Xhaka: „Ich bin keiner, der die Flucht ergreift“

Von: Heribert Förster
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Ein sehr dynamischer Fußballer: Granit Xhaka. Foto: imago/M.Müller

Mönchengladbach. Natürlich hat er das kleine Transparent schon gesehen, hoch oben unter dem Dach in der Nordkurve. „Pro Granit, Xhaka du schaffst das“ haben Mitglieder des Ü-40-Fanklubs mit dem schönen Namen „Voll den Schuss weg für Borussia“ aufgemalt.

„Das tut einem schon gut, wenn man von den Fans unterstützt wird“, sagt der Schweizer, der auch sagt: „Es ist nicht alles so gelungen, wie wir uns das alle vorgestellt haben.“ Alle sind in der Tat alle. Der Spieler, die Verantwortlichen, die Fans, die Medien.

Rückblick: Granit Xhaka kommt. Ein Riesentalent, europaweit begehrt. Bei seinem Wechsel vor zehn Monaten vom FC Basel zu Borussia Mönchengladbach noch 19 Jahre jung. Stolze 8,5 Millionen Euro teuer. Selbstbewusst. Äußerst selbstbewusst. Forsch bei seinen Aussagen. Und extrem ehrgeizig. Mit Folgen. „Ich habe mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt.“ Auch weil der gebürtige Schweizer, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, immer im Kopf hatte, „dass ich sehr viel gekostet habe“.

Also wollte der Schweizer Nationalspieler „allen Leuten zeigen, was ich wirklich kann, dass ich kein Fehleinkauf bin. Und dann willst du zuviel, und am Schluss gelingt dir gar nichts.“ Einige Spiele gelang auch der neu formierten Borussia in dieser Zeit nichts, Trainer Lucien Favre wollte die Defensive stabilisieren, und mit Thorben Marx lief es fortan besser.

Xhaka fand sich auf der Bank wieder und wirkte bei seinen Einwechslungen gehemmt. Einige „Anhänger“ pfiffen, und bei den Fans entstand die Idee, ein Pro-Xhaka-Plakat anzufertigen und eine Facebook-Initiative (gegen Spieler-Bashing und für fairen Support) zu gründen.

Xhaka, der am 28. Juli 2010 als 17-Jähriger sein Profidebüt gab und nach seiner Einwechslung für den FC Basel gleich den Treffer zum 2:0-Endstand in der Qualifikation zur Champions League in Debrecen/Ungarn erzielte, sagt heute über die Zeit: „Es tut jedem gut, wenn man mal einen Rückschlag bekommt, wenn man wieder bei Null anfangen muss. Wenn man sich Gedanken machen muss, was macht man falsch. Das hat mir persönlich sehr gut getan.“ Nur eine Phrase die Bilanz dieser Phase? „Nein, bei mir ist das so. Es war ein Lernprozess. Ich hatte zwei schöne Jahre in Basel, da lief alles positiv. Aber ich wusste, es kommt irgendwann die Zeit, in der nicht alles positiv läuft. Ich bin glücklich darüber, dass mir das jetzt passiert ist, so früh in der Karriere.“

Erst als sich Havard Nordtveit vor drei Spieltagen in Stuttgart das Nasenbein brach, schlug wieder Xhakas Stunde. Nach seiner frühen Einwechslng zeigte er eine gute Leistung, im folgenden Heimspiel gegen Augsburg „meine beste, seit ich bei Borussia bin“, und auch in Wolfsburg gehörte er zu den besseren Borussen. Trotz der Niederlage im „Spiel des Jahres“, wie es Abwehrspieler Alvaro Dominguez formuliert hatte. Das 1:3 tat weh, hat die Chancen der Borussia für die Qualifikation für das europäische Geschäft in der kommenden Saison nicht verbessert. Aber auch nur unwesentlich geschmälert.

Am Freitag ab 20.30 Uhr im ausverkauften Borussia-Park gegen Schalke 04, steigt für Xhaka das „Spiel der Saison“. Und der Mann mit der Rückennummer 34 hat eine klare Vorstellung: „Wenn wir verlieren würden, wäre es vorbei. Aber ich bin überzeugt, dass wir Schalke schlagen können. Und dann bin ich überzeugt, dass wir uns für Europa qualifizieren können.“

Und spätestens dann will Granit Xhaka zeigen, dass sich die Investition der Borussia in ein europäisches Top-Talent auszahlen wird. Ein Wechsel, vielfach in verschiedenen Medien angedeutet, ist für den schussstarken Mittelfeldspieler kein Thema. „Ich bin keiner, der nach so einer Phase flüchtet. Das werde ich nie tun.“

Die Unterstützung der Verantwortlichen hat Xhaka immer gespürt, und sowohl Favre wie auch Sportdirektor Max Eberl betonen immer wieder, dass sie dem 20-Jährigen Zeit geben wollen. Favre bemüht oft den Vergleich mit dem heutigen Schalker Roman Neustädter, der bei der Borussia ebenfalls viel zeit benötigte und bekam, um Stammkraft zu werden. Also Herr Xhaka: Liegen wir nicht falsch, wenn wir schreiben: Sie bleiben? „Sie liegen nicht falsch.“

Die Eingewöhnung ist langsam abgeschlossen. Die größte Umstellung für Xhaka war indes nichts fußballspezifisches, sondern „dass ich von zu Hause weg war. Meine Mama oder mein Papa sind zwar öfters hier. Aber ohne meine Kumpels, ohne meinen Bruder Taulant, der auch mein bester Kumpel ist, das war sicherlich die größte Umstellung. Aber ich bereue keine Sekunde, dass ich nach Mönchengladbach gewechselt bin.“

In Erkelenz hat er ein Haus bezogen, und nach seinen letzten drei Auftritten, „die waren eigentlich sehr ordentlich, man sieht, dass ich besser ins Spiel komme“ weiß Xhaka: „Ich habe das Vertrauen jetzt, und das ist das Wichtigste im Fußball.“ Das freut dann auch den Fanklub „Voll den Schuss weg für Borussia“.

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