aachen blamiert sich gegen Erndtebrück

Von: Christoph Pauli
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Zwei Gelbe Karten in vier Minuten: Schiedsrichter Alexander Busse schickt Viktor Maier vom Spielfeld. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Am Ende demonstrierten 6800 Zuschauer – Minusrekord in dieser Saison –, wie laut sie sein können. Sie pfiffen lauthals auf ein Team, das gewaltig aus der Spur geraten ist. „Das war zu wenig für uns“, bilanzierte Alemannias Trainer Christian Benbennek, der trotzdem einen Aufwärtstrend ausmachte.

Gegen den Tabellenvorletzten TuS Erndtebrück reichte es nur zu einem 2:2. Es war alles andere als eine Werbeveranstaltung. Es fühlte sich eher wie die vierte Niederlage in Serie an. Das Remis war je nach Sichtweise „verdient“ (TuS-Trainer Florian Schnorrenberg) oder „unverdient“ (Benbennek), änderte aber nichts daran: Alemannia nimmt sich gerade eine krasse Auszeit, ein Punkt aus den letzten vier Spielen ist nicht die Bilanz eines Spitzenteams. Zudem verliert der Tivoli gerade viel von seinem Schrecken.

Benbennek hatte auf die jüngste Darbietung reagiert. Demai und Vrzogic fehlten verletzt, auf Rüter und Dowidat verzichtete er zunächst freiwillig. Lünenbach, Maier, Zieba und Propheter rückten in die Startelf. Die erste Halbzeit ging klar an die Hausherren. „Die Jungens haben trotz der drei Niederlagen im Gepäck die nötige Lockerheit gezeigt und sich von Fehlern nicht irritieren lassen“, lobte Benbennek den Auftakt. Spielerisch war der Auftritt in der Tat eine Steigerung im Vergleich zu dem desolaten Auftritt in der Vorwoche. Die Spielfreude kehrte zurück, es gab viele gute Ansätze, die allerdings im letzten Drittel ziemlich regelmäßig versandeten.

Der Aufsteiger ließ den Aachenern ausreichend Raum für ihre Kombinationen. In der A-Note, die die technische Qualität bewertet, lag Aachen deutlich vorne. Aber entscheidend ist die B-Note: „Wie kreiere ich als Team ausreichend Möglichkeiten?“ Aachen war deutlich druckvoller, aber gemessen an den Räumen, die Erndtebrück freigab, war die Ausbeute eher karg.

Das ist das Wasserzeichen dieser Saison. Das Team ist in der Breite – Stand 10. Spieltag – zu ungefährlich. Das Manko der letzten Saison ist im Sommer nicht behoben worden. Alemannias Stürmer sind engagiert, sie arbeiten in alle Richtungen, aber sie treffen viele falsche Entscheidungen. „Sie machen sich zuviel Druck“, sagt Benbennek über seine Angreifer.

Maciej Zieba, Viktor Maier und Fabian Graudenz machten zudem den Eindruck, als wollten sie mit einem spektakulär herausgespielten Treffer den Rucksack der letzten Wochen leeren. Dabei gehen vermutlich auch einfach erzielte Tore in die Wertung mit ein. Es war eher kein Zufall, dass ein Verteidiger mit großer Entschlossenheit die Führung erzielte. Dominik Ernst vollendete aus elf Metern eine schöne Staffette über Graudenz und Zieba (36.).

Eine gute Mannschaft hätte sich den harmlosen Gegner nun parat gelegt und auf die Möglichkeit zum K.o.-Schlag gewartet. Alemannia ist in dieser Phase keine souveräne Mannschaft. Ein Freistoß der Gäste wurde in die Mitte abgewehrt, wo Leandro Mima Ribeiro unbedrängt aus 17 Metern den Zirkel herausholen konnte. Er traf den Ball nicht einmal richtig, der flog dennoch in den Winkel zum Ausgleich (53.).

Aachen kam zurück. Maier reklamierte zwei Mal nach Kollisionen mit Gegenspieler Kroener vergeblich auf Strafstoß. Dann bekam Zieba nach einer scharfen Hereingabe von Müller nur eine harmlose Rückgabe zustande (59.).

Maier verzog freistehend mit links (61.) – Aachen schnürte den Aufsteiger für ein paar Minütchen ein. Der Lohn war das 2:1 durch einen 18-Meter-Schuss von Zieba, der unter die Latte und dann zurück ins Feld prallte (63.). Der Treffer ärgerte Gäste-Coach Florian Schnorrenberg gleich zweifach. Zum einen hatte nur Assistent Bastian Lang mit Falkenauge den (berechtigten) Treffer ausgemacht. „Und der Torschütze hätte vorher wegen Nachtretens die Rote Karte sehen müssen.“ Zieba hatte sich nach dem Ausgleich der Gäste ins Feierrudel gestürzt, um den Ball schnell wieder zu erhalten. Schiedsrichter Alexander Busse hatte seinen Tritt nur mit Gelb geahndet.

Spielleiter Busse war mittendrin statt nur dabei. Viktor Maier sah innerhalb von vier Minuten zwei Gelbe Karten und erwies seiner Mannschaft einen Bärendienst. An der Berechtigung der beiden Strafmandate bestand wenig Zweifel, Benbennek monierte aber die durchaus unterschiedlichen Regelauslegungen des Referees.

Die Gäste schafften in Überzahl den Ausgleich, ein Freistoß hielt dafür her. Ahmet Saglam zirkelte die Kugel von rechts in die lange Ecke, vorbei an Keeper Frederic Löhe, der sich verspekuliert hatte (83.). „Mit zwei Toren des Jahres holen sie hier einen Punkt. Das ist sehr bitter“, fasste Kapitän Peter Hackenberg den tristen Nachmittag zusammen.

Die Gäste hätten gar noch in Führung gehen können. Timo Staffeldt kratzte eine Flanke von Narciso Lubasa noch von der Linie (85.).

Alemannia hätte die wachsende Krise noch beenden können. Propheter verzog noch freistehend in Nachspielzeit. Es war die letzte Aktion, bevor das Pfeifkonzert einsetzte.

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