Zweite Karriere: Aachenerin im Padel-Nationalteam

Von: Roman Sobierajski
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Aachen/Wien. Vorgezeichnet war ein ganz anderer Weg: Mit drei Jahren stand Tracy Castillo zum ersten Mal auf einem Tennisplatz, „und seitdem war ich da eigentlich auch nicht mehr wegzubekommen“, meint die heute 26-Jährige.

Die ersten Schritte auf der roten Asche machte Castillo beim TC Brand, und von dort aus führte der Weg steil nach oben. Schon in jungen Jahren zählte Castillo zu den ganz großen Nachwuchs-Hoffnungen unter den deutschen Tennisfrauen, so war der Weg in die Auswahlmannschaften fast zwangsläufig. „Mein schönstes Erlebnis war die Teilnahme an der Junioren-Europameisterschaft“, erinnert sich Castillo an den Sieg über die spätere Wimbledon-Finalistin Agnieszka Radwanska. „Spätestens da stand für mich fest, dass ich Tennis zu meinem Beruf machen möchte.“

Soweit der Traum, aber das Leben sah ein anderes Drehbuch vor. Die Aachenerin hat gerade einmal zwei internationale Turniere – in Alkmaar auf Sand und in Istanbul auf Hartplatz – in ihrer Vita stehen, denn eine Knieverletzung – Meniskusriss – mit anschließender Operation beendete alle Hoffnungen auf das Dasein als Tennisprofi. „Diesen Traum habe ich leider begraben müssen“, erinnert sich Castillo, die sieben Jahre für die Frauen-Mannschaft des TK Grün-Weiß Aachen antrat und in der Bundesliga für den Lintorfer TC gemeldet war, an den harten Schnitt, der eine berufliche Neuorientierung notwendig machte.

Was folgte, war ein einjähriger Studienaufenthalt in den USA – natürlich ein Tennisstipendium. „Wenn man einmal infiziert ist, lässt einen der Sport nicht mehr los, auch wenn es für die große Karriere nicht mehr gereicht hat.“ Erfolgreich war Castillo dennoch und wurde als „Freshman of the year“ und als „Student Athlete of the year“ ausgezeichnet. An das Jahr in den USA schloss sich das Medizinstudium in Wien an, „und es machte mich ganz krank, dass mir die Bewegung und das Tennisspiel fehlten“, erzählt Castillo.

Zum Glück gibt es eine Medizin dagegen, die unter Tennisspielern schon weit mehr ist als ein Geheimtipp: Padel, die kleine Schwester, eine Mischung aus Tennis und Squash. Auf dem amerikanischen Kontinent ist der Sport bereits weit verbreitet, und auch in Europa findet diese Variante mehr und mehr Anhänger. Auch in Deutschland gibt es bereits einige regionale Ligen, manche aktuellen Tennisprofis tragen sich mit den Überlegungen, nach der aktiven Karriere ein Padel-Center zu eröffnen.

Gespielt wird im Doppel auf einem Feld, das von der Aufteilung her dem Tenniseinzel entspricht. Statt eines mit Saiten bespannten Rackets werden die Bälle mit leichten Karbonschlägern malträtiert, die drei Kunststoffwände, die das Spielfeld umranden, können angespielt werden. „Ich war sofort vom Virus angesteckt, und mein Sportlerherz blühte wieder auf“, steckte die angehende Ärztin ihre gesamte Energie in diesen Sport. Die Erfolge ließen dann auch nicht lange auf sich warten: Castillo, die aktuell in Wien lebt, wurde sowohl bei den Frauen als auch im Mixed österreichische Meisterin. „Die Österreicher haben nicht so sehr darüber gejubelt. Mein Ziel war es jetzt, es bis in die deutsche Nationalmannschaft zu schaffen.“

Viele schweißtreibende Trainingseinheiten und einige Auswahllehrgänge später war es geschafft. Bundestrainer German Schäfer nominierte Tracy Castillo für die EM, die am 3. Dezember in Den Haag in den Niederlanden startet. Das deutsche Team trifft auf die favorisierten Portugiesen und die Mannschaft des Gastgebers. „Natürlich möchte ich am liebsten den Sieg für Deutschland nach Hause holen, aber genauso wichtig ist es für mich den Padel-Sport in Deutschland bekannter zu machen“, hat sich Castillo vorgenommen. Und was sie sich einmal in den Kopf setzt.

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