Aachen baut wieder auf den längsten Riegel der Liga

Von: Christoph Pauli
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An Widerständen hat es Lukasz Szukala (hier bei seiner Premiere gegen Wehen) in dieser Saison nicht gemangelt. Am Montag soll er eine neue Chance erhalten. Foto: imago/T-F-Foto

Aachen. Es war schon etwas später, und um Lukasz Szukala tobte das wilde Leben. Die Stimmung war ausgelassen, Alemannia hatte an diesem 15. August das erste Saisonspiel gegen Wehen Wiesbaden 2:1 gewonnen. Nur der Stimmungsverursacher saß allein an seinem Tischchen in einer Diskothek, nippte am Wasser und grinste in sich hinein.

Szukala hatte kein fehlerfreies Spiel gezeigt, aber den Siegtreffer geköpft. Es war ein guter Start bei seinem neuen Arbeitgeber. Der „große” Plan des ehemaligen Managers Jörg Schmadtke schien aufzugehen. Die enorm anfällige Innenverteidigung wurde vor der Saison personell aufgestockt. Szukala ersetzte Klitzpera, 195 statt 184 Zentimeter. So weit die Idee.

Die längste Innenverteidigung der Liga mit Seyi Olajengbesi ist längst Geschichte. Szukala kassierte eine Gelb-Rote Karte beim MSV Duisburg, eine Rote folgte beim FC St. Pauli. Zudem wurde er bei dem einen oder anderen Gegentreffer im Abwehrzentrum in flagranti erwischt. Der Spieler war aus der Bahn geworfen, auch weil Nachfolger Thomas Stehle monatelang überzeugte, was auch Szukala anerkennt.

Der Schlaks landete auf der Ersatzbank, es reichte nur noch für Minuteneinsätze. „Er hat nicht die größte Ungerechtigkeit auf Erden erlebt”, sagt sein Trainer Jürgen Seeberger. Alltag mit seinen üblichen Härten in der Leistungsgesellschaft.

Szukala kennt solche Monate in der Warteschleife. Zwei Verletzungen an der Patellasehne warfen ihn auch bei 1860 München zurück. Was bleibt, sind ein paar Freundschaftsspiele und immer wieder die Trainingseinheiten.

„He, Trainer, siehst Du mich nicht!” So forsch würde es der 24-Jährige nicht formulieren. Er formuliert - natürlich - defensiv. „Es waren ein paar Rückschläge zuviel, es hätte besser laufen können - aber auch schlechter.” Zusätzlich hat sich Szukala immer wieder in die Mucki-Bude aufgemacht, zusätzliche Muskeln bilden einen guten Panzer.

Plötzlich Tribünenkarte

Vor dem Rückrundenstart schien seine Zeit gekommen zu sein, Thomas Stehle meldete sich für (mindestens) Monate ab. Ein eher konfuses letztes Vorbereitungsspiel gegen Hannover sprach dann gegen ihn. Beim Startschuss in Wehen stand Lagerblom in der Innenverteidigung. Beim nächsten Heimspiel landete Szukala gar auf der Tribüne. Der Innenverteidiger verstand die Ausbootung nicht, fragte nach, ob sein Berater vorbeischauen sollte ...

„Solche Reaktionen sind normal, wenn jemand nicht berücksichtigt wird”, sagt Ex-Profi Andreas Bornemann. Der Manager registriert sie, mehr nicht. „So ist der Fußball eben”, meint er lakonisch.

Dieser Fußball ist kein kalkulierbarer Zeitgenosse. Nur ein paar Tage später steht der ehemalige Tribünengast Szukala vor seinem Comeback.

„Man muss bereit sein für die Chancen, die kommen”, sagt Seeberger und erinnert an das Vorrunden-Beispiel Milchraum. Auch der Sprinter landete auf Ersatzbank und Tribüne, „sammelte sich, bündelte die Kräfte, und war wieder da”, meint Seeberger.

Der Trainer ist noch auf der Suche nach einem ständigen Partner von Olajengbesi, auch im Spiel von Vukovic gibt es viele Schwankungen. „Ich will das Vertrauen der Trainer mit einer konzentrierten Leistung zurückgewinnen,” sagt Szukala.

Der Rahmen stimmt jedenfalls, der 22. Spieltag wird mit einem kleinen Spitzenspiel im vermutlich ausverkauften Tivoli abgeschlossen. Gegner MSV Duisburg muss kurzfristig auf Außenverteidiger Tobias Willi verzichten, der sich einen Innenband-Teilabriss zugezogen hat.

Der MSV muss damit rechnen, dass Aachen eine Offensiv-Waffe mehr im Spiel hat. Szukala gilt als einer der besten Kopfballspieler der Liga. Seit Monaten ist er nach den Wettkämpfen nicht mehr unterwegs gewesen. Zu feiern gab es nicht viel. Manchmal ändern sich die Zeiten aber überraschend schnell.
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